Dienstag, Mai 17, 2022
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Preise für Öl und Gas steigen stärker als in heftigen Krisen

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Die Preise für Kraftstoffe, Heizöl und Gas sind im März so stark gestiegen wie nie zuvor in den vergangenen 50 Jahren. Auch während der beiden Ölkrisen und der Finanzkrise stiegen die Preise weniger extrem.

Die Preise für Kraftstoffe sind in Deutschland im März so stark gestiegen wie nie zuvor in den vergangenen 50 Jahren. Die Steigerungsrate der Spritpreise lag sogar höher als während der beiden Ölkrisen 1973/1974 und 1979/1980 und während der Finanzmarktkrise 2008/2009. Das geht aus Berechnungen des Statistischen Bundesamtes hervor.

Im März dieses Jahres zahlten Verbraucher durchschnittlich 41,9 Prozent mehr für Superbenzin und 62,6 Prozent mehr für Diesel als im März 2021. Leichtes Heizöl war sogar 144 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

Als Gründe nannten die Statistiker die Auswirkungen der Corona-Krise und den russischen Angriff auf die Ukraine. Denn vor allem die Importpreise geschossen in die Höhe: Die Importpreise für Erdölen erreicht im Februar 2022 mit Plus von 256,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat fast den historischen Höchststand des Jahres 2012.

Die Preise für importiertes Erdgas stiegen im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 256,5 Prozent auf einen bisher nie erreichten Stand. Die Auswirkungen auf die Verbraucherpreise bezifferte das Bundesamt nicht.

Ähnliche Entwicklungen bei den Energiepreisen gab es in Deutschland bislang nur im Zusammenhang mit den beiden Ölkrisen 1974 und 1980 sowie der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009. So stiegen etwa im November 1973 die Einfuhrpreise für Erdöl gegenüber dem Vormonat Oktober um 41,6 Prozent, ausgelöst durch den Beginn des Jom-Kippur-Krieges. Die in der OPEC organisierten erdölexportierenden Staaten hatten damals ihre Fördermenge gedrosselt, um Druck auf westliche Staaten auszuüben.

Im März 1974 kostete importiertes Erdöl dann mehr als drei Mal so viel wie ein Jahr zuvor. Aus Sicht der Verbraucherinnen und Verbraucher erreichte der Preisanstieg bei den Kraftstoffen den Höhepunkt im Februar 1974 mit einem Plus von 32,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Im März 1980, während der zweiten Ölkrise, erhöhte sich der Preis für importiertes Erdöl gegenüber dem Vorjahresmonat. Damals sorgten die Förderausfälle im Zusammenhang mit der Islamischen Revolution im Iran seit Januar 1979 und dem im September 1980 begonnenen Ersten Golfkrieg für eine Verknappung des Angebots auf den Weltmärkten. Die Importpreise blieben jahrelang auf einem hohen Niveau und fielen erst nach einem Höchststand 1985 in den Folgejahren wieder.

Für die sterben Privatkunden waren die Preissprünge in der zweiten Ölkrise ebenfalls deutlich spürbar. Schon im Juli 1979 kostete leichtes Heizöl 110,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ein Rekordhoch erreichten die Spritpreise im September 1981, als Kraftstoffe 27,7 Prozent mehr kosten als ein Jahr zuvor.

Ihren bis dahin höchsten Stand erreichten die Einfuhrpreise für Öl im Juli 2008. Damals stiegen als Reaktion auf die Finanzkrise im Vergleich zum Vorjahr um rund 57 Prozent. Ihren Anfang nahm die Finanzmarktkrise im August 2007 in den Vereinigten Staaten und erreichte ihren Höhepunkt im September 2008 mit dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Großbank Lehman Brothers.

Im Sommer 2008 erreichten die Verbraucherpreise für Kraftstoffe und Heizöl Höchststände. Leichtes Heizöl kostete im Juni 2008 für Privatkunden 61,8 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, im Juli 2008 verteuerten sich Kraftstoffe um 15,2 Prozent gegenüber dem Juli 2007.

Der Ölpreis bewegt sich derzeit auf hohem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 108,59 US-Dollar. Das sind 1,34 Dollar mehr als am Vortag. Die gestiegenen Preise begründen Händler mit der Aussicht darauf, dass die Rohöl-Nachfrage in China wieder anzieht. So haben Autohersteller und Supermärkte nach dem strikten Corona-Lockdown in der Wirtschaftsmetropole Shanghai damit begonnen, ihren Betrieb wieder aufzunehmen.



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