Sonntag, November 28, 2021
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RKI: Die Lage ist besorgniserregend. Fast 20 Prozent aller PCR-Tests sind positiv

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In Deutschland ist mittlerweile etwa jeder fünfte PCR-Test positiv. Der starke Anstieg der Infektionszahlen bringt Ärzte, Labore und Behörden an ihre Grenzen. Entspannung ist laut RKI nicht in Sicht. Das Institut befürchtet weitere Covid-Intensivpatienten und Todesfälle.

Die vierte Welle traf Deutschland mit voller Wucht: Fast täglich erreichten die Infektionszahlen neue Höchststände. Gleichzeitig stoßen Testlabore und Intensivstationen an ihre Grenzen. „Die aktuellen Fallzahlen sind höher als alle Vorwellen auf dem Höhepunkt der Vorerkrankungswelle“, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem Wochenbericht und warnt vor einem deutlichen Anstieg der Zahl schwerer Erkrankungen und Todesfälle.

Die Entwicklung sei sehr besorgniserregend, sagt das RKI. Die Behörde fordert Geimpfte und Ungeimpfte auf, alle unnötigen Kontakte zu reduzieren. Zudem sollen größere Veranstaltungen abgesagt und enge Kontaktsituationen, etwa in Clubs, unbedingt vermieden werden. Das RKI schätzt das gesundheitliche Risiko von nicht oder nur einmal geimpften Personen „insgesamt als sehr hoch“ ein. Bei vollständig Geimpften wird davon ausgegangen, dass sie „moderat, aber aufgrund der steigenden Infektionszahlen steigend“ ist.

Die sogenannte Positivquote der Corona-PCR-Tests zeigt, wie dramatisch sich die Infektionslage entwickelt. Laut RKI-Daten steigt sie seit fünf Wochen stetig an. Anfang Oktober lag die positive Quote noch bei 6,4 Prozent. In der vergangenen Kalenderwoche waren laut RKI jedoch 19,9 Prozent aller durchgeführten Tests positiv. Damit hat sich der Wert innerhalb kurzer Zeit mehr als verdreifacht. Und das, obwohl gleichzeitig die Zahl der Tests deutlich gestiegen ist: von weniger als einer Million pro Woche auf zuletzt über 1,8 Millionen.

Niedrige Raten führen laut RKI dazu, dass Tests sehr sensibel durchgeführt werden und auch Personen mit leichten Symptomen erfasst werden. Dies wiederum bedeutet, dass eine hohe Positivquote auf viele unentdeckte Fälle – also auf eine hohe Dunkelziffer – hinweist. Theoretisch sollte die Zahl der Tests jede Woche erhöht werden, wenn die Zahl der Infektionen steigt. Dann würde die Positivrate mehr oder weniger konstant bleiben und die ermittelten Fallzahlen die Infektionsdynamik mehr oder weniger realistisch widerspiegeln. Aber das ist derzeit kaum möglich.

Die vom RKI gemeldete Positivquote ist regional sehr unterschiedlich. In Berlin zum Beispiel sind es nur 5,2 Prozent – ​​und im Vergleich zur Vorwoche sogar um 1,4 Prozent gesunken. Auch in Bremen und Schleswig-Holstein liegt die Quote unter zehn Prozent. Thüringen hingegen hat einen Wert von 38 Prozent und hält damit den Negativrekord. Auch in Sachsen ist jeder dritte Test positiv.

Das ist eine enorme Belastung für die Labore. Einige sind laut Virologin Sandra Ciesek bereits an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. „Ein Befund dauert nicht mehr nur einen Tag, sondern meist drei oder sogar vier Tage“, sagt der Wissenschaftler im NDR-Podcast. Eine Nachverfolgung der Kontaktpersonen ist bei so hohen Zahlen nicht mehr möglich. „Und es gibt eine Verzögerung bei der Berichterstattung.“

In fast allen Landkreisen (406 von 411) liegt die Sieben-Tage-Inzidenz laut RKI-Wochenbericht mittlerweile über 100 Fälle pro 100.000 Einwohner, in 144 Landkreisen sogar über 500. Inzwischen ist laut RKI keine Entspannung in Sicht : „So ist es damit zu rechnen, dass sich der starke Anstieg der Fallzahlen innerhalb der nächsten Wochen fortsetzen wird.“

