Dienstag, Januar 31, 2023
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Strukturwandel in der Wirtschaft Heil plant umfassendes Weiterbildungsgesetz

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Der Fachkräftemangel ist eine der größten Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft. Arbeitsminister Heil schlägt nun eine Reihe von Maßnahmen vor: Ausbildungsgarantie, Bildungsurlaub und frühe Berufsorientierung sollen Deutschland zur „Republik der Weiterbildung“ machen.

Nach dem Willen von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sollen Beschäftigte in Deutschland künftig berufsbegleitend an einer bezahlten Weiterbildung teilnehmen können. „Wir werden eine Bildungszeit in Deutschland nach österreichischem Vorbild ermöglichen“, sagte Heil der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Ausbildungszeit und weitere Maßnahmen sollen mit einem Weiterbildungsgesetz eingeführt werden. Das Gesetz solle in den nächsten Wochen im Bundeskabinett verabschiedet werden und Arbeitnehmern angesichts des Fachkräftemangels in Deutschland zusätzliche Chancen geben, sagte Heil.

In Österreich können Beschäftigte maximal ein Jahr eine berufliche Aus- oder Weiterbildungspause einlegen – oder bis zu zwei Jahre in Teilzeitausbildung. Wer eine solche „Bildungskarenz“ nimmt, kann Weiterbildungsbeihilfe erhalten. Heil kündigte an, dass auch Arbeitnehmer in Deutschland eine einjährige Berufsausbildung absolvieren können sollen, wenn sie sich zuvor mit dem Arbeitgeber darauf geeinigt haben. „Das kann auch als Teilzeitausbildung in zwei Jahren organisiert werden“, so Heil weiter. „Der Unterhalt wird aus Mitteln der Bundesagentur für Arbeit in Höhe des Arbeitslosengeldes sichergestellt, also zu 60 Prozent bei Alleinstehenden, zu 67 Prozent bei Kindern.“

Das Weiterbildungsgesetz wird laut Heil eine „Ausbildungsgarantie“ beinhalten. Jeder junge Mensch soll die Chance auf Bildung haben. „Dafür fördern wir zum Beispiel die Mobilität und Berufsorientierung junger Menschen.“ Denn es gibt große regionale Unterschiede. „In Regionen mit Vollbeschäftigung finden Unternehmen teilweise keine Auszubildenden. In strukturschwachen Regionen schreiben sich junge Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz die Finger wund.“

Mobilitätshilfen für Praktika sollen helfen. „Wenn jemand zum Beispiel im nördlichen Ruhrgebiet keinen Ausbildungsplatz findet, es aber die Möglichkeit gibt, ein Praktikum zur Berufsorientierung in Köln zu absolvieren, dann unterstützen wir dies durch die Übernahme von Unterkunfts- und Mobilitätskosten“, kündigte Heil an. Bei Auszubildenden würden Kosten für Familienheimfahrten übernommen.

Das Finanzvolumen des Weiterbildungsgesetzes soll laut Heil bei der Bundesagentur für Arbeit bis 2026 jährlich rund 771 Millionen Euro betragen. 190 Millionen Euro sollen aus dem Bundeshaushalt kommen. Andererseits stünden Einnahmen aus Beiträgen und Steuern durch die Schaffung von Arbeitsplätzen zur Verfügung. „Deutschland braucht nicht nur Meister, sondern auch Meister“, sagte Heil. Viele junge Menschen wüssten gar nicht, „was für tolle Jobs es gerade in der Berufsausbildung gibt“. Das soll sich laut Heil bereits in der Schule ändern: „Ich wünsche mir, dass möglichst alle Schulen in Deutschland eine verpflichtende Berufsorientierung ab der fünften Klasse haben.“

Insgesamt, so Heil, soll der Strukturwandel der Wirtschaft mit einem „völlig neuen Werkzeugkasten“ für die Weiterbildung einhergehen. Fördermöglichkeiten würden vereinfacht – Deutschland müsse eine „Hochschulrepublik“ werden. Müssen Unternehmen im Umbruch große Teile der Belegschaft weiterqualifizieren, soll eine Qualifizierungsbeihilfe helfen. Heil will alle Potenziale ausschöpfen: „Viele Unternehmen suchen händeringend nach Arbeitern und Fachkräften“, sagte Heil. „Ob im Handel, in der Pflege, im Bauwesen – das ist in jeder Branche ein großes Thema.“ Fachkräftemangel darf nicht zur Wachstumsbremse werden.

Laut Heil gehen die Babyboomer ab 2025 schrittweise in den Ruhestand. Gleichzeitig verlassen jedes Jahr rund 45.000 Schüler die Schule ohne Abschluss. Künftig müssten alle heimischen Potenziale ausgeschöpft werden. „Hier müssen wir alle Register ziehen“, sagte Heil. Dazu gehört auch, den Anteil von Frauen in der Erwerbstätigkeit zu erhöhen und Menschen mit Behinderungen und ältere Menschen noch stärker in das Arbeitsleben einzubeziehen.

„Deutschland braucht auch qualifizierte Zuwanderung“, sagte Heil. Er rechne damit, „dass wir Anfang März einen Gesetzentwurf für ein modernes Zuwanderungsgesetz im Bundeskabinett verabschieden werden“. Eckpunkte dafür hatte die Koalition bereits im November vorgelegt. Anders als heute sollen mehr Nicht-EU-Bürger ohne anerkannten Abschluss einreisen dürfen. „Die Möglichkeiten zur qualifizierten Zuwanderung werden bürokratisch reduziert“, bekräftigte Heil. Arbeitsvisa sollten schneller ausgestellt werden. „Außerdem haben Menschen, die ihre Ausbildung in ihrem Heimatland abgeschlossen haben, die Möglichkeit, in Deutschland zu arbeiten.“

Als weitere Säule wird eine Opportunity Card eingeführt, mit der Menschen nach einem Punktesystem nach Deutschland kommen können. „Wir schlagen die Kriterien Qualifikation, Berufserfahrung, Alter, Sprachkenntnisse oder Deutschlandbezug vor“, sagte der Minister. „Wenn Sie die relevanten Punkte aus dem Kriterienkatalog erfüllen, steht Ihnen der deutsche Arbeitsmarkt offen.“

Heil kündigte eine über das Gesetz hinausgehende „Rekrutierungsstrategie von Staat und Wirtschaft“ an. Die Zuwanderung von Fachkräften sollte nicht einfach hingenommen werden. „Wir müssen es wollen, organisieren und in anderen Ländern gezielt fördern.“ An die Union gerichtet sagte Heil: „Ich erwarte von CDU und CSU ein Bekenntnis zur qualifizierten Zuwanderung.“ Ein breiter Konsens unter den Demokraten ist wünschenswert.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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