Sonntag, Januar 23, 2022
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Trotz Omicron-Welle geht die Zahl der Intensivpatienten weiter zurück

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Die Corona-Variante Omikron treibt die Infektionszahlen in Deutschland in die Höhe. Davon ist auf den Intensivstationen bisher jedoch wenig zu sehen, die Zahl der Intensivpatienten sinkt weiter. Experten mahnen jedoch zur Vorsicht.

Die rollende Omicron-Welle in Deutschland hat sich noch nicht auf die Intensivstationen ausgewirkt. Die Zahl der dort behandelten Corona-Infizierten ist nach Angaben des DIVI-Intensivregisters (Stand Donnerstag) erstmals seit Mitte November knapp unter die Marke von 3000 gesunken. Seit dem Höhepunkt der vierten Welle im Dezember mit gleichzeitig rund 5.000 Corona-Intensivpatienten ging die Zahl stetig zurück. Auch bei der Zahl der gemeldeten Erstaufnahmen ist der Trend rückläufig.

Experten sehen jedoch keinen Anlass, für die nächsten Wochen Entwarnung zu geben, unter anderem wegen offener Fragen zu Omicron und einem zu erwartenden weiteren Anstieg der Infektionen. In der Regel kommt es zu Verzögerungen, bis ein Infizierter im schlimmsten Fall auf der Intensivstation landet. Die Dauer kann je nach Variante von einer guten Woche bis zu mehr als zwei variieren; bezüglich Omikron gibt es noch keine Gewissheit.

„Wir sollