Donnerstag, Januar 20, 2022
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Spaniens „Influenza“-Idee: Überwachung von Covid-19 wie Influenza?

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Die spanische Idee, Covid-19 künftig als Grippe zu überwachen, hat weltweit für Aufsehen und Kritik gesorgt. Omicron ist nicht mit der Grippe vergleichbar.

Omikron hat bisher alle bisherigen Kronenhochs in Spanien übertroffen. Das Gesundheitssystem ist mit der Masse an Neuinfektionen einfach überlastet.

Ärzte und Pflegekräfte beklagen, dass sie zu sehr mit Prüfungen und Krankschreibungen beschäftigt sind und wenig Zeit für Patienten haben. Derzeit ist es nicht mehr möglich, die tägliche Zahl der Neuinfektionen zu überwachen.

Eine Situation, die nun Pläne für einen Strategiewechsel beschleunigt. Eine Gruppe von Wissenschaftlern schlägt vor, das Coronavirus nach Abklingen der Omicron-Welle nur noch als Grippevirus – also als saisonal wiederkehrende Krankheit – zu überwachen. Nach Angaben von Ministerpräsident Pedro Sanchez arbeitet die spanische Regierung „seit Wochen“ an der Vorbereitung eines solchen Systems.

„Einfluss“ ist der Begriff, der derzeit die Diskussion prägt. Und die hauptsächlich in Spanien stattfindet, weil das Land eine sehr hohe Impfquote hat. Schwere Verläufe werden so gemildert. Die Sterblichkeit ist im Vergleich zu früheren Viruswellen derzeit sehr gering.

Viele Infektionen, aber relativ wenige schwere Fälle: Auch die Organisation „Society for Family Medicine“ in Spanien unterstreicht diesen Punkt und fordert die Stabilisierung des restlichen Gesundheitssystems:

„Was in der Vergangenheit sinnvoll war, können wir durch erworbene Immunität, Impfungen und Omicron überwinden“, heißt es in dem Artikel, den die Medizinische Gesellschaft für Familienmedizin und die Gemeinschaft am Wochenende veröffentlicht haben.

In der Praxis würde der Strategiewechsel dazu führen, dass nicht alle getestet werden, sondern nur Stichproben erfasst und hochgerechnet werden, als Grundlage für ein Frühwarnsystem. Der Vorteil: Ein solches Vorgehen würde Ressourcen sparen und medizinisches Personal könnte sich wieder um schwerkranke Patienten kümmern, die wirklich Hilfe brauchen.

Doch Virologen und vor allem die Ärzte, die Herzpatienten täglich auf Intensivstationen betreuen, halten die Debatte für verfrüht, ja sogar für fahrlässig. Wir müssen abwarten, wie sich die Omicron-Welle entwickelt. Jetzt von „Grippe“ zu sprechen, verharmlost die Krankheit.

Zudem kann ein Strategiewechsel im Umgang mit Corona aufgrund internationaler Vereinbarungen nur in Abstimmung mit europäischen Partnern umgesetzt werden. „Dies ist eine Debatte, die wir auf europäischer Ebene anstoßen wollen. (…) Und ich denke, es ist eine notwendige Debatte“, sagte Ministerpräsident Sanchez.

WHO-Kronexpertin Maria van Kerkhove warnte davor, die Covid-19-Überwachung an die Grippe anzupassen. Er betonte Mitte der Woche, das Virus sei „auf dem besten Weg, endemisch zu werden, das steht außer Frage. Aber so weit sind wir noch nicht.“

Auch das für die Überwachung in Deutschland zuständige Robert Koch-Institut (RKI) hält die Debatte für verfrüht. Das RKI warnt vor dem Eindruck, die Omicron-Variante sei mit der Grippe vergleichbar.

Hinzu kommt die unterschiedliche Ausgangslage der beiden Länder bei den Impfquoten. Grundsätzlich, wie das RKI auf Anfrage von ZDFheute betont, gibt es hierzulande ein sehr umfassendes Überwachungssystem für Atemwegserkrankungen.

Da Covid-19 in Deutschland der gesetzlichen Meldepflicht unterliegt, werden bis zu einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes weiterhin Einzelfälle gezählt.

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