Montag, September 26, 2022
StartNACHRICHTENTrinkkultur in Japan: Zum Guten – die Schatzkammer

Trinkkultur in Japan: Zum Guten – die Schatzkammer

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In Japan trinken die Menschen immer weniger Alkohol. Das mag gut für ihre Gesundheit sein, schwächt aber die Staatskasse. Eine Kampagne soll den Konsum ankurbeln – stößt aber auf Kritik.

„Junge Leute werden einfach nicht mehr so ​​leicht eingeladen“, sagt Herr Tokumuto und nimmt einen tiefen Schluck von seinem Bier. Der Mittvierziger sitzt an einem Freitagabend mit zwei seiner Angestellten in einer Izakaya, einer Sake-Bar, im Tokioter Stadtteil Shibuya. Die drei arbeiten für ein Kreditkartenunternehmen und sind jetzt – zumindest teilweise – freigestellt. Denn Mr. Tokumuto will noch trinken – und wenn der Chef es will, sagt man nicht nein.

Das „Nomikai“, wörtlich übersetzt „Trinktreffen“, gilt in Japan seit langem als Pflichtveranstaltung vor dem Wochenende. Doch gerade junge Menschen wehren sich gegen dieses Ritual. Einer der Gründe, warum der Alkoholkonsum im Land rapide sinkt – und damit die Einnahmen für die Finanzbehörden. Während die Alkoholsteuer vor zehn Jahren noch drei Prozent der gesamten Steuereinnahmen ausmachte, sind es seit Beginn der Pandemie nur noch 1,7 Prozent.

Zudem hat die Corona-Zeit die Trinkgewohnheiten verändert – viele Bars wurden komplett geschlossen oder ab 20 Uhr verbrachten die Menschen mehr Zeit zu Hause. So auch der 20-jährige Student Yoshiki Takahashi. Er war während der Pandemie ziemlich zurückgezogen, hatte zuvor gerne in Sportkneipen rumgehangen, Fußball geschaut und Bier getrunken. Jetzt trinkt er weniger, fühlt sich fitter – wie viele Jugendliche, die zum Teil ganz bewusst auf Alkohol verzichten.

Die Regierung hat jetzt „Sake Viva!“ gestartet – eine Kampagne, die sich an Jugendliche zwischen 20 und 39 Jahren richtet, denn Alkohol darf in Japan ab 20 Jahren legal konsumiert werden. Bis Anfang September sind sie eingeladen, Ideen einzubringen, wie Alkohol in Japan konsumiert werden kann revitalisiert werden – zum Beispiel mit anderen Werbebotschaften oder neuen Getränken.

Eiji Kusumi, Direktor einer Klinik in Tokio, ist sehr irritiert über die Kampagne der nationalen Steuerbehörde. Er gibt zu: „Ich liebe Alkohol, also tue ich mein Bestes, um den richtigen Konsum zu fördern.“ Der Mediziner glaubt jedoch, dass die Kampagne der Regierung zwangsläufig zu einer Zunahme von Suchterkrankungen oder alkoholbedingten Gesundheitsproblemen führen wird. Selbst wenn kurzfristig mehr Geld in die Staatskasse gespült würde – langfristig würden die Ausgaben für das Gesundheitssystem steigen und am nächsten Tag verkatert die Arbeit ausfallen.

Alkohol ist vor allem in Japan gesellschaftlich relevant. In einem Land, in dem es vielen Menschen schwerfällt, sich gehen zu lassen, kann Alkohol die Zunge lösen und das Kennenlernen erleichtern. Aber ist der Kraftstoffverbrauch wirklich der richtige Weg? Das Finanzamt gibt keine Befragungen, sondern beantwortet die Fragen schriftlich: Es gehöre zur Aufgabe der Behörde, „die gesunde Entwicklung des Alkoholgeschäfts zu unterstützen“. Ausreichendes Trinken ist eine „natürliche Sache“. Unter keinen Umständen möchten Sie übermäßiges Trinken fördern.

Die Kampagne wurde in den sozialen Medien heftig kritisiert – weniger auf der Straße. Tsubasa Izumisu, 20, denkt „Sake Viva!“ keineswegs zu beanstanden. Wenn man nicht jeden Tag trinkt, sondern es als eine Art Belohnung sieht, ist das vollkommen legitim, findet sie. Ansprechende Werbung macht den Konsum von alkoholischen Getränken verlockend. „Ich bekomme ein bisschen Lust auf einen Drink, wenn ich einfach durch die Stadt laufe und Fotos von alkoholischen Getränken sehe, die überall so lecker aussehen“, sagt sie. Die Studentin hat gerade erst das gesetzliche Mindestalter für den Alkoholkonsum erreicht – und gewöhnt sich zu Hause an den Schnaps, „damit ich nicht bewusstlos durch die Straßen torkele“.

Je später es an diesem Freitagabend im Stadtteil Shibuya wird, desto mehr Menschen schlängeln sich durch die Gassen und übernachten in Büro-Outfits in Hauseingängen, weil der letzte Zug nach Hause schon abgefahren ist. Herr Tokumoto und seine beiden Angestellten überlegen, in welche Bar sie umziehen sollen. Ein paar Promille haben sie schon im Blut, und die Ideen sprudeln gerade erst ab Mitte Vierzig. „Lass uns trinken gehen – jeden Ersten des Monats!“ er ruft. „Vom Staat subventioniert. Das wäre was.“



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Abgel T
Abgel T
Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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