Mittwoch, November 30, 2022
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Täter Fluchthilfe Eichstätter Bischof soll Missbrauch vertuscht haben

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Immer wieder werden Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche bekannt. Bei der Aufarbeitung stellt sich die Frage: Wie konnten die Täter jahrelang ihr Unwesen treiben? Ein Fall im Bistum Eichstätt aus den 1960er Jahren zeigt, wie ein Täter damals vom Bischof gedeckt wurde. Auch sein Nachfolger trägt eine Mitschuld.

Ein Bericht der unabhängigen Untersuchungskommission im Bistum Eichstätt erhärtet schwere Vertuschungsvorwürfe gegen den ehemaligen Bischof Alois Brems. Er soll nicht nur Missbrauchsfälle vertuscht, sondern auch einem Täter bei der Flucht vor der Polizei geholfen haben. „Trotz der zahlreichen schweren Vergehen des Priesters in den 1960er Jahren, die bei seinen Opfern großes Leid verursachten, wurden seine kriminellen Handlungen nicht eingestellt“, sagte der amtierende Bischof Gregor Maria Hanke. „Dass diese Verbrechen begangen und auch aktiv vertuscht wurden, ist ein schockierendes Ereignis, das vollständig aufgearbeitet werden muss.“

Das Erbe von Bischof Brems müsse neu bewertet werden, sagte Hanke. „Ich bitte auch die Gemeinden und Institutionen, die Bischof Brems geehrt haben, ihr Gedenken zu überdenken.“ Brems war von 1968 bis 1983 Bischof von Eichstätt. Er starb 1987. Die Vorwürfe gegen ihn wurden vor wenigen Wochen bekannt.

Der Mann, dessen Taten Brems gedeckt haben soll, ist ein 2016 verstorbener Priester, der in den 1960er Jahren Mädchen missbraucht haben soll. „Nach derzeitigem Kenntnisstand sind uns zehn Betroffene aus den 1960er Jahren bekannt“, sagte Diözesansprecherin Pia Dyckmans. Wie die Mediengruppe Bayern Ende Oktober berichtete, erstattete einer der Betroffenen damals Anzeige, die Staatsanwaltschaft wurde informiert.

Doch dem Bericht zufolge gelang dem Priester noch rechtzeitig die Flucht – er wurde Missionar in Afrika und später in Lateinamerika. Zudem unterstütze ihn die Diözesanleitung dabei, sich mit einem anderen Namen zu tarnen, hieß es. In den 1980er Jahren, als die gegen ihn erhobenen Vorwürfe längst verjährt waren, kehrte der Priester in sein Heimatbistum Eichstätt zurück und soll dort wieder viele Jahre in einer Pfarrei gearbeitet haben.

Doch damit nicht genug: Wie die Ermittlungskommission berichtet, wurde der Mann dann Jahrzehnte später in einem Seniorenheim in Schwabach erneut missbraucht. Wie der Kreisverband Eichstätt der Caritas am Samstag mitteilte, werfen Zeugen dem Mann vor, als Hausseelsorger des Seniorenheims in den Jahren 2011 und 2012 sowohl Mitarbeiter als auch Bewohner belästigt zu haben.

Bischof Hanke räumte nun auch im Dall ein persönliches Fehlverhalten ein: Als der Wiederholungstäter von Schwabach ins Erzbistum Bamberg übersiedelte, habe das Bistum Eichstätt „nicht über die kriminelle Vergangenheit des Priesters aufgeklärt“. Von Ende 2012 bis Juli 2014 habe der Mann gelegentlich als Aushilfsgeistlicher im Gotteshaus Heroldsbach Gottesdienste gehalten, bestätigte das Erzbistum Bamberg.

„Ich muss selbstkritisch sagen, dass ich nach den ersten Gesprächen im Jahr 2010 sofort hätte reagieren müssen. Ich hätte mir damals nicht vorstellen können, dass ein Täter auch im fortgeschrittenen Alter in einem Seniorenheim noch gefährlich sein kann“, sagte Hanke . „Das Ausmaß des Schreckens war mir unbekannt. Es war ein großer Fehler, aus dem ich schmerzlich gelernt habe.“

Von Juli 2014 bis zu seinem Tod im Oktober 2016 lebte der Priester dann in Bamberg. Bisher seien solche Vorwürfe aus seiner Zeit in Heroldsbach und Bamberg nicht bekannt geworden, sagte ein Bistumssprecher am Dienstag. Das Erzbistum und das Bistum Eichstätt rufen potenzielle Opfer sexueller Übergriffe auf, sich zu melden.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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