Auch die Zahl der Infektionen stieg in allen Altersgruppen noch einmal deutlich an. Kinder und Jugendliche sind nach wie vor am stärksten von Infektionen betroffen. Corona-Ausbrüche sind derzeit an Schulen deutlich häufiger, wie der RKI-Wochenbericht zeigt. „Nach einem kurzen Rückgang in den Herbstferien ist nun ein sehr schneller Anstieg zu beobachten.“ Demnach seien zuletzt innerhalb von vier Wochen 1265 Ausbrüche gemeldet worden, heißt es. Allerdings sind die letzten zwei Wochen noch nicht bewertbar. Im Durchschnitt sind jüngere Schüler häufiger betroffen als ältere. Aktuell liege die Zahl der Schulausbrüche „sehr deutlich“ über dem Maximalniveau der zweiten Welle.

Das zeigt sich auch an der Sieben-Tage-Inzidenz: In der vergangenen Woche wurden 920 Neuinfektionen bei den 10- bis 14-Jährigen gemeldet. Eine Woche zuvor waren es 731. Die 5- bis 9-Jährigen folgen mit einer Inzidenz von 828 (Vorwoche: 637) knapp dahinter. Tests sind jedoch besonders häufig in Schulen. Auch in der Gruppe der besonders gefährdeten Personen ab 80 Jahren bleibe die Inzidenz „zunehmend und auf hohem Niveau“, schreibt das RKI.

Aktuell wurden 71 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft. 68 Prozent haben vollen Impfschutz. Laut RKI ist der Abwärtstrend bei den Impfungen gestoppt. Seit vier Wochen steigen die Zahlen wieder. Das liegt aber vor allem an der Auffrischimpfung, die mittlerweile acht Prozent der Deutschen erhalten haben. Das RKI schreibt, dass der Anteil der Geimpften in den letzten Wochen trotz steigender Impfzahlen kaum gestiegen ist.

„Nach derzeitigem Kenntnisstand schützen alle derzeit in Deutschland verfügbaren Impfstoffe die allermeisten Geimpften wirksam vor einer schweren Erkrankung, wenn sie vollständig geimpft sind“, betont das RKI. Dennoch nimmt unter anderem die geschätzte Impfwirksamkeit mit zunehmender Zeit nach der Injektion ab. Mit fortschreitender Impfkampagne verzeichnet auch das RKI immer mehr Impfdurchbrüche. Der Anteil der vollständig geimpften Personen ab 60 Jahren lag in den vergangenen vier Wochen bei über 60 Prozent der gemeldeten symptomatischen Covid-19-Fälle. Von den 1.973 bahnbrechenden Impffällen, die seit Anfang des Jahres gestorben sind, waren 1.385 Personen über 80 Jahre.

In den vergangenen Wochen beobachtete das RKI einen rasanten Anstieg der Covid-19-Fälle auf Intensivstationen. Laut DIVI-Intensivregister werden dort derzeit 4.070 Corona-Patienten behandelt. „Dieser Wert ist höher als im Vorjahreszeitraum“, schreibt das RKI. Gleichzeitig stehen derzeit weniger Intensivplätze zur Verfügung als im Vorjahr, insbesondere aufgrund von Personalengpässen.

Das Risiko einer schweren Erkrankung mit Krankenhauseinweisung oder gar eines tödlichen Verlaufs ist bei den älteren Altersgruppen noch am höchsten, steigt aber laut RKI-Daten bereits bei den über 50-Jährigen im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen deutlich an. Die mit Abstand höchste Inzidenz von 33 Krankenhauseinweisungen pro 100.000 Einwohner wurde in der vergangenen Woche in der Altersgruppe der 80-Jährigen und darüber verzeichnet, gefolgt von den 60- bis 79-Jährigen.

Das RKI geht von einer erheblichen Verzögerung bei der Meldung der Krankenhauseinweisungen aus und schätzt die tatsächlichen Zahlen deutlich über den jeweils gemeldeten. Es zeigt aber auch, dass die Zahl der hospitalisierten Covid-Patienten ab 60 Jahren seit Mitte Oktober sprunghaft angestiegen ist. Sollte sich der Trend fortsetzen, befürchtet das Institut eine Überlastung der Krankenhäuser.

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