Dienstag, August 9, 2022
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Personalmangel in Kitas: Erzieher am Limit

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In vielen Kitas fehlen Lehrkräfte. Die Gewerkschaften fordern höhere Gehälter und kleinere Gruppen. Aber reicht das?

Es braucht unzählige Anrufe, Gespräche und Tränen, bis Elena* in ihrem Wohnort bei Düsseldorf Kita-Plätze für ihre beiden Kinder bekommt. „Ich habe wie eine Wilde kommuniziert, Vitamin B spielen lassen und hätte mich beschwert, wenn ich keinen Platz bekommen hätte“, sagt sie. Elena arbeitet Vollzeit, ihr Mann arbeitet auch Vollzeit, ihre Großeltern wohnen weit weg.

Trotzdem haben sie in der ersten und zweiten kommunalen Vergaberunde keinen Betreuungsplatz für ihre Kinder im Alter von drei und einem Jahr bekommen. Dass es schließlich in Runde drei geklappt hat und sie sogar beide Kinder in derselben Einrichtung unterbringen konnte, ist vor allem ihrer eigenen Hartnäckigkeit und einer engagierten Kita-Leiterin zu verdanken. Ihren richtigen Namen will Elena deshalb nicht öffentlich nennen.

Einer der Gründe, warum es so schwierig ist, einen Kitaplatz zu bekommen, ist der Mangel an Personal. In Neuss konnten elf Kitagruppen nicht in Betrieb genommen werden. Als Hauptgrund für die verzögerte Inbetriebnahme nennt die Stadt fehlendes Fachpersonal. „Allerdings konnte die Stadt Neuss bislang allen Eltern einen Betreuungsplatz anbieten, allerdings nicht immer in der von der Familie gewünschten und fakultativen Einrichtung“, sagt ein Sprecher.

Seit Jahren fehlt es bundesweit an Ausbildern, so das Ergebnis einer einmal jährlich durchgeführten Studie des Bildungskongressveranstalters „Fleet Education“ und des Aus- und Weiterbildungsverbandes. 2022 wurden rund 4.800 Kita-Leitungen befragt. Die Folge: Zuletzt hat sich der Fachkräftemangel auch wegen der Corona-Pandemie wieder verschärft.

„Geschätzte 9.000 Kitas in Deutschland arbeiteten im vergangenen Jahr mehr als die Hälfte der Zeit mit aufsichtsrelevanter Unterbesetzung“, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung. Das sind mehr als doppelt so viele Kitas wie ein Jahr zuvor.

„Einerseits haben wir in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz ab drei Jahren, andererseits sehen wir, dass dies mit dem vorhandenen Personal nicht möglich ist.“

Von der wissenschaftlich empfohlenen Facharbeiter-Kind-Relation, egal ob bei den über 3-Jährigen oder bei den unter 3-Jährigen, wird man in vielen Bundesländern im Jahr 2022 noch weit entfernt sein. Zu ähnlichen Ergebnissen kam in diesem Jahr eine Umfrage des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes unter Kita-Leitungen.

Darunter leiden auch die Erzieherinnen und Erzieher, die den Personalmangel ausgleichen müssen. Andreas Aguirre betreibt im Kreis Mettmann eine Kindertagesstätte und ein Familienzentrum und berät als Vertrauensmann die Gewerkschaft ver.di. Auch seine Einrichtung war lange Zeit unterbesetzt, weil für drei schwangere Kolleginnen kein Ersatz gefunden werden konnte. Schließlich bewarb der Träger unbefristet Schwangerschaftsersatz, um Personal zu gewinnen.

„Wir spüren jeden Tag in unserer Bildungsarbeit, dass wir am Limit arbeiten“, sagt er. Seine Kita betreut viele Kinder aus Flüchtlingsfamilien mit besonderen Sprachbedürfnissen. Aufgrund der großen Gruppen ist es schwierig, allen Kindern gerecht zu werden. Das zementiert die Chancenungleichheit bereits in der Kindheit.

Wie kann man mehr Menschen für den Beruf des Erziehers begeistern? Udo Beckmann vom Aus- und Weiterbildungsverband ist überzeugt, dass es bei einer besseren Ausbildungsvergütung und insgesamt deutlich besseren Bedingungen für Erzieherinnen und Erzieher anfängt. Außerdem brauchen die Landesregierungen eine „Personaloffensive“ für mehr Fachkräfte.

Kita-Leiter und ver.di-Vertrauensmann Andreas Aguirre kennt Einrichtungen, die ein übertarifliches Gehalt bieten und mit Angeboten wie einem kostenlosen Fitnessstudio-Abo locken. „Aber ich hätte lieber gute Tarifverträge, die allen Erziehern gute Löhne bringen.“

Wichtig ist auch mehr soziale Wertschätzung für den Job und Entlastung – in Form von mehr Personal und kleineren Gruppen. „Der Lärm- und Stresspegel in den Kitas ist derzeit sehr hoch. Ich kenne viele Kollegen, die unter Tinnitus leiden und ausgebrannt sind“, sagt Aguirre. Viele überlegten, den Job ganz aufzugeben.

Leidtragende des Personalmangels sind letztlich auch Familien, die trotz eines Rechtsanspruchs keine angemessene Betreuung finden. Elena hat die mühsame Suche nach zwei Kita-Plätzen für ihre Kinder ernüchtert. „Es ist wirklich erschreckend, wie schwer es einem gemacht wird.“



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Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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