Sonntag, Juni 26, 2022
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"stärken sich gegenseitig" Bayern trauert um die Opfer des Zugunglücks

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Eine Woche nach der Zugentgleisung in Garmisch-Partenkirchen, bei der fünf Menschen ums Leben kamen, gedenken Familien, Freunde und Helfer der Opfer. Rund 300 Menschen suchen Trost bei einem Gottesdienst in der Stadt, die nach dem Unglück unter Schock steht. Ganz Bayern trägt Trauerfahnen.

Ein Meer aus Kerzen um ein schlichtes Holzkreuz vor dem Altar – sie leuchten für die Opfer des Zugunglücks in Garmisch-Partenkirchen. In der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in der Marktgemeinde feiern die katholische und evangelische Kirche gemeinsam mit Angehörigen, Rettungskräften und Einheimischen einen bewegenden Gottesdienst. Der Unfall habe Menschenleben „brutal getroffen“, er sei auch ein Wendepunkt für die Stadt gewesen, sagt der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, in der mit 300 Menschen besetzten Kirche.

Der Gottesdienst sei Ausdruck von Trauer und Bestürzung, „aber auch Ausdruck unserer Hoffnung“. „Wir stehen mit leeren Händen vor Gott. Aber er kann sie mit seinem Trost füllen“, sagt Marx, der den Gottesdienst mit dem evangelischen Landesbischof Christian Kopp organisiert. „Sie müssen jetzt damit leben, dass Sie am 3. Juni 2022 dort waren – und dass Ihre Welt jetzt anders ist“, sagte Kopp zu Angehörigen und Hinterbliebenen, Rettungskräften und anderen Helfern in der Kirche. „Manchmal fegt ein Sturm durchs Leben, der alles zerstören will“, sagt Kopp, der erst vor einem Jahr selbst einen Sohn verloren hat. „Die Schneise, die dieser Unglückssturm durchs Leben gezogen hat, wächst nicht einfach so schnell zu.“ Dieser Dienst könnte eine kleine Anlage sein. „Gemeinsam sind wir hier und wir stärken uns gegenseitig. Nur gemeinsam geht es. Und andere Dinge werden in deinem und meinem Leben wachsen.“

Am Mittag des 3. Juni entgleiste ein Regionalzug Richtung München. Am letzten Tag vor den Pfingstferien war es auch von vielen Studenten besetzt. Ein 13-Jähriger aus der Region, ein 51-Jähriger aus Wiesbaden und eine 70-jährige Frau aus dem Landkreis München starben – und zwei 30- und 39-jährige Mütter aus der Ukraine, die mit vor dem Krieg geflohen waren ihre Kinder. Gesungene Gebete auf Ukrainisch sprechen vom Schicksal dieser Frauen und ihrer Kinder, die jetzt Waisen sind.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann spricht diese besondere Tragödie an. Es seien Frauen gewesen, „die auf Sicherheit in unserem Land gehofft haben und hier einfach gestorben sind“. Er spricht den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus und bedankt sich bei den Rettungskräften, darunter vielen freiwilligen Helfern, die mit ihrem schnellen Einsatz das Leben der Schwerverletzten hätten retten können. 750 seien es gewesen, die an die Kapazitätsgrenze gegangen seien, sagt der Innenminister. Viele der uniformierten Helfer sitzen in der Kirche und stellen wie die anderen Besucher nach dem Gottesdienst ein brennendes Teelicht auf.

Staatsgebäude in ganz Bayern tragen Trauerfahnen. An der Unfallstelle – dort, wo Lokomotive und ein Waggon noch auf den Gleisen stehen, gleich neben der Bundesstraße nach Garmisch-Partenkirchen – erinnern Blumen an das Unglück: ein untrügliches Zeichen für die wieder scharenden Ausflügler bei herrlichem Wetter. Gesichert sind bereits geborgene Fahrgestelle und völlig zertrümmerte Waggons sowie Teile von Schienen.

Bei der Suche nach der Ursache steht ein technischer Defekt im Vordergrund. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung gegen drei Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Die knapp 50 Mitarbeiter des Soko-„Zugs“ der Polizei arbeiten weiter mit Hochdruck an der Aufklärung der Unfallursachen. Die Bahn hat mit der Instandsetzung der Gleise nördlich der Unfallstelle begonnen, um die Lokomotive und den letzten Waggon abzutransportieren. Die Gleise nach Süden sind noch nicht freigegeben.

Während Bahnarbeiter an der Unfallstelle beschäftigt sind, kämpfen die Besucher der Pfarrkirche mit den Tränen. „Nehmen Sie die Opfer des verheerenden Zugunglücks in Ihre liebevollen Hände und schenken Sie den Hinterbliebenen Kraft, Liebe und Zuversicht“, schrieb jemand in das Fürbittbuch.

Kopp sagt: „Viele leiden mit denen, die um die Toten trauern. Die, die sie vermissen. So viele fühlen mit den Verletzten und ihrer Not. Und beten für ihre Genesung und hoffen darauf.“ Die Unfallursache sei noch nicht vollständig geklärt, sagt Innenminister Herrmann – und „die tränenreichen Fragen, warum unser Junge, insbesondere unsere Mutter, technisch ohnehin nicht zu beantworten sind.“

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