Donnerstag, August 11, 2022
StartNACHRICHTENProzess um Linksextremistin Lina E. Kronzeugin gesteht Übung von Übergriffen auf Neonazis

Prozess um Linksextremistin Lina E. Kronzeugin gesteht Übung von Übergriffen auf Neonazis

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Lina E. und ihre Mitstreiter sollen im Vorfeld Angriffe auf Neonazis trainiert haben. Das sagte ein Zeuge aus der linksextremen Szene im Prozess aus. Außerdem sollen Rechtsextremisten ins Visier genommen werden, die 2016 den Leipziger Stadtteil Connewitz verwüstet und Linke angegriffen haben.

Nach Angaben des Kronzeugen im Prozess gegen mutmaßliche Linksextremisten um die Studentin Lina E. sollen die Angeklagten regelmäßig Szenarien für Angriffe auf Neonazis geübt haben. Es seien unterschiedliche Konstellationen angenommen worden, je nachdem, ob die Betroffenen mit einem Angriff gerechnet hätten oder nicht, sagte der 30-Jährige im Oberlandesgericht Dresden (OLG). Während der Trainingseinheiten gab es jedoch keine Absprachen über konkrete Aktionen.

Dabei stehen die Studentin Lina E. aus Kassel und drei Männer aus Leipzig und Berlin vor Gericht. Die Bundesanwaltschaft wirft ihnen vor, zwischen 2018 und 2020 Mitglieder der rechten Szene in Leipzig, Wurzen und Eisenach verprügelt zu haben. Außerdem wird ihnen die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, als deren Kopf Lina E. gilt. Die Verteidigung hält diesen Vorwurf für erfunden und spricht von einem „politisierten Vorgehen“. Alle vier schweigen bisher zu den Vorwürfen.

Bei der Anhörung wurde auch die sogenannte 215-Liste besprochen. Am 11. Januar 2016 überfielen vermummte Neonazis und Hooligans den bei Linken beliebten Leipziger Stadtteil Connewitz und hinterließen ein Bild der Verwüstung. Der Mob verbrannte Autos, schlug Fenster ein, zündete Pyrotechnik und versuchte, eine Barrikade zu errichten. Damals hatte die linke Szene in der Innenstadt gegen islam- und fremdenfeindliche Legida-Anhänger – den Leipziger Ableger von Pegida – demonstriert. Später wurden 215 Verdächtige für den Anschlag auf Connewitz identifiziert.

Es gehe darum, diese Liste „abzuarbeiten“, sagte der Zeuge. Die Verlobte des Hauptangeklagten, Lina E., versuchte über gefälschte Facebook-Profile mit Rechtsextremisten in Kontakt zu treten. Der Mann selbst sitzt in Dresden nicht auf der Anklagebank, er ist untergetaucht. Der Kronzeuge behauptet auch, von ihm Berichte und Geständnisschreiben über vollzogene Taten erhalten zu haben. Das von ihm angeführte Beispiel bezog sich jedoch nicht auf einen der beim Oberlandesgericht anhängigen Fälle.

Der Kronzeuge war nach eigenen Angaben als „Scout“ im Einsatz und an einer der angeklagten Taten nur am Rande beteiligt. Zuvor soll er aber Informationen über Rechtsextremisten für die Szene ausgespäht haben. Seit er sich den Sicherheitsbehörden offenbart hat, gilt er in der linksextremen Szene als Verräter. Wegen einer möglichen Bedrohung wird er im Sicherheitsraum zusätzlich von mehreren Beamten bewacht. Lina E. sitzt in Untersuchungshaft, die Mitangeklagten sind auf freiem Fuß.

Vor dem Gerichtssaal kam es erneut zu einer Demonstration für die Freilassung des 27-Jährigen. Auch ein Brief ihrer Mutter wurde verlesen, in dem protestiert wird, dass ihre Tochter seit 638 Tagen in Untersuchungshaft sei und in einem Konvoi und in Hand- und Fußfesseln zu jeder Anhörung gebracht werde.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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