Donnerstag, Juni 23, 2022
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Symptome einer Schizophrenie Amokfahrer aus Berlin liegt vorläufig in der Psychiatrie

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Sechs Menschen befinden sich nach der Todesfahrt auf dem Berliner Kurfürstendamm weiterhin in Lebensgefahr. Politiker stufen die Ereignisse nun als Amoktat ein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird der festgenommene Fahrer nun in eine psychiatrische Abteilung verlegt.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat den 29-jährigen Schützen vom Kurfürstendamm vorläufig in eine Psychiatrie eingewiesen. Das Amtsgericht Tiergarten hat einem entsprechenden Antrag stattgegeben. Zur paranoiden Schizophrenie des Mannes gebe es „ziemlich viel“ zu sagen, sagte Oberstaatsanwalt Sebastian Büchner. Bei einer Hausdurchsuchung wurden Drogen gefunden. Zudem entbindet er seine behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht. Weitere Ermittlungen sollen laut Büchner zeigen, ob die Krankheit wirklich ursächlich für die Tat war. Ein Terrorakt wird derzeit aber ebenso ausgeschlossen wie ein Unfall.

Nach Angaben der Polizei hat der Mann bei seinem Amoklauf in unmittelbarer Nähe der Berliner Gedächtniskirche im Zentrum West-Berlins eine Frau getötet und 32 weitere Menschen verletzt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden die Taten rechtlich in einem Fall als Mord und in 17 weiteren Fällen als versuchter Mord eingestuft. Bei den weniger schwer Verletzten ist von Mordvorsatz nicht auszugehen. 14 der Verletzten sind Studenten aus Hessen. Die tote Frau ist ihre Lehrerin.

50 weitere Personen wurden demnach psychisch betreut. Sechs Personen befinden sich laut Polizei noch in Lebensgefahr. Weitere Schwankungen der Zahlen sind laut Polizei und Feuerwehr aufgrund der dynamischen Entwicklung möglich.

Nach Angaben der Polizei befinden sich am Nachmittag noch sieben Jugendliche und ein Lehrer aus der hessischen Schülergruppe im Krankenhaus. Nach Angaben der Feuerwehr wurden im Zusammenhang mit der Todesfahrt insgesamt 22 Menschen in Berliner Krankenhäusern behandelt. „Wir haben selbst 17 Menschen vor Ort versorgt und in Krankenhäuser gebracht“, sagte ein Sprecher. Sechs der Betroffenen schwebten in Lebensgefahr, drei wurden schwer verletzt. Andere Menschen hätten sich in Kliniken gemeldet.

Ein Großteil der Betroffenen wurde verletzt, als der Fahrer an der Ecke Ku’damm/Ecke Rankestraße in die Menschengruppe fuhr. Weitere Verletzte gab es, als der Wagen knapp 200 Meter weiter an der Ecke Tauentzienstraße/Marburger Straße im Schaufenster einer Parfümerie landete.

Inzwischen werden die tödlichen Ereignisse auf dem Kurfürstendamm von Politikern als Hinterhalt eingestuft. Nach Bundeskanzler Olaf Scholz äußerte sich auch Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey: „Gestern Abend hat es angezogen“, sagte Giffey im RBB-Inforadio. Die polizeilichen Ermittlungen stellten klar, „dass es sich um einen Selbstmord eines schwer geistig behinderten Menschen handelt“. Mit Hilfe eines Dolmetschers werde versucht, „aus den teilweise konfusen Aussagen, die er macht, mehr herauszufinden“.

Ob die Türkei-Plakate im Mordfahrzeug des Deutsch-Armeniers eine Rolle spielten, wird noch ermittelt. Giffey sprach von einem „dunklen Tag in der Berliner Stadtgeschichte“.

Scholz hatte am Mittwochabend getwittert: „Die grausame Schießerei in der Tauentzienstraße trifft mich zutiefst.“ Weiter hieß es: „Die Reise einer hessischen Schulklasse nach Berlin endet in einem Albtraum. Wir denken an die Angehörigen der Toten und Verletzten, darunter viele Kinder. Ich wünsche Ihnen allen gute Besserung.“

Der Fahrer – ein 29-jähriger Deutsch-Armenier mit Wohnsitz in Berlin – wurde unmittelbar nach der Tat gefasst und in ein Krankenhaus gebracht. Die polizeilichen Ermittlungen werden von einer Mordkommission geführt, nicht von der Staatssicherheit, die für eine politisch motivierte Straftat verantwortlich wäre. Am Mittwoch wurde unter anderem die Wohnung des Fahrers in Charlottenburg durchsucht. Der Mann soll wegen mehrerer Straftaten polizeibekannt gewesen sein, jedoch nicht im Zusammenhang mit Extremismus.

Die Schwester des Verdächtigen sagte einem „Bild“-Reporter: „Er hat ernsthafte Probleme.“ Laut der Zeitung äußerten Nachbarn ihr Erstaunen, „dass er zu einer solchen Tat fähig ist“. Am Abend gedachten zahlreiche Menschen in der Gedächtniskirche der getöteten Frau und der Verletzten.

Die Gegend, in der sich der tödliche Vorfall ereignete, ist wegen der vielen Geschäfte, Cafés und Sehenswürdigkeiten oft sehr belebt. Es ist ein Magnet für Touristen aus dem In- und Ausland. Der Unfallort liegt unweit der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg. Im Dezember 2016 fuhr dort ein islamistischer Attentäter auf einen Weihnachtsmarkt. 13 Menschen starben und mehr als 70 wurden durch die Spätfolgen verletzt. Der Fall vom Mittwoch weckte in Berlin auch Erinnerungen an einen Amoklauf auf der Stadtautobahn A100 im August 2020, als ein Autofahrer drei Motorradfahrer vorsätzlich rammte. Er wurde vom Gericht in die Psychiatrie eingewiesen.

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