Freitag, Juni 24, 2022
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Ratzinger trägt Mitschuld an Missbrauchsopfern verklagter Ex-Papst Benedikt

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Der Fall des pädophilen Priesters Peter H. bringt den emeritierten Papst Benedikt erneut in Bedrängnis. Berichten zufolge hat eines der Opfer des Priesters eine Klage gegen ihn eingereicht, da es wusste, dass er ein Wiederholungstäter war. Muss sich der 95-Jährige bald vor einem weltlichen Gericht verantworten?

Ein Opfer des pädophilen Priesters Peter H. hat Klage gegen Kardinal Joseph Ratzinger – also den emeritierten Papst Benedikt XVI. – eingereicht. – und andere Kirchenvertreter eingereicht. Das berichteten der Forschungsverbund Correctiv, die „Zeit“ und der Bayerische Rundfunk. Demnach muss sich der 95-Jährige möglicherweise vor einem weltlichen Gericht für den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche verantworten. Der Emeritierte Papst habe „von allen Umständen Kenntnis gehabt und zumindest akzeptiert, dass dieser Priester ein Wiederholungstäter ist“, heißt es in der Anzeige.

Der heute 38-jährige Kläger wirft dem emeritierten Kirchenvorsteher vor, den Pfarrer trotz besseren Wissens in der kirchlichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt zu haben. Ex-Papst Benedikt nahm H. während seiner Zeit als Erzbischof Joseph Ratzinger Anfang der 1980er Jahre in seiner Diözese München und Freising auf, obwohl H. als Pädophiler bekannt war. In Bayern beging der Pfarrer daraufhin weitere Missbrauchshandlungen.

Die Straftaten sind weitgehend verjährt. Dem Bericht zufolge hat der Anwalt des jetzt klagenden Bayerns, der Berliner Strafverteidiger Andreas Schulz, eine Feststellungsklage zur Feststellung der Schuld der Kirche eingereicht. Kommt das Gericht zu dem Schluss, dass der damalige Pfarrer H. den Kläger missbraucht habe, könne die Kirche „zum Ersatz des Schadens verpflichtet werden“, zitieren die Medien aus der Klage. Die beim Amtsgericht Traunstein eingereichte Klage richtet sich dem Bericht zufolge auch gegen Kardinal Friedrich Wetter und den Generalvikar des Erzbistums München und Freising, Christoph Klingan. Laut dem Anwalt des Opfers haften Ratzinger, Wetter und das Erzbistum München und Freising „gesamtschuldnerisch“ für die „Duldung“ des sexuellen Missbrauchs des Klägers.

Im Zusammenhang mit massiven Vorwürfen gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI. Ständiger Pfarrer Peter H. aus dem Bistum Essen wurde in diesem Jahr aus dem Klerus entlassen. Der Vatikan habe H. im Rahmen eines laufenden kanonischen Verfahrens die rechtliche Weisung erteilt, dass er angesichts der Vorwürfe selbst einen Antrag auf Entlassung aus dem Priesteramt stellen könne, hatte das Bistum Essen mitgeteilt. H., der als Pädophiler verurteilt wurde, machte davon Gebrauch und wurde inzwischen laisiert.

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hatte dem ehemaligen Geistlichen 2010 den priesterlichen Dienst verboten, ihn aber weiterhin unter der Aufsicht des Bistums belassen. 2020 beorderte Overbeck den zuvor in Bayern lebenden H. zurück ins Ruhrbistum, um ihn stärker kontrollieren zu können. Nach Angaben des Bistums warnte Overbeck in einem Brief an den Vatikan vor einer Laisierung. Wenn H. nicht mehr dem Klerus angehöre, „können diese Bemühungen nicht in dem Maße fortgeführt werden, wie es jetzt geschieht“. „Das sehe ich mit Sorge“, schrieb Overbeck an den Vatikan. Das Bistum befinde sich in Gesprächen mit H., dieser unterliege aber keiner kirchlichen Weisungsbefugnis mehr.

Der Fall des pädophilen Geistlichen führte zu internationaler Kritik an Papst Emeritus Benedikt. Benedikt bestritt in einer Erklärung, die er auf dem Münchener Missbrauchsbericht unterschrieb, die Teilnahme an dem Treffen zu H.s Eingeständnis. Diese Aussage musste er später korrigieren und warf seinen Rechtsberatern einen Fehler bei der Erstellung des Gutachtens vor.

(Dieser Artikel wurde erstmals am Mittwoch, den 22. Juni 2022 veröffentlicht.)

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