Mittwoch, Dezember 7, 2022
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Rückkehr nach Neuseeland Wiener Museum restituiert Knochen der Maori

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Andreas Reischek selbst gab in seinen Tagebüchern einmal zu, menschliche Überreste der Maori gestohlen zu haben. Nach mehr als einem Jahrhundert kehren die menschlichen Überreste nun in ihre Heimat zurück – um in Frieden zu ruhen.

Das Naturhistorische Museum Wien (NHM) hat nach jahrzehntelangen Verhandlungen die menschlichen Überreste von mehr als 60 indigenen Völkern an Neuseeland zurückgegeben. Sie stammen von den Völkern Maori und Moriori ab. Letztere bewohnten einst die zum Pazifikstaat gehörenden Chatham-Inseln. Die Schädel und Schädelfragmente kamen im Nationalmuseum „Te Papa“ in der Hauptstadt Wellington an.

Laut seinen Aufzeichnungen wurden die meisten Knochen Ende des 19. Jahrhunderts vom österreichischen Forscher und Sammler Andreas Reischek (1845-1902) heimlich von heiligen Stätten gestohlen. „Das Unternehmen war sehr gewagt, denn seine Entdeckung hätte mich unweigerlich mein Leben gekostet. In der Nacht wurden die Mumien weitertransportiert und dann gut versteckt“, schrieb er.

Reischek war von 1877 bis 1889 in Neuseeland. Die menschlichen Überreste kamen durch Schenkung, Handel und Tausch in das Museum. Die Knochen der Vorfahren seien von Menschen gestohlen worden, die keinen Respekt vor den Maori-Gemeinschaften hätten, sagte Pou Temara, Vorsitzender des Beirats für Rückführung.

In seinen Tagebucheinträgen prahlte Reischek damit, sich der Überwachung durch die Maori entzogen und heilige Stätten geplündert zu haben. „Er wusste genau, was er tat.“ Es sei eine „spirituelle Erleichterung und ein Privileg“, die Ahnen zu Hause willkommen zu heißen. Als sie nach Aotearoa (das ist der Maori-Name für Neuseeland) zurückkehren, können sie endlich in Frieden ruhen.

Mit der Rückgabe werde die frühere Sammlungspraxis als falsch anerkannt und die Würde des Verstorbenen auch für die Nachkommen wiederhergestellt, teilte der NHM mit. „Ich bin beeindruckt, wie sehr der Wunsch nach Versöhnung den Rückführungsprozess vorantreibt und freue mich, dass wir zum Heilungsprozess beitragen können“, sagte NHM-Direktorin Katrin Vohland.

Vor dem Transport fand in Wien eine Zeremonie mit Maori-Vertretern statt, die mit der Rückführung ihrer Vorfahren aus dem Ausland beauftragt wurden. Maori versuchen seit Jahrzehnten, Knochen aus der ganzen Welt zu bergen. 2015 hat das Weltmuseum in Wien menschliche Knochen aus Österreich nach Neuseeland zurückgebracht, darunter die Mumie eines kleinen Kindes. Auch aus Deutschland, Frankreich und den USA wurden Maori-Überreste nach Hause gebracht.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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