Donnerstag, Januar 20, 2022
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Strategie: Welle bremsen Lauterbach und Drosten wehren die Ansteckung ab

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Bundesgesundheitsminister Lauterbach, RKI-Chef Wieler und Virologe Drosten warnen vor der Omicron-Variante in Deutschland. Sie haben das Land vollständig übernommen. Die Impfung ist nach wie vor das wichtigste Gegenmittel. Aber auch Maßnahmen müssen aufrechterhalten werden. Weil sie sehr gut funktionieren, sagt Lauterbach.

Trotz des oft milderen Infektionsverlaufs bei der Omicron-Variante sieht Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach keinen Anlass, Entwarnung zu geben. Erkenntnisse zur Gefährlichkeit der Coronavirus-Variante seien nicht eins zu eins auf Deutschland übertragbar, weil die Rate der Ungeimpften bei älteren Menschen „besonders hoch“ sei, sagte Lauterbach bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Chef Lothar Wieler und dem Virologen Christian Drosten .

Lauterbach betonte, dass sich die aktuelle Pandemie ungefähr so ​​verhalte, wie es die Modelle vorhergesagt hätten. In Deutschland konnte die Verdopplungszeit der Omikron-Ausbreitung erhöht werden. Anfangs waren es etwa 4,5 Tage, inzwischen sind es 6 bis 6,5 Tage. Ein wesentlicher Grund dafür waren – anders als beispielsweise in Großbritannien – die bisher wirksamen Maßnahmen. Der Gesundheitsminister nannte die Kontaktreduzierung in der Privatwirtschaft, die Regelungen im ÖPNV und die 2G-Regeln im Einzelhandel. Und das bleibt das Ziel. Aus der Omikron-Mauer soll laut Lauterbach ein Hügel in Deutschland werden. Zumindest sollte die Mauer nicht so hoch sein wie in anderen Ländern. Dadurch, so ist sich der Minister sicher, gäbe es weniger schwere Verläufe, weniger lange Covids und weniger Todesfälle.

Soweit bekannt, sei Omikron generell milder als die Delta-Variante, erklärte Lauterbach. Dennoch warnt er vor dem Gedanken, dass „wir in Deutschland eine Ansteckung hinnehmen können“. „Die Zahl der Opfer, die wir dann betrauern müssten, ist ungewiss und sicherlich zu hoch“, sagte Lauterbach. Auch die Zahl der Infektionen wird sehr hoch sein. Das wird Krankenhäuser und Labore an ihre Belastungsgrenze bringen. Vor allem mit Blick auf ein mögliches Fehlen von PCR-Tests, sagte Lauterbach, müsse medizinisches Personal Vorrang haben, insbesondere wenn es um „kostenlose Tests“, also das vorzeitige Verlassen der Isolation gehe.

Lauterbach entgegnete erneut dem Vorwurf, er habe keinen eigenen Antrag auf Impfpflicht gestellt. Als Bundesgesundheitsminister muss er Ansprechpartner für alle Abgeordneten sein. Er soll keine offizielle Meinung zur Einführung der Impfpflicht haben. Die Manöver diverser Anträge im Bundestag könnten Sie sich sparen, wenn die Bundesregierung einen eigenen Antrag stellen würde. Privat ist er aber weiterhin klar für eine generelle Impfpflicht für Erwachsene. Und, betonte er am Ende, würden enorme Mittel aufgebracht, um Menschen zu schützen, die derzeit nicht geimpft sind. Man kann also von diesen Personen die Impfung erwarten.

Gut 800.000 Menschen seien derzeit in Deutschland infiziert, sagte Lothar Wieler, Leiter des Robert-Koch-Instituts. Das entspricht einem Prozent der Gesamtbevölkerung. Die Hospitalisierungsinzidenz liegt derzeit bei 7 und steigt nach dem letzten Rückgang langsam wieder an. In der Spitze waren es laut Wieler 15. Im Moment würden sich vor allem junge Menschen anstecken, aber nach und nach würden sich immer mehr ältere Menschen anstecken. Dies war auch in früheren Wellen der Fall.

Wieler betonte, dass in eine neue Phase der Pandemie eingetreten werde. Die reine Fallzahl wird in Zukunft an Bedeutung verlieren. Wichtiger wird sein, wie viele Menschen schwer erkranken und wie ausgelastet die Krankenhäuser sind. Wichtig ist auch die Überlastung der Gesundheitsbehörden. Sie könnten derzeit nicht mehr alle Fälle nachverfolgen. Die Daten werden am Höhepunkt der Omicron-Welle noch unvollständig sein, sagte Wieler. Jede verhinderte Infektion trägt dazu bei, die Welle klein zu halten und sorgt dafür, dass die Überlastung nicht so stark ausfällt.

Virologe Christian Drosten wies darauf hin, dass die Kommunikation derzeit schwierig sei, weil es gute und schlechte Botschaften gebe, die teilweise als widersprüchlich empfunden würden. Es ist gut, dass die bestehenden Maßnahmen die Verdopplungszeit in Deutschland erhöht haben. Schlecht ist dagegen die große Impflücke. Drei Millionen Menschen über 60 sind laut Drosten noch völlig ungeimpft. Rechnet man alle Personen hinzu, die noch keine Auffrischungsimpfung erhalten haben, sind es allein in dieser Altersgruppe bis zu neun Millionen Menschen. Aus diesem Grund könne man dem Virus derzeit in Deutschland nicht „laufen lassen“, also nicht darauf vertrauen, so der Virologe. Das hat in Südafrika funktioniert, aber in Deutschland funktioniert es im Moment nicht. Aus diesem Grund mahnt Drosten, sich auf den kommenden Herbst und Winter vorzubereiten. Seiner Meinung nach sollten ältere Menschen wieder gestärkt werden. Das Beste ist eine Impfung im zweiten Quartal, die auf die omicron-Variante und alle bisher bekannten Varianten abgestimmt ist.

Auf die Frage nach der Impfpflicht wandte sich Drosten an die Medien. Er sagte, dass einige Medien in der Vergangenheit die Pandemie und die geltenden Maßnahmen als übertrieben dargestellt hätten. Dies hat zu großer Verunsicherung in der Bevölkerung geführt. Medien sollen korrekt informieren und damit die Impfmotivation steigern. Das ist aus seiner Sicht zentral: viel Reden und Motivation zum Impfen. Die Impfpflicht hingegen ist eine rein politische Frage.

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