Sonntag, Oktober 2, 2022
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Regierungsflüge verdoppelt Berlin-Bonn-Pendler buchen fleißig Tickets

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Mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung haben noch 6 der 15 Bundesministerien ihren ersten Sitz in der alten Hauptstadt. Die Zahl der politischen Pendler zwischen Berlin und Bonn wird 2022 noch einmal deutlich steigen. Zuletzt kaufen sie Tickets für eine Million Euro.

Laut einem Bericht hat sich die Zahl der Flüge von Regierungsbediensteten zwischen den Dienststellen in Berlin und Bonn im ersten Halbjahr 2022 mehr als verdoppelt. Von Januar bis Juni wurden 4.668 Tickets für Flüge zwischen Berlin und Bonn im Gesamtwert von 1.007.775,40 Euro ausgegeben gekauft, berichtet die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Zahlen des Bundesinnenministeriums. Im ersten Halbjahr 2021 gab es nur 2105 Tickets für 445.130 Euro.

Neben der Reisetätigkeit von Mitarbeitern des Ministeriums wurden Flüge von Mitarbeitern nachgelagerter Behörden sowie des Kanzleramtes, des Präsidialamtes und der Pressestelle gezählt. Ein Vergleich mit Ticketzahlen aus der Zeit vor der Corona-Krise ist nicht möglich, da frühere Auswertungen die Reisetätigkeit von Mitarbeitern aller Verfassungsorgane umfassten. 6 der 15 Bundesministerien haben weiterhin ihren Hauptsitz in Bonn.

Teure Reisen zwischen der alten und der neuen Hauptstadt sind seit Jahrzehnten eine Quelle der Debatte. Die „Welt am Sonntag“ verweist auf eine Anfrage des Haushaltsausschusses des Bundestages. Bereits 2008 forderte er die Bundesregierung auf, „durch geeignete Maßnahmen dafür zu sorgen, dass die Anwesenheit von Bundesbediensteten bei Ausschusssitzungen auf das ‚unbedingt notwendige Minimum‘ beschränkt wird“. Dies übernimmt bis in die Formulierungen der jährlich vom Bundesministerium der Finanzen erstellte „Kostenbeteiligungsbericht“. „Alle Abteilungen sind weiterhin bestrebt, die Fahrten der Mitarbeiter zwischen den beiden Arbeitsorten auf das absolut Notwendige zu reduzieren“, zitiert die Zeitung den März-Bericht.

Das Finanzministerium sieht insgesamt eine Reduzierung der Zahl der Berlin-Bonn-Flüge durch Bundesbeamte. Bereits in den vergangenen Jahren wurden strategisch wichtige und politisch relevante Schwerpunkte in das Berliner Büro verlagert. „Außerdem hat die Corona-Pandemie dazu geführt, dass Gremiensitzungen zunehmend digital stattfinden“, hieß es im März. In letzter Zeit nehmen die persönlichen Treffen aber offenbar wieder zu, denn die neusten Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages fordert seit Jahren, die Teilung des Regierungssitzes zwischen Berlin und Bonn schrittweise abzuschaffen. Das Argument: Die vielen politischen Pendler schaden nicht nur dem Klima, sondern auch der Regierungsqualität.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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