Montag, Februar 6, 2023
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Reisner zur Leopard-Entscheidung "Kommen wir nun zur Sache"

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Deutschland liefert den Leopard und genehmigt auch Lieferungen aus anderen Ländern. Experte Markus Reisner erklärt gegenüber The Aktuelle News, ob deutsche Panzer Putin auf dem Schlachtfeld provozieren könnten und welche Waffen nach den Panzern kommen müssen.

The Aktuelle News: Die Entscheidung ist gestern Abend gefallen: Deutschland wird die Ukraine mit Leopard-2-Panzern beliefern. Viele Experten fordern dies seit Monaten. Wie wichtig ist Zeit zu diesem Zeitpunkt im Krieg?

Markus Reisner: Es kann ein entscheidender Faktor werden, weil der Ukraine die Zeit davonläuft.

Weil Russland damit die Frühjahrsoffensive vorbereiten kann?

Genau! Die Ukraine muss so schnell wie möglich wieder in die Offensive gehen. Das ist einer der Gründe, warum Leopard viel früher hätte geschickt werden sollen. Es ist wichtig, sich anzusehen, was Russland tut: Im Februar letzten Jahres starteten die Truppen mit rund 3300 Kampfpanzern, von denen 1300 zerstört wurden. 2000 Panzer sind noch in Betrieb. Allerdings hat Moskau mehr als 10.000 weitere Fahrzeuge im Bestand, Teile davon werden derzeit repariert.

Russland hat noch 10.000 Kampfpanzer auf Lager?

Man muss bedenken, dass es sich um Restbestände aus der ganzen ehemaligen Sowjetunion handelt. Natürlich sind viele der Geräte in einem erbärmlichen Zustand, aber Russland könnte etwa 2.000 Fahrzeuge in einen kampfbereiten Zustand versetzen. Dann hätte das Heer rund 4.000 Kampfpanzer. Je länger die Ukraine braucht, um wieder in die Offensive zu kommen, desto näher kommt Russland dem Ziel von 4.000 Panzern.

Ist Generalstabschef Valeriy Saluschnyj deshalb jetzt so konkret in seinen Forderungen geworden? Er braucht 300 Kampfpanzer, 600 bis 700 Schützenpanzer und andere Artilleriesysteme aus dem Westen.

Und jetzt schauen Sie, wovon der Westen spricht: Bei den Schützenpanzern gibt es Zusagen für 59 Bradleys aus den USA und 40 deutsche Marder-Panzer sowie eine unbekannte Anzahl französischer Aufklärungspanzer. Noch prekärer war die Lage bei den Kampfpanzern. Allerdings gibt es hier derzeit Bewegung.

Anscheinend 30 oder mehr US-Abrams, 14 britische Herausforderer, 14 französische Leclerc. Außerdem konnten 14 Leoparden aus Deutschland, 14 aus Polen und dann Finnland, Schweden, Norwegen, Estland und die Niederlande mitmachen.

Macht insgesamt etwas mehr als hundert schwere Panzer. Mit diesen Angeboten liegen wir noch deutlich unter der ukrainischen Nachfrage von 300 Einheiten, die sich an den 2.000 bis 4.000 Kampfpanzern des Gegners orientiert.

Die Ausbildung der ukrainischen Soldaten steht erst am Anfang. Nach Ihrer Einschätzung: Wie viel Zeit wird dies in Anspruch nehmen?

Ausschlaggebend für diese Einschätzung ist das Ziel der Ausbildung: Wenn die Ukrainer bestrebt sind, den Soldaten zu ermöglichen, den Leopard als Einzelschütze zu „bedienen“, dann können ein paar Wochen ausreichen. Schließlich beginnt die Besatzung nicht bei Null, sondern die Soldaten haben bereits sowjetische Systeme eingesetzt. Man muss sich also mit den Besonderheiten des Leopard vertraut machen.

Dann würden Sie die volle Wirksamkeit der Panzer im „Kampf der kombinierten Waffen“ zugunsten der Geschwindigkeit aufgeben?

Ja, dafür würde die Zeit nicht reichen. Allerdings ist das Zusammenspiel der einzelnen Waffen in der Gruppe enorm wichtig. Marder und Leopard beispielsweise wurden so entwickelt und gestaltet, dass sie sich gegenseitig ergänzen. Den höchsten Einsatzwert erreichen sie, wenn sie von Soldaten geführt werden, die gemeinsam ausgebildet und gemeinsam mit beiden Panzertypen den Kampf auf Verbandsebene geübt haben. Erst in diesen Kampfübungen erfahren sie die Stärken und Schwächen des Systems. Fehlt diese Ausbildung im Verband, dann können die Waffen ihre Wirkung kaum entfalten und die Gefahr steigt, dass sie zur leichten Beute werden. Für so ein Training würde ich mindestens acht bis zwölf Wochen veranschlagen.

Kann man sagen, was genau die Ukraine mit den Panzern vorhat?

Mit diesen Panzern sollen zwei Korps aufgestellt werden, eines bei Poltawa und eines bei Dnjepr. Da hat die Armee mehrere Möglichkeiten. Im Moment wäre es vorteilhaft, aus dem Raum Saporischschja in Richtung Melitopol oder sogar Mariupol vorzustoßen, um die russischen Streitkräfte in Saporischschja, Cherson und auf der Krim mehr oder weniger einzukreisen.

Könnten dann auch deutsche Panzer auf der Krim fahren?

Das wäre im Rahmen der Einsatzplanung durchaus denkbar, denn die schweren westlichen Kampfpanzer wären die Speerspitze jeder Offensivbewegung.

Hintergrund der Frage: Knapp die Hälfte der Deutschen steht Leopard-Lieferungen skeptisch gegenüber. Und viele vermuten hinter dem langen Zögern der Kanzlerin eine Sorge: Putin könnte sich von deutschen Panzern besonders provoziert fühlen.

Eine Lieferung von in Deutschland hergestellten Panzern in dieser Menge könnte es der Ukraine ermöglichen, wieder in die Offensive zu gehen. Aber sie darf Russland nicht so stark schwächen, dass Putin sich dadurch bedroht fühlen würde. 600 Leoparden müssten ausgerollt und viele andere Waffensysteme geliefert werden, damit sie Russland militärisch existenziell bedrohen könnten. Viel mehr muss sich der Kreml um die Lieferung von Präzisionswaffen kümmern, die eine Reichweite von 160 Kilometern haben. Oder Kampfflugzeuge! Sie machen einen Unterschied.

Allerdings: Stellt man so einen Raketenwerfer irgendwo hin, kommt er kaum zum Vorschein. Andererseits der deutsche Panzer auf dem Schlachtfeld – hat das nicht viel mehr Symbolkraft?

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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