Sonntag, Mai 22, 2022
StartNACHRICHTENSicherheit im Weltraum: Satelliten als militärische Ziele

Sicherheit im Weltraum: Satelliten als militärische Ziele

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Die Starlink-Satelliten, die US-Milliardär Musk der Ukraine zur Verfügung stellt, sind Russland ein Dorn im Auge. Experten warnen: Mögliche Angriffe auf militärische Raumfahrttechnik gehören weltweit längst zum Repertoire.

Der US-Milliardär Elon Musk ist dafür bekannt, viel, ausdauernd und oft provozierend zu twittern. Anfang dieser Woche veröffentlichte er eine Nachricht, die sogar Musk aufhorchen ließ. Er hatte geschrieben: „Wenn ich unter mysteriösen Umständen sterbe, war es schön, dich getroffen zu haben.“

Musk reagierte damit auf eine Drohung des Chefs der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Dmitri Rogosin. Beide greifen sich seit Wochen verbal an. Musk hatte der Ukraine Systeme zur Nutzung ihres Starlink-Satellitennetzwerks zur Verfügung gestellt. Dafür muss Musk laut Rogosin „wie ein Erwachsener“ antworten.

Daniel Voelsen von der Science and Politics Foundation erklärt den aggressiven russischen Ton so: „Allen öffentlich zugänglichen Informationen zufolge konnte Russland die Kommunikation der Ukrainer über Starlink bisher nicht blockieren. Rogosins unverhohlene Drohung gegen Musk ist wohl Ausdruck dessen Frustration seitens der russischen Regierung.“

Mit der Lieferung von Terminals kam Musk unmittelbar nach Kriegsbeginn einer Anfrage der Ukraine nach und ermöglichte ihr die Nutzung der Starlink-Konstellation. „Das ist wichtig für die Zivilbevölkerung und die öffentliche Verwaltung, aber es gibt inzwischen Berichte, dass auch das ukrainische Militär das System teilweise genutzt hat“, erklärt Voelsen. „Das zeigt einmal mehr, dass diese Technologie sowohl eine zivile als auch eine militärische Dimension hat.“

Neben Meldungen, dass russische Truppen das US-Satellitennavigationssystem GPS stören sollten, hatte es bereits zu Beginn des Krieges in der Ukraine einen Cyberangriff auf den Satelliten eines US-Unternehmens gegeben. Die EU hat sich nun zu dem Vorfall geäußert und die „böswilligen Cyber-Aktivitäten der Russischen Föderation gegen die Ukraine“ scharf verurteilt. In der Erklärung heißt es:

„Der Cyberangriff fand eine Stunde vor der grundlosen und ungerechtfertigten Invasion Russlands in der Ukraine am 24. Februar 2022 statt und erleichterte so die militärische Aggression. Dieser Cyberangriff hatte erhebliche Auswirkungen und verursachte willkürlich Ausfälle und Unterbrechungen der Kommunikation bei mehreren staatlichen Behörden, Unternehmen und Benutzern in der Ukraine und die auch mehrere EU-Mitgliedstaaten betraf.“

Das Beispiel Ukraine zeigt, dass die Weiterentwicklung der Satellitentechnologie nicht nur zu einer zivilen und kommerziellen Nutzung des Weltraums führt, sondern auch mit militärischen Aktivitäten einhergeht. Deshalb richten immer mehr Länder Weltraumkommandos ein, um ihre Satelliteninfrastruktur zu schützen. Auch die Bundeswehr hat im vergangenen Jahr ein eigenes Raumfahrtkommando in Dienst gestellt.

Mit Blick auf die aktuelle Gefahrenlage teilte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums mit Theaktuellenews.com-Antrag mit: „Die aktuelle Krise zeigt, wie wichtig es ist, die Weltraumdimension gleichberechtigt mit den Dimensionen Luft, Land, Meer und Cyberspace zu betrachten, da sich abzeichnet, dass der Weltraum als militärischer Operationsraum in den Konflikt einbezogen wird .“

Nach Angaben des Ministeriums betreibt die Bundeswehr derzeit sieben eigene zu schützende Satelliten. Die Bedrohungsszenarien sind vielfältig. Noch im November hatte Russland eine Anti-Satelliten-Rakete getestet und dabei einen eigenen, ausgedienten Satelliten zerstört. Eine Machtdemonstration, die jede Menge Weltraumschrott produzierte. Bodengestützte Lasersysteme sind weniger komplex, aber definitiv effektiv, um Satelliten zu stören.

Und auch im Weltraum selbst können sich Satelliten gegenseitig stören oder sogar zerstören, erklärt Oberst Marco Manderfeld, Chef des Stabes des Raumfahrtkommandos der Bundeswehr: „Man könnte einen anderen Satelliten rammen. Oder es gibt Möglichkeiten, sich anderen Satelliten zu nähern, um sie zu greifen und sie aus ihrer Umlaufbahn zu ziehen. Es wäre schwierig und technisch sehr komplex, ein Projektil von einem Satelliten abzufeuern und zu versuchen, einen anderen Satelliten zu treffen.“

Elon Musk hat seitdem verbal nachgelegt und an den Chef der russischen Raumfahrtbehörde getwittert: „Starlink hat sich bisher russischen Cyberwar-Stör- und Hacking-Versuchen widersetzt, aber sie verstärken ihre Bemühungen.“

Der russische Anti-Satelliten-Test im vergangenen November könnte bereits als Warnung für Musk und sein Starlink-System angesehen werden. Die Megasatelliten-Konstellation des Unternehmers mit den besten Kontakten zur US-Regierung ist ein klares Zeichen der US-Dominanz im All und dürfte russischen Sicherheitsinteressen widersprechen. „Auffallend ist, dass sich der von den Russen zerstörte Satellit in genau derselben Höhe bewegte, die auch für die neuen Konstellationen wie Starlink genutzt werden soll. Die Hintergründe hier sind noch unklar“, sagt Daniel Voelsen von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Allerdings hat Russland gezeigt, dass es in der Lage ist, Satelliten gezielt zu zerstören und damit die Nutzung ganzer Bereiche des erdnahen Weltraums zu erschweren.



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