Samstag, Oktober 1, 2022
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Staatsfernsehen berichtet von 17 Toten Proteste im Iran immer brutaler – Mullahs drosseln Internet

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Der Tod der 22-jährigen Masha Amini hat im Iran zu weiteren gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitsbehörden geführt. Staatsfernsehen räumt 17 Todesfälle ein. Nachdem das Mullah-Regime das Internet gedrosselt hatte, nahm die Brutalität zu.

Mindestens 17 Menschen sind bei Protesten und Unruhen in Dutzenden iranischer Städte gestorben. Unter den Opfern seien sowohl Sicherheitskräfte als auch Demonstranten, berichtete das Staatsfernsehen am Nachmittag. Weitere Details wurden nicht genannt. In zahlreichen Städten kämpften Demonstranten in der Nacht erneut mit Sicherheitskräften, die laut Augenzeugen nach massiven Einschränkungen im Internet hart vorgingen. Auf Videos, die nicht verifiziert werden konnten, wird über Schüsse mit scharfer Munition berichtet.

Auslöser der Proteste war der Tod des 22-jährigen Iraners Mahsa Amini. Sie wurde vor etwas mehr als einer Woche von der Sittenpolizei festgenommen, weil sie gegen die strenge islamische Kleiderordnung verstoßen hatte. Was genau mit Amini nach ihrer Festnahme geschah, ist unklar. Jedenfalls fiel sie ins Koma und starb am Freitag in einem Krankenhaus. Kritiker werfen der Sittenpolizei vor, Gewalt anzuwenden. Die Polizei weist die Vorwürfe zurück. Seitdem demonstrieren Tausende Menschen im ganzen Land gegen den Repressionskurs der Regierung.

Die iranische Zentralbank bestätigte unterdessen einen Cyberangriff auf ihre Systeme. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete, die Bank sei Ziel eines DDoS-Angriffs geworden. Bei DDoS-Angriffen überfluten Angreifer die Server ihrer Opfer mit einer Flut von Datenanfragen, um sie lahmzulegen. Im Iran war die Website nach einiger Zeit wieder verfügbar. Die Hackergruppe Anonymous bekannte sich in einem Telegram-Kanal zu dem Angriff und nannte als Grund ihre Solidarität mit den Protesten im Iran. Die Website der Zentralbank war laut Überprüfungstools im Internet weltweit nicht erreichbar. Auch Regierungsseiten sollen Ziel eines breit angelegten Angriffs werden.

Inzwischen solidarisieren sich prominente Exil-Iraner mit der Protestbewegung. Auch im Iran wurden Stimmen laut, die sich dem Kurs der Regierung in ungewöhnlich scharfer Weise widersetzten. So solidarisierte sich Fußballstar Ali Karimi mit den Protesten. Zuspruch erhielt der Ex-Profi von vielen Iranern. „Hab keine Angst vor starken Frauen. Vielleicht kommt der Tag, an dem sie deine einzige Armee sein werden“, schrieb der Ex-Profi, der sich in der Vergangenheit auch in der Bundesliga engagierte, auf Twitter.

Allerdings ist das Internet im Land massiv eingeschränkt und insbesondere Mobilfunknetze sind weitgehend abgeschaltet. Auch Instagram, eines der letzten kostenlosen sozialen Netzwerke, wurde gesperrt. Einige reichweitenstarke iranische Nachrichtenportale, die über die Proteste berichtet hatten, waren im Ausland nicht mehr erreichbar. Auf den Websites der staatlichen Medien wurden die Demonstrationen nur selten thematisiert. Die Regierung ihrerseits rief nach dem Freitagsgebet zu Gegendemonstrationen auf.

Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 hat das im Iran herrschende Mullah-Regime strenge Kleiderordnungen durchgesetzt. Vor allem in den Großstädten sehen viele Frauen die Regeln mittlerweile eher locker und tragen beispielsweise ihr Kopftuch nur noch auf dem Hinterkopf – zum Ärger ultrakonservativer Politiker. Religiöse Hardliner im Parlament versuchen seit Monaten, islamische Gesetze strenger durchzusetzen.

Christiane Amanpour, langjährige Korrespondentin des US-Senders CNN, berichtete, sie habe am Rande der UN-Vollversammlung in New York ein Interview mit Irans Präsident Ebrahim Raisi zu den Protesten geplant. Raisi erschien jedoch nicht zum vereinbarten Zeitpunkt. Stattdessen kam 40 Minuten später einer von Raisis Assistenten und sagte, der Präsident schlage vor, dass Amanpour ein Kopftuch trage. Sie lehnte ab, twitterte Amanpour. Kein iranischer Präsident hat bisher das Tragen eines Kopftuchs bei Interviews außerhalb des Iran verlangt. Der Mitarbeiter von Raisis erklärte, das Kopftuch sei eine Frage des Respekts und verwies auf die Situation im Iran.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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