Sonntag, August 14, 2022
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Start-ups als Hoffnungsträger für den Handel

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Der klassische Handel leidet seit Jahren unter der Online-Konkurrenz großer Konzerne. Junge Unternehmen versuchen, das Angebot der kleinen lokalen Geschäfte ins Internet zu bringen.

David Eisenbeis hat mit Studierenden und einem Professor der Hochschule Saar die Plattform „alocalo“ gegründet. Das junge Unternehmen will eine regionale Alternative zu Amazon, Zalando & Co. bieten. Dabei will er viele Arbeitsplätze im Einzelhandel retten und dem Händler die Macht überlassen. Er kann dann sein normales Geschäft fortsetzen und muss sich keinen strengen Richtlinien von irgendwelchen Online-Plattformen unterwerfen.

Kernstück des Systems ist ein Plug-in, also ein Programm für den Webbrowser. Sucht man beispielsweise auf Amazon nach einem bestimmten Produkt, findet das Programm dank künstlicher Intelligenz automatisch alle lokalen Händler in der Umgebung, die es im Sortiment haben. Im Idealfall kann der Kunde es dann dort mit wenigen Klicks bestellen oder gleich im Laden abholen. Nicht einmal die großen Schifffahrtsmultis sind so schnell.

Auch für Händler sei die Idee einfach umzusetzen, sagt Frank Hälsig von der Hochschule Saar. Der Experte sieht alocalo als „perspektivisch das Amazonas für den lokalen Handel“. Mit EU-Fördermitteln in Höhe von 2,3 Millionen Euro wird die Technologie nun noch weiter verfeinert.

Noch 2015 gab es knapp 300.000 inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte. Experten schätzen, dass bis Ende dieses Jahres noch 231.000 übrig sein werden. Das bedeutet, dass mehr als jeder fünfte Laden innerhalb weniger Jahre geschlossen hätte. Gründe sind hohe Mieten, Preisdruck und Probleme bei der Nachfolge. Zudem machen gut zwei Drittel der stationären Händler nicht einmal zehn Prozent ihres Umsatzes online. alocalo will das ändern.

Die Plattform ist gerade gestartet und hat die ersten 100 lokalen Handelspartner gefunden. Nun will das Unternehmen deutschlandweit schnell wachsen. Denn je größer das Angebot, desto attraktiver ist die Plattform für Verbraucher. Für alocalo-Gründer David Eisenbeis Es sei daher sehr wichtig, „dass wir im Vergleich zu Amazon wirklich deutlich günstiger sind. Amazon ist extrem schwierig, wenn es um die Händlerbetreuung geht“. Bis zu 15 oder 20 Prozent pro Produkt kassiert der US-Konzern als Verkaufsgebühr vom Händler. Alocalo hingegen verlangt 4,8 Prozent.

Viele der großen Online-Marktplätze betreiben derzeit ähnliche Aktivitäten, sagt Bastian Popp vom Institut für Handel & Internationales Marketing der Universität des Saarlandes. Das macht es Start-ups wie alocalo nicht leicht. Doch das Online-Geschäft boomt. Seit 2015 hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt. Für dieses Jahr rechnet der Handelsverband Deutschland mit einem weiteren zweistelligen Wachstum.

Auch offline kassieren die Online-Giganten inzwischen ordentlich ab: mit Gutscheinen, die es meist im Handel zu kaufen gibt. Der Gutscheinmarkt wird auf drei Milliarden Euro geschätzt. Doch auch hier gibt es Versuche, die Vormachtstellung von Amazon, Zalando & Co. zu brechen.

Heidi Houy startete „keeplocal“ mit eigenen Gutscheinen, die es online, im Handel oder bald auch an Tankstellen zu kaufen gibt. Damit sollen Kunden in möglichst vielen Geschäften vor Ort einkaufen können – bislang im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen. Die Coupons sind in Kürze deutschlandweit erhältlich. Und nächstes Jahr auch in Österreich und Luxemburg.

Keeplocal will dieses Jahr schnell wachsen. Für Kunden und Händler fallen keine Gebühren an. Denn das Geschäftsmodell basiert auf der Beobachtung, dass ein kleiner Prozentsatz der Gutscheine nicht eingelöst wird. Das ist im Grunde die Gebühr, von der Keeplocal lebt.

Ob regionale Gutscheine oder Plattformen, die dem stationären Handel eine bessere Sichtbarkeit im Internet bieten – es gibt regionale Alternativen zu den Weltkonzernen. Letztendlich liegt die Entscheidung beim Verbraucher.

Darüber berichtet das ARD-Wirtschaftsmagazin plusminus heute um 21.40 Uhr im Ersten.



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Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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