Samstag, Dezember 10, 2022
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Tag der Deutschen Einheit: Einig und unzufrieden?

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32 Jahre Wiedervereinigung: Ein Grund zum Feiern. Doch der Feiertag fällt auch mitten in eine Krise – und die Herangehensweise ist in Ost und West sehr unterschiedlich.

92 Prozent: Die große Mehrheit der Deutschen hält die Wiedervereinigung nach wie vor für richtig, so das aktuelle ZDF-Politbarometer. Grund genug zum Feiern? Erfurt ist in diesem Jahr traditionell Gastgeber der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit, denn der Ministerpräsident von Thüringen ist derzeit Bundesratsvorsitzender. „Gemeinsam wachsen“ ist die Devise. Konzerte, Länderpavillons, Lichtinstallationen: Das Festival ist seit Monaten in Vorbereitung. Doch nun trübt die Krise auch die Stimmung der Einheitspartei.

Denn während in Erfurt Infostände und Ausstellungsboxen aufgebaut werden, mobilisieren verschiedene Gruppen im Internet zu einer Großdemonstration am 3. Oktober in Gera. Es geht gegen die Maßnahmen der Krone, gegen die Sanktionen Russlands und auch gegen den Staat.

Hier brauen sich seit Wochen Proteste zusammen. Der Beschwerdeführer ist ein bekannter Rechtsextremist und auf Protestmärschen wehen die Fahnen der Reichsbürger und Russlands. Aber es gibt auch viele Menschen, die große Bedenken haben, hier und an vielen anderen Orten in Ostdeutschland zu demonstrieren. Der Krieg und seine Folgen: Hier spalten sich die Einstellungen in Deutschland. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow sagt:

Auch die Zufriedenheit mit der politischen Lage im Westen ist deutlich gesunken, wie der diesjährige Bericht des Ostbeauftragten zum Stand der Deutschen Einheit zeigt. Aber im Osten, wo die Menschen weniger verdienen und weniger Rücklagen haben, ist die Angst viel größer.

Juliane Stückrad ist nicht überrascht, dass viele Ostdeutsche ihren Frust über die aktuelle Krise auf die Straße tragen. Als Ethnologe hat der gebürtige Eisenacher die DDR studiert und gerade ein Buch darüber veröffentlicht: „Der Unmutige, der Mutige“.

„Das ist eine Erfahrung, die man vielleicht schon vor Westdeutschland gemacht hat und bei der man so einen Wechsel nicht noch einmal durchmachen möchte“, erklärt Stückrad.

Zu wenig sei in den frühen Jahren der Transformationen im Osten gesprochen worden, und die Umbrüche der 1990er Jahre seien von beiden Seiten zu wenig diskutiert und aufgearbeitet worden. Stattdessen konsolidierten sich die Einstellungen. Das ist auch im aktuellen Politbarometer nachzulesen.

Auf die Frage, ob uns mehr verbindet als trennt, sagen 57 % der Befragten im Westen, dass die Gemeinsamkeiten die Unterschiede überwiegen. Im Osten hingegen ist es umgekehrt: Für 57 Prozent stehen die Unterschiede im Mittelpunkt.

Juliane Stückrad wünscht sich daher, dass mehr über die Erfolge in Ostdeutschland und über die Wiedervereinigung gesprochen wird. „Denn viele haben das Gefühl, dass sie, weil sie in der ostdeutschen Provinz leben und nicht weggekommen sind, für Idioten gehalten werden.“

Das dürfte auch in Erfurt ein Problem sein. Der Bundespräsident trifft sich mit Ehrenamtlichen aus allen Bundesländern. Rund 120.000 Besucher werden am Wochenende bis zum 3. Oktober in der Landeshauptstadt Thüringens erwartet. Betreut wird sie übrigens auch von dutzenden Freiwilligen. Miteinander reden – nach 32 Jahren immer noch wichtig.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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