Montag, September 26, 2022
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Protestexperten: Könnten Proteste zu einem Staatsstreich im Iran führen?

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Hunderte gehen im Iran gegen die Regierung auf die Straße. Experten halten eine Trendwende für weniger wahrscheinlich. Langfristige Veränderungen sind jedoch vorstellbar.

Tausende Menschen sind seit dem Tod des 22-jährigen Mahsa Amini in Polizeigewahrsam im Iran auf die Straßen gegangen. Viele Frauen protestieren gegen die Kleiderordnung und verbrennen ihre Schleier. Daran seien verschiedene Bevölkerungsschichten beteiligt, darunter auch Teile der Mittelschicht, erklärt die Politologin Azadeh Zamirirad live auf ZDFheute. „In dieser Bewegung steckt eine Menge Dynamik“, analysiert er.

Eine besondere emotionale Komponente gebe es durch das persönliche Schicksal „dieser jungen Frau, die so tragisch aus dem Leben gerissen wurde“, sagt Zamirirad. Das unterscheidet die aktuellen Proteste von denen der letzten Jahre, etwa gegen die prekäre Wirtschaftslage.

Aber nicht nur die Menschen, die gegen die Regierung und die Sittenpolizei sind, gehen auf die Straße. Auch regierungstreue Demonstranten nahmen am Freitag teil und kritisierten die Frauen, die ihre Schleier verbrannten. Doch der Politologe Zamirirad glaubt, „dass ein großer Teil der iranischen Gesellschaft gegen die Verschleierungspflicht ist“. Dies wurde auch durch die iranischen Umfragen hervorgehoben.

„Das bedeutet, dass nicht nur eine bestimmte Anzahl von Frauen in der iranischen Gesellschaft gegen die Verschleierungspflicht ist, sondern auch eine bestimmte Anzahl von Männern.“ Laut Zamirirad finden manche Frauen, die einen Schleier tragen, das nicht sinnvoll.

Laut Zamirirad hat der Schleier eine symbolische Funktion. „Es repräsentiert auch symbolisch die kulturellen Kämpfe innerhalb des Iran, die wir ausgetragen sehen.“

Azadeh Zamirirad glaubt, „dass bei Protesten im Iran – insbesondere bei Massenprotesten – das Potenzial für größere und stärkere Umwälzungen besteht“. Der Staat verfügt jedoch über wirksame Maßnahmen, um gegen die Proteste vorzugehen, und hat sie in der Vergangenheit effektiv eingesetzt.

Auch ZDF-Korrespondent Jörg Brase, der zuletzt im Iran war, befürchtet, dass die Proteste brutal niedergeschlagen werden könnten. Ihm zufolge wird das Regime alles tun, um die Demonstrationen zu stoppen. Am Freitag gab das iranische Militär die schärfste Warnung heraus, dass die Sicherheit im Land gestört werden könnte. Auch die Geheimdienste haben davor gewarnt, an „illegalen Kundgebungen“ teilzunehmen.

Der Politikwissenschaftler Zamirirad glaubt, dass es unabhängig von einem möglichen Putsch langfristige Entwicklungen geben kann. Ihrer Meinung nach findet die Debatte nicht nur auf der Straße statt, sondern in der Öffentlichkeit und in der Politik.

ZDF-Korrespondent Brase bezweifelt, dass die Mehrheit im Iran für einen Putsch ist. Aber viele wollen Reformen, sagt Brase. Das Novum der Bewegung ist, dass der Tod von Mahsa Amini so viele erschütterte, dass auch Menschen aus dem konservativen Lager auf die Straße gingen. Sonst hätten sie nicht gegen die Regierung demonstriert.

Aber es könnte das Potenzial für Reformen geben, die im Parlament diskutiert werden, sagte Brase. So könne etwa die Sittenpolizei in ihren Befugnissen eingeschränkt werden: „Dass sie nicht mehr so ​​hart gegen Frauen vorgehen soll, dass Verstöße gegen die Verschleierungspflicht nicht mehr kriminalisiert werden.“

Es scheint eine Debatte über die Regeln zu geben, sagte Brase. „Aber es geht nicht grundsätzlich darum, den Schleier abzuschaffen. Und vor allem geht es nicht darum, die Regierung zu stürzen.“

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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