Donnerstag, Dezember 1, 2022
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"Schwarzer Mittwoch für Köln" Neue Ermittlungen gegen Kardinal Woelki

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Kardinal Woelki aus Köln erfuhr erst sehr spät von Missbrauchsvorwürfen gegen Geistliche. Nun hat eine belastende Zeugenaussage die Staatsanwaltschaft zum zweiten Mal in Aktion gerufen. Im Erzbistum Köln ist man „schockiert“.

Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt in einem zweiten Fall wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung gegen Kardinal Rainer Maria Woelki. Grund dafür sei die Aussage eines Zeugen in einem presserechtlichen Verfahren vor dem Landgericht Köln, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln. „Diese Aussage gibt Anlass genug, den Wahrheitsgehalt der eidesstattlichen Erklärung von Kardinal Woelki zu untersuchen.“ Bonns Stadtdekan Wolfgang Picken sagte, Woelki müsse nun ernsthaft überlegen, bis zur Klärung der Vorwürfe von seinem Amt zurückzutreten.

Woelki wehrt sich dabei gegen einen Bericht der „Bild“-Zeitung über die umstrittene Beförderung eines Pfarrers zum stellvertretenden Düsseldorfer Stadtdekan im Jahr 2017. Jahre zuvor hatte der Pfarrer Sex mit einer 16-jährigen Prostituierten gehabt. Laut Woelkis behauptete die Zeitung fälschlicherweise, als er den Pfarrer ernannte, habe er seine Personalakte gekannt und er wisse von einer Verwarnung der Polizei. Woelki hatte in einer eidesstattlichen Erklärung erklärt, den Inhalt der Personalakte nicht zu kennen. Er habe von dem Kontakt mit der Prostituierten gehört. Anhänger des Pastors hatten ihm jedoch mitgeteilt, dass weitere Gerüchte über den Mann nicht bestätigt worden seien.

Die frühere Sekretärin von Woelkis Vorgänger als Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, sagte jedoch vergangene Woche als Gerichtszeugin aus, sie habe bereits 2011 mit dem damaligen Weihbischof Woelki über den umstrittenen Pfarrer gesprochen. Ihm habe sie unter anderem erzählt bei einem Telefonat, dass der Pfarrer mit Ministranten in die Sauna ging und Jugendlichen gegenüber anzüglich war.

„Bisher hat die Staatsanwaltschaft von Ermittlungen in dem Fall abgesehen“, sagte der Sprecher der Behörde. „Die Aussage des Zeugen hat das geändert.“ Bis zum Abschluss der Ermittlungen gilt für Woelki die Unschuldsvermutung. Die Erzdiözese sagte, der Kardinal behaupte, er habe die Wahrheit gesagt. „Jetzt müssen wir die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten.“

Bonns Stadtdekan Picken sprach von einem „schwarzen Mittwoch“ für das Erzbistum. Der zweite Eingriff hinterlässt überall Entsetzen und Sprachlosigkeit. Viele fragten sich „geschockt“, wohin die mit Woelki verbundene Krise führen würde. „Die Glaubwürdigkeit und das Ansehen der Kirche wird immer mehr beschädigt. Von diesem gravierenden Imageverlust werden sich die katholische Kirche und das Erzbistum Köln auf Jahre hinaus nicht erholen“, wurde Picken zitiert. Dies führt bei vielen Gläubigen und Amtsträgern zu einem hohen Maß an Frustration und Lähmung. „Ab heute wird es noch schwieriger, das Bischofsamt im Erzbistum Köln mit der nötigen Autorität zu besetzen.“

Bereits vor zwei Wochen hatte die Staatsanwaltschaft Köln in einem anderen Fall Ermittlungen gegen Woelki eingeleitet, ebenfalls wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Versicherung. Auslöser dafür war ein Interview im Kölner „Stadt-Anzeiger“, in dem die ehemalige Assistentin des Personalchefs im Erzbistum sagte, sie habe Woelki frühzeitig über Missbrauchsvorwürfe gegen den ehemaligen Sternsinger-Chef Winfried Pilz informiert. Woelki weist diesen Vorwurf zurück.

Unterdessen hat der Präsident der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, laut einem Bericht des „Kölner Stadt-Anzeiger“ die für kommenden Sonntag geplante traditionelle ökumenische Vesper abgesagt. „Der Gottesdienst zu Beginn des Advents wird von den Ereignissen im Erzbistum Köln derart überschattet, dass nicht mehr Gebet oder Predigt wahrgenommen wird, sondern nur noch die Frage der Positionierung in der innerkatholischen Debatte“, so Latzels Sprecher Jens-Peter Das sagte Iven der Zeitung. In der aktuellen Situation sei eine Feier im gewohnten Rahmen mit Erzbischof und Präsident „deshalb nach Einschätzung der Kirchenleitung nicht ratsam“.

Woelki steht seit langem für seinen Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum in der Kritik. Papst Franziskus hatte ihn aufgefordert, einen Rücktritt einzureichen, was Woelki tat. Der Papst hat sich jedoch noch nicht entschieden, ob er dem Antrag stattgibt.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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