Sonntag, Oktober 2, 2022
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Streaming in den USA erstmals vor dem klassischen Fernsehen

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Das Fernsehen als abendliches Lagerfeuer gehört in den USA seit Jahrzehnten zum Leben. Doch nun hat Streaming erstmals die klassischen Verbreitungswege Antenne oder Kabel überholt.

Amerikanische Medienjournalisten können etwas außer Atem geraten, wenn sie über einen wichtigen Wendepunkt im US-Mediengeschäft berichten. David Lazarus, der die Medienszene der US-Westküste seit vielen Jahren verfolgt, ist da keine Ausnahme: „Die Zahlen sind faszinierend. Laut Nielsen macht Streaming-TV mittlerweile 34,8 Prozent der Fernsehzuschauer aus, verglichen mit 34,4 Prozent für Kabel und 21,6 Prozent fürs Fernsehen.“ Es ist das erste Mal, dass Streaming-TV das Kabelfernsehen in Bezug auf die Einschaltquoten überholt hat. „Und das wird wohl auch so bleiben“, glaubt Lazarus.

Zuschauer in den USA nutzen Streaming-Dienste wie Netflix, Hulu, HBO Max, Amazon Prime und YouTube für gut 190 Milliarden Minuten pro Woche. Das sind gut 22 Prozent mehr als vor einem Jahr. Für die klassischen TV-Sender wie ABC, Fox, CBS oder NBC, die seit 70 Jahren den Fernsehmarkt dominieren, hat die Pandemie den Niedergang beschleunigt.

Aber das allein erklärt noch nicht das allmähliche Nachlassen der einstigen Giganten. Als die TV-Sender in New York im Juni ihre Highlights für den Herbst präsentierten, war die Enttäuschung groß, sagt Medienjournalist Bill Carter: „Diese neuen Shows hinterlassen keine kulturellen Spuren – wie heute ein großer Hit auf Netflix. Plus Leute stützen ihr Leben nicht mehr auf TV-Shows.“

Hinzu kommt derzeit ein schwaches Angebot an Live-Sport. Auch immer mehr Sportevents wie Fußball, Basketball oder Baseball werden auf Amazon Prime oder Apple TV Plus gestreamt. Haushalte kündigen ihre monatlichen Kabelabonnements, die oft 100 US-Dollar und mehr kosten, und ersetzen sie durch eine Vielzahl von Streaming-Angeboten. Genau deshalb verlieren die großen linearen TV-Sender ihr Publikum.

Das abendliche „Lagerfeuer“ rund um den Fernseher sei längst erloschen, sagt Medienbeobachter Carter. Wer Netflix und Co. streamt, sitzt meist alleine vor dem Bildschirm. Und das kann oft ein Tablet oder ein Smartphone sein. Carter sagt:

Und genau das passiert. Erfolgreiche Plattformen wie HBO Max oder Hulu bieten ihre On-Demand-Dienste längst zu reduzierten Preisen an. Statt 15 $ im Monat zahlen Sie nur 10 $. Filme, Serien und Dokumentationen werden von Werbeclips unterbrochen.

Auch Netflix will im kommenden Jahr ein solches Angebot starten, mit einem Anteil von acht Prozent am Marktführer in den USA. Netflix gibt jährlich mehr als 20 Milliarden US-Dollar für neue Produktionen aus. Fernsehsender werden zunehmend auf lokale und nationale Nachrichten und Live-Sport reduziert.

Joe Flint, Medienjournalist beim Wall Street Journal, warnt jedoch: „Die Verbraucher sind heutzutage sehr kostenbewusst. Aber die Vorstellung, dass Streaming Geld spart, ist ein Mythos. Und je mehr diese Dienste ihre Preise erhöhen, desto mehr werden sie zu Menschen erkennen, dass es ein Mythos ist.“



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Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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