Donnerstag, Dezember 1, 2022
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Pro und Contra: Mit Atomkraft aus der Energiekrise?

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Niedrigere Energiepreise durch mehr Kernenergie? Die FDP sagt ja, die Grünen nein. Ein Kabinettsbeschluss wurde daher heute vertagt. Vor- und Nachteile der Argumente.

„Wir sind uns noch nicht einig“, sagte Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) am Mittwoch nach der Bundeskabinettssitzung. Deshalb wurde das Thema Kernkraftwerke von der Tagesordnung genommen. Eigentlich hätte entschieden werden müssen, die beiden noch aktiven Anlagen Isar 2 und Neckarwestheim 2 weiter zu betreiben, wie von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Verdi) vorgeschlagen.

Bis Mitte April soll im sogenannten Streckmodus, also ohne Einsatz neuer Brennelemente, weitergefahren werden können. Der FDP reicht es nicht. Minister Lindner will, dass die beiden plus die noch aktive dritte Emsland-Anlage bis 2024 weiterlaufen, und: Laut Lindner im ZDF soll geprüft werden, „zwei weitere aus der Reserve zu nehmen“. Also fünf Kernkraftwerke.

Entnahmebetrieb, Laufzeitverlängerung, Energiesicherheit, Preise: Die Argumente gehen hin und her. Ein Pro und ein Contra.

Das Hauptargument von Bundesfinanzminister Lindner:

In der aktuellen Energiekrise, wo die Gaspreise auf dem Weltmarkt seit dem russischen Angriff auf die Ukraine um ein Vielfaches gestiegen sind, kann es nicht anders sein. Dass Deutschland seine Atomkraftwerke wie 2011 vereinbart zum Jahresende abschaltet, würde laut Lindner niemand im Ausland verstehen. Rund zwölf Prozent des Erdgasvorrats würden derzeit verstromt.

Der europäische Energiemarkt ist eng miteinander verflochten. Dass die beiden Atomkraftwerke in Süddeutschland voraussichtlich länger bis Mitte April laufen, hat damit zu tun: Da etwa die Hälfte der Atomkraftwerke in Frankreich derzeit nicht am Netz sind, muss Deutschland eingreifen.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie spricht sich für eine Fristverlängerung aus. Laut einer Umfrage des Verbandes rechnen 34 Prozent der mittelständischen Unternehmen mit existenziellen Problemen durch hohe Energiekosten. Für Verlängerungen brauche es laut Verband ein „klares Signal“:

Ohne neue Brennstäbe können Kraftwerke bis zu 90 Tage Strom produzieren, den sogenannten Ziehbetrieb. Laut Branchenverband Kerntechnik Deutschland lieferten die im Jahr 2021 noch in Betrieb befindlichen Kernkraftwerke knapp zwölf Prozent der gesamten Bruttostromerzeugung in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2022 waren es laut Statistischem Bundesamt allerdings nur sechs Prozent.

Drei stillgelegte Kraftwerksblöcke wurden erst Ende vergangenen Jahres stillgelegt – auf diese drei konnte Lindner verweisen: Brokdorf, Grohnde, Gundremmingen. Alle anderen sind bereits ganz oder teilweise abgebaut.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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