Freitag, Januar 21, 2022
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Staatsanwaltschaft erhebt erste Anklage im Wirecard-Skandal

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Die Staatsanwaltschaft München hat im Skandal um den ehemaligen Zahlungsdienstleister Wirecard Anklage erhoben. Angeklagt wird ein ehemaliger Geschäftspartner von Ex-Vertriebschef Marsalek.

Eineinhalb Jahre nach der Insolvenz des Zahlungsdienstleisters Wirecard wurde die erste Anklage erhoben. Die Staatsanwaltschaft München beschuldigt einen ehemaligen Geschäftspartner von Jan Marsalek, der sich versteckt hielt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vorsätzliche Geldwäsche vor, insbesondere schweren Betrug und Verletzung von Rechnungslegungspflichten. Nun muss das Landgericht München zunächst entscheiden, ob die Anklageschrift zugelassen wird.

Der Manager soll zusammen mit Jan Marsalek 22 Millionen Euro aus der Konzernkasse unterschlagen haben. Von diesem Geld soll er zunächst acht Millionen Euro für sich abgezweigt haben. Damit finanzierte er unter anderem den Bau eines eigenen Hauses sowie Investitionen in eine eigene Holding.

Zudem wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor, die veruntreuten Wirecard-Gelder „durch Beteiligungen an deutschen Start-up-Unternehmen in den legalen Wirtschaftskreislauf“ überführt zu haben. Damit verschleierte er die illegale Herkunft des Geldes und „säuberte es“. Dies soll über die Firma IMS Capital geschehen sein, für die der Manager tätig war. Nach der Verurteilung der Staatsanwaltschaft handelten Marsalek, der ehemalige libysche Geheimdienstchef O. und ein weiterer Geschäftspartner mit ihm.

Über das inzwischen insolvente Unternehmen IMS Capital tätigte die Beklagte Investitionen für vermögende Privatpersonen, meist in Start-ups. IMS Capital war unter anderem größter Aktionär des Online-Supermarkts Getnow und beteiligte sich auch an einem Hersteller von Corona-Schnelltests. Marsalek soll einer der Hauptinvestoren von IMS Capital gewesen sein.

Der Angeklagte soll mehr als nur geschäftliche Verbindungen zu Marsalek gehabt haben. Nach Informationen des „Handelsblatts“ trafen sich die Männer auch privat, intern bei Wirecard galten sie als „enge Freunde“. Der Manager soll jahrelang Geld für Marsalek investiert und für Deutschlands meistgesuchten Mann eine Villa in der Münchner Prinzregentenstraße angemietet haben, die als Rückzugsort diente.

Marsalek ist seit Sommer 2020 untergetaucht und soll sich in Russland aufhalten. Der frühere Wirecard-Chef Markus Braun sitzt bereits in Untersuchungshaft, Anklage gegen ihn wurde bislang jedoch nicht erhoben. Die Ermittler werfen Braun und anderen ehemaligen Wirecard-Topmanagern Betrug in einer Bande vor. Sie sollen nicht vorhandene Verkäufe in Milliardenhöhe erfunden haben, um systematisch Kredite und Anlegergelder zu stehlen. Der Betrugsschaden könnte dann eine Rekordhöhe von drei Milliarden Euro erreicht haben.



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