Mittwoch, Dezember 8, 2021
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Tödliche Waffen: Schießtraining für alle boomt

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In Deutschland darf jeder Erwachsene unter Aufsicht auf den Schießstand. Zu Mainz meldenDie Forschung konnte einen Markt für Schießveranstaltungen erschließen und Extremisten an Waffen schulen.

Samstagmorgen, ein kleiner Schießstand, irgendwo in Deutschland. Fast 20 Leute kamen, um in den nächsten Stunden in eine andere Welt einzutauchen. Zum ersten Mal wollen sie mit scharfen Waffen schießen. Es soll ein Erlebnis sein. „Schießen für alle“ heißt es.

Was sich nach amerikanischem Alltag anhört, ist bundesweit in Deutschland erhältlich. Das Angebot für solche Events ist riesig, verkauft als Highlight für die Firmenfeier oder den Junggesellenabschied. Journalisten der ARD-Politikmagazine Mainz melden haben dokumentiert, was bei einer solchen Veranstaltung passiert, mit welchen Waffen geschossen wird und wie dort mit Munition umgegangen wird.

Eine kurze Einweisung und die Teilnehmer haben ihre ersten Waffen in der Hand – vom großkalibrigen Präzisionsgewehr über den Karabiner aus dem Zweiten Weltkrieg bis zum halbautomatischen Sturmgewehr. Waffen ähnlich dem Militär, wie sie oft bei Amokläufen und Attentaten verwendet werden.

Michael Mertens, stellvertretender Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GDP), sieht solche Vorfälle kritisch. „Waffen und Events passen nicht zusammen“, sagte Mertens im Interview mit Mainz melden. Besonders kritisiert er, dass dort jeder Zugang zu solch schweren Waffen habe: „Diese Waffen gehören nicht in die Hände von Laien, sie gehören in die Hände von Profis“.

Vier Stunden lang werden die Teilnehmer der Schießveranstaltung ausführlich mit Waffen vertraut gemacht – vom Einlegen der Munition über die richtige Körperhaltung bis hin zum Schuss. Und ihnen wird Munition für die unterschiedlichsten Waffen anvertraut. Die Journalisten von Mainz melden gelang es mehrmals, damit den Schießstand zu verlassen. Theoretisch hätten sie mit der Munition unbemerkt davonfahren können – sie brechen den Versuch ab.

Ein paar Tage später hebt der Veranstalter auf Wunsch ab Mainz melden Kommentar dazu: „Aus unserer Sicht wäre es nicht ohne Probleme möglich gewesen, die Munition zu stehlen“, schreibt er an die Journalisten. „Sie sind aufgefallen, weil Sie auf dem Gelände herumgelaufen sind. Seit Sie zurückgekommen sind, wurde nichts unternommen“, hieß es. Außerdem wird bei seinen Veranstaltungen nicht gelehrt oder gelernt, dass alle Waffen für den zivilen Gebrauch zugelassen sind.

Michael Mertens vom GDP hält einen solchen Umgang mit Munition für äußerst gefährlich. „Wenn dir das gelungen ist, brauche ich nicht viel Fantasie, um zu überlegen, wer das noch kann“, sagte Mertens im Interview mit Mainz melden„Ich bin wirklich schockiert, dass es so möglich ist.“

Die Rechtslage in Deutschland macht solche Schießveranstaltungen möglich. Es ist richtig, dass für den Kauf und Besitz von Waffen eine Lizenz erforderlich ist, und Käufer müssen überprüft werden. Für das Schießen auf einem Schießstand ist das alles aber nicht nötig – solange es Aufsicht gibt. Und so kann jeder Erwachsene mit allen als Sportwaffen zugelassenen Waffen auf Schießständen schießen, auch abseits solcher Veranstaltungen. Auch die vielen Schützenvereine dürfen Gäste erschießen lassen: ohne Waffenschein, ohne behördliche Kontrolle.

Nach Recherchen von Mainz melden konnte 2017 eine Gruppe von Linksextremisten in Berlin an Waffen üben, obwohl die Männer den Ermittlern zuvor bekannt waren. Und Stephan Ernst, der vom Oberlandesgericht Frankfurt wegen Mordes an Walter Lübcke zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, trainierte vor seiner Tat als Gastschütze auf einem Schießstand – trotz Vorstrafen und Engagement in der rechtsextremen Szene. Der Verfassungsschutz bestätigt, dass ihm auch Fälle von Extremisten als Gastschützen bekannt sind.

Aus diesem Grund und wegen des großen Marktes für Schießveranstaltungen fordert GDP-Mann Mertens die Politik auf, sich mit dem Thema Gastschießen zu befassen. Es besteht dringender Diskussionsbedarf, welche Anforderungen ein Gastschütze mitbringen muss. „Es kann nicht sein, dass Kriminelle, Extremisten oder andere Personen mit ungeeignetem Charakter über Waffen gescheitert werden“, sagte Mertens.

Das sieht Martina Renner auch so. Der Innenexperte der Linkspartei beschäftigt sich seit Jahren mit Extremismus, Schießtraining und Waffen. Sie fordert Verbesserungen im Waffenrecht. „Es muss geändert werden, dass jeder einfach auf einem Schießstand schießen kann“, sagte Renner Mainz melden. Wenn Sie mit scharfen Waffen schießen möchten, benötigen Sie wie beim Kauf und Besitz einer Waffe eine Genehmigung.

Das zuständige Bundesministerium des Innern sagt auf Anfrage von Mainz meldendass das Schießen auf Schießständen als Gast nicht mit einer Erlaubnis zum Kauf, Besitz oder Tragen von Waffen zu vergleichen ist – eine Antwort, die die vielen Veranstalter von Schießveranstaltungen beruhigen sollte. Denn so können sie weiterhin Geschäfte machen: mit „Schießtraining für alle“.



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