Sonntag, Januar 23, 2022
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Regierung sollte schnell expandieren Windkraftindustrie: Brauchen Platz und Kabel

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Mit dem Regierungswechsel hofft die Windkraftbranche auf einen zügigen Ausbau neuer Anlagen. Am Ende kam das fast zum Stillstand. Doch die ambitionierten Pläne der Bundesregierung erfordern vor allem drei Dinge: viel Platz, tausende Kilometer Stromleitungen und schnellere Genehmigungsverfahren.

Die deutsche Windindustrie drängt auf einen schnellen Ausbau der Windkraft in Nord- und Ostsee. Nach der von der Politik verursachten Notbremsung in den vergangenen zwei Jahren sind Windenergiehersteller und -betreiber nun der Meinung, dass Ausschreibungen, Planungs- und Genehmigungsverfahren für neue Anlagen umgehend beschleunigt werden müssen, „um weiteren Zeitverlust zu vermeiden“, so das gemeinsame Jahrbuch Bericht mehrerer Branchenverbände. Angesichts der deutlich ambitionierteren Ziele der neuen Bundesregierung müsse es „darauf ankommen, alle Beschleunigungspotenziale zu heben, um einen wirtschaftlichen und klimafreundlichen Ausbau zu ermöglichen“.

Die neue Regierung aus SPD, Grünen und FDP will den Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch von derzeit rund 42 Prozent auf 80 Prozent bis 2030 steigern. Zudem wurden die Ausbauziele für die Offshore-Windenergie gegenüber deutlich angehoben die vorherige Regierung. Bis 2030 soll beispielsweise die Erzeugungskapazität auf See von 20 auf 30 Gigawatt (GW) steigen. Derzeit sind 1.501 Anlagen mit einer Leistung von knapp 7,8 GW in Betrieb, davon 6,7 GW in der Nordsee und a weitere 1,1 GW in der Ostsee. Seit der zweiten Jahreshälfte 2020 sei der Ausbau der Offshore-Windkraft erstmals seit vielen Jahren vollständig zum Erliegen gekommen – mit entsprechenden Folgen für die Beschäftigung in der Windbranche.

Offshore-Wind ist neben Wind- und Solarenergie an Land eine zentrale Säule beim Ausbau von Ökostrom. Tausende Kilometer neue Stromleitungen müssen verlegt werden, damit der Windstrom, der vor allem im Norden erzeugt wird, große Verbrauchszentren im Süden erreichen kann – der Netzausbau droht sich jedoch um Jahre zu verzögern. Der neue Klimaschutzminister Robert Habeck will nun das Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen. Das ist ein Baustein in Habecks ambitioniertem Programm, das beim Klimaschutz ein „dramatisches Defizit“ sieht.

„Grundsätzlich bietet die Offshore-Windenergie eine unglaubliche Chance“, sagte die Geschäftsführerin der Stiftung Offshore-Windenergie, Karina Würtz, stellvertretend für die Betreiber der Windenergieanlagen. „Das ist ein gewaltiger Wirtschaftsmotor, der viele Milliarden Euro wert ist, aber dieser Motor ist in den letzten Jahren aufgrund fehlender oder falscher politischer Entscheidungen und gesetzlicher Rahmenbedingungen ins Stocken geraten.“ In den kommenden Jahren dürfte der Bau wieder Fahrt aufnehmen – wenn auch bei weitem nicht in ausreichendem Maße. Nach Berechnungen der Deutschen Windguard, einem unabhängigen Beratungsunternehmen der Branche, ist bis 2030 eine zusätzliche Kapazität von rund 4,1 GW absehbar, für die bereits Investitionsentscheidungen getroffen oder zumindest Zuschläge erteilt wurden.

Weitere 8,7 GW sind bereits im Flächenentwicklungsplan (FEP) geplant, die verbleibende Lücke von 9,4 GW wird in der Ende des Jahres gestarteten Fortschreibung des FEP berücksichtigt. Das gilt auch für den geplanten weiteren Ausbau auf 40 GW bis 2035. Die Planung der neuen Regierung in Berlin sieht jedoch bis 2045 mindestens 70 GW Leistung für Offshore-Windenergie vor. „Dafür müssten weitere Flächen erschlossen und ausgebaut werden in erheblichem Umfang identifiziert“, sagt Windguard-Expertin Anna-Kathrin Wallasch.

Darüber hinaus will die Regierung bis 2030 eine Elektrolysekapazität von 10 GW zur Herstellung von Wasserstoff schaffen. Aus Sicht der Branche erfordern die neuen Ausbauziele „eine sofortige Mobilisierung aller Kräfte in Wirtschaft, Gesellschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung auf Bundes- und Landesebene“, wie Würtz sagte. Als Voraussetzung nannte sie neben dem zusätzlichen Flächenbedarf einen massiven Ausbau der Stromnetze und der Infrastruktur in den Häfen. Zudem müssten Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden, die derzeit etwa dreimal so lange dauern wie der Bau selbst.

Sorge bereitet der Windbranche auch mögliche Interessenkonflikte zwischen dem klimapolitisch notwendigen Ausbau der Windenergie und dem Umweltschutz auf See. Umweltverbände kritisieren, dass der Naturschutz beim geplanten Ausbau der wirtschaftlichen Nutzung von Nord- und Ostsee vernachlässigt werde. Naturschutzinteressen seien berechtigt, sagte Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer des Geschäftsbereichs Power Systems im VDMA Maschinenbau. Wenn das Argument für den Naturschutz aber nur gegen die Blockplanung vorgebracht werde, müsse „ein Riegel dran“.

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