Donnerstag, Juni 23, 2022
StartNACHRICHTENS-Bahn-Unfall bei München Lokführer soll das Haltesignal überfahren haben

S-Bahn-Unfall bei München Lokführer soll das Haltesignal überfahren haben

- Anzeige -


Am 14. Februar kollidierten südlich von München zwei S-Bahnen, ein junger Mann starb, zahlreiche Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Gegen den Lokomotivführer wird ermittelt – nun mehren sich die Hinweise auf einen Fehler.

Vier Monate nach dem tödlichen Zusammenstoß zweier S-Bahnen in Schäftlarn bei München mehren sich die Hinweise, dass einem der beiden Lokführer ein Fehler unterlaufen ist. Laut einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung soll der damals 54-Jährige im Februar ein Haltesignal überfahren und anschließend die automatische Notbremsung außer Kraft gesetzt haben. Gegen den selbst schwer verletzten Mann wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.

Als am 14. Februar die beiden S-Bahnen auf der eingleisigen Strecke südlich von München zusammenstießen, starb ein 24-Jähriger, zahlreiche Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Damals hatten die Rettungsdienste 18 Verletzte gemeldet, die in Kliniken gekommen waren. Das Dokument der Bundesbehörde nennt sogar zehn Schwerverletzte und 47 Leichtverletzte.

Allerdings hält die Staatsanwaltschaft den Bericht der staatlichen Unfallermittler für nicht strafrechtlich relevant. Er sei „nur ein Puzzleteil unter vielen“, sagte Oberstaatsanwältin Anne Leiding von der Staatsanwaltschaft München I. Die Ermittlungen seien im Gange, betonte sie. Ob es zu Anklagen kommt, ist noch unklar.

In dem Papier des Bundesamtes heißt es, dass nach derzeitigem Kenntnisstand „ein Arbeitsfehler des Lokführers (…) die Hauptursache für die Zugkollision in Ebenhausen-Schäftlarn war“. Der Mann sei zunächst an einem Haltesignal vorbeigefahren und habe sich dann falsch verhalten: „Nach Erhalt einer Notbremsung der örtlichen Zugbeeinflussung (PZB) hat er sich nicht an die Betriebsvorschriften gehalten und die Fahrt widerrechtlich in Richtung des eingleisigen Abschnitts fortgesetzt in Richtung Baierbrunn.“

Die Behörde verweist auf ähnliche Fälle, die es bereits gab, insbesondere einen Unfall im August 2014 am Mannheimer Hauptbahnhof. Damals gab es vier Schwerverletzte und mehrere Leichtverletzte, als ein Güterzug und ein Personenzug kollidierten. Die Unfalluntersucher des Bundes kommen zu dem Schluss, dass die bisherigen Maßnahmen zur Verhinderung von schwerem Fehlverhalten des Bahnpersonals zwar sinnvoll, aber nicht ausreichend waren.

„Es wird empfohlen, im Sicherheitsmanagementsystem der Eisenbahnen Prozesse zu entwickeln oder zu verbessern, mit denen die Wirksamkeit der Einhaltung der Vorschriften nach einer PZB-Notbremsung wirksam überprüft werden kann.“ Auch die Fahrzeugtechnik sollte so ausgebaut werden, dass Triebfahrzeugführer nach einer solchen Notbremsung eine angemessene Bedenk- und Handlungszeit haben.

Anfang Juni kam es im bayerischen Garmisch-Partenkirchen zu einem weiteren schweren Zugunglück. Dort war ein Regionalzug nach München entgleist. Fünf Menschen starben und fast 70 wurden verletzt. Die Strecke dorthin ist noch gesperrt.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare