Sonntag, November 28, 2021
StartNACHRICHTENStechen oder warten? Was Eltern über die Impfung von Kindern wissen...

Stechen oder warten? Was Eltern über die Impfung von Kindern wissen müssen

- Anzeige -


In vielen Ländern läuft bereits die Corona-Impfkampagne für Kinder unter zwölf Jahren. Auch in Deutschland könnte es bald losgehen. Laut EMA ist der Biontech-Impfstoff wirksam und sicher. Sollten Sie Ihre Kinder also impfen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

In den USA sind mehr als zwei Millionen Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren gegen Corona geimpft worden. Das könnte bald auch in Deutschland der Fall sein. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat heute grünes Licht für den Einsatz des Covid-19-Impfstoffs von Biontech bei jüngeren Kindern gegeben und eine Ausweitung der Zulassung empfohlen. Viele Eltern haben sehnsüchtig auf die Impfung der jüngsten Familienmitglieder gewartet. Andere sind noch skeptisch oder lehnen Impfungen für ihre Kinder generell ab, weil sie mögliche Risiken scheuen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Kinderimpfung:

Wann können Kinder geimpft werden?

Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wird die gesamte EU am 20. Dezember die Lieferung des Kinderimpfstoffs erhalten. Deutschland soll dann auf einen Schlag 2,4 Millionen Dosen bekommen. Damit könnte etwa die Hälfte der in Deutschland lebenden Kinder zwischen fünf und unter zwölf Jahren geimpft werden. Biontech bestätigte den Zeitplan, konnte aber nicht beschleunigt werden.

Gibt es eine eigene Impfvariante für Kinder?

Während der klassische Biontech-Impfstoff für Erwachsene 30 Mikrogramm mRNA enthält, enthält die Variante für Fünf- bis Elfjährige nur zehn Mikrogramm. Um Verwechslungen zu vermeiden, sollten sich nach Angaben des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller auf den Glasfläschchen orangefarbene Kappen befinden. Die Impfung wird in zwei Dosen im Abstand von drei Wochen verabreicht. Für diese Version gilt die EMA-Zulassung für Kinder.

Wann entscheidet die STIKO?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) bereitet bereits eine Empfehlung für die Impfung von Kindern in Deutschland zu Beginn der Erstgeburt vor. „Unser Ziel ist es, diese Empfehlung bis Ende Dezember fertig zu haben, möglichst bis zum Lieferstart des Kinderimpfstoffs an die Bundesländer“, sagte STIKO-Chef Thomas Mertens kürzlich. Gut möglich, dass zunächst eine Empfehlung für Kinder mit erhöhtem Risiko aufgrund von Vorerkrankungen abgegeben werden könnte – wie es zunächst bei Impfungen für 12- bis 17-Jährige der Fall war. Erst im August empfahl die STIKO allen ab zwölf Jahren den Biontech-Impfstoff und verwies auf eine breitere Datenbasis, insbesondere aus dem amerikanischen Impfprogramm mit Millionen geimpfter Jugendlicher.

Dürfen Kinderärzte Kinder unter zwölf Jahren ohne Empfehlung impfen?

Ja, erklärt der Sprecher des Berufsverbandes der Kinderärzte, Jakob Maske: „Das ist eine freie ärztliche Entscheidung.“ Noch bevor der Impfstoff für diese Altersgruppe zugelassen ist, ist es nicht illegal, jüngere Kinder zu impfen – der Fachbegriff dafür ist lauter Off-Label-Use. Mask hält die Zahl der Kinderärzte, die unter zwölf Jahren geimpft haben, bislang für gering. Mit der EMA-Zulassung werden wahrscheinlich mehr Kinderärzte zustimmen, die Impfung anzubieten, glaubt Mask. Das könnte zu Diskussionen in den Praxen führen. „Aber dafür sind wir hier“, sagte Maske.

Wie wirksam ist die Impfung?

In einer klinischen Studie mit 2.000 Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren zeigte der Impfstoff eine Wirksamkeit von 90,7 Prozent bei der Vorbeugung einer symptomatischen Covid-19-Infektion. Drei der geimpften Kinder erkrankten im Beobachtungszeitraum an Covid-19, in der Kontrollgruppe waren es 16. Laut EMA war die Immunantwort bei einer niedrigeren Dosis von zehn Mikrogramm in dieser Altersgruppe vergleichbar mit der nach der höheren Dosis von 30 Mikrogramm bei 16- bis 25-Jährigen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Die Studienautoren sahen „ein günstiges Sicherheitsprofil“ und „es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem Impfstoff beobachtet“. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten Schmerzen an der Injektionsstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle, Muskelschmerzen und Schüttelfrost. So traten laut Wissenschaftlern nur „milde und vorübergehende Reaktionen“ auf. Ihr Fazit: Die Impfung ist sicher und wirksam.

Liegen genügend Daten vor, um die Impfung zu beurteilen?

„Eine Zulassung ist etwas ganz anderes als eine Impfempfehlung“, betont STIKO-Mitglied Fred Zepp. „Was man in der Zulassungsstudie nicht sieht, sind Risiken, die seltener auftreten, als man in einer so kleinen Gruppe statistisch erwarten würde.“ In der Zulassungsstudie erhielten nur rund 1500 Kinder den Impfstoff. „Man sieht keine sehr seltenen Nebenwirkungen“, sagt Zepp. Eine Herzmuskelentzündung wurde beispielsweise erst bei jungen Männern entdeckt, nachdem der Impfstoff weit verbreitet war. Die STIKO beschäftigt sich auch mit der Beschaffung von Daten zu seltenen Impfkomplikationen aus anderen Ländern.

Welche Länder impfen unter zwölf?

In den USA werden seit November kleinere Kinder mit dem niedriger dosierten Impfstoff geimpft. Nach Regierungsangaben haben bisher rund 2,6 Millionen Fünf- bis Elfjährige ihre erste Spritze erhalten. Auch in Kanada und Israel können ab diesem Monat Kinder ab fünf Jahren mit dem Biontech-Impfstoff geimpft werden.

Kuba impft Kinder ab zwei Jahren und will bis Dezember 90 Prozent der Bevölkerung impfen lassen. In China kann sich, wie in Argentinien, jeder ab drei Jahren mit den Impfstoffen der chinesischen Hersteller Sinopharm und Sinovac einen Spaten holen. Frankreich will Anfang 2022 über die Zulassung von Corona-Impfungen für Fünf- bis Elfjährige entscheiden, die die Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten benötigen. In Japan und Singapur soll es in diesem Jahr so ​​weit sein. Tschechien hat bereits 700.000 Dosen Corona-Impfstoff für diese Altersgruppe bestellt.

Welche Vorteile hat die Impfung jüngerer Kinder?

Kinder erkranken selten an Covid-19. Aber auch sie könnten ernsthaft erkranken, sagen die EMA-Experten. Der Nutzen einer Impfung ist daher höher einzustufen als mögliche Risiken. Ähnlich argumentieren die Autoren der Studie im „New England Journal of Medicine“. Es gibt einen direkten und einen indirekten Nutzen: Eine Impfung schützt Kinder vor einem – wenn auch seltenen – schweren Verlauf oder Langzeitfolgen einer Covid-Erkrankung. Indem Sie sie schützen, schützen Sie auch Menschen in ihrer Umgebung, die einem Risiko für schwerere Krankheiten ausgesetzt sind. Ungeimpft könnte diese Altersgruppe auch ein Überträger für neu auftretende Varianten des Virus sein.

Was spricht dagegen?

Der Vorsitzende der STIKO, Thomas Mertens, äußerte Verständnis für skeptische Eltern. „Das kann ich sehr gut nachvollziehen, und es entspricht im Grunde dem Problem, vor dem sich die STIKO mit ihrer Empfehlung stellt – nämlich den Nutzen und mögliche ‚Restrisiken‘ für Kinder dieser Altersgruppe abzuwägen“, sagte Mertens der „Schwäbischen Zeitung“. “ „.

Laut STIKO-Mitglied und Kinderarzt Zepp gibt es in der Debatte um Kinderimpfungen verschiedene Parameter. Das eine ist die Krankheitslast des einzelnen Kindes, das andere der Nutzen für die Gesellschaft als Ganzes. In einer Pandemie kann es auch sinnvoll sein, Kinder zu impfen, um der Gemeinschaft mehr Teilhabe und ein besseres Leben zu ermöglichen. Im Gegensatz dazu hat die Impfung von Kindern wenig Einfluss auf die Übertragung des Virus zwischen Erwachsenen.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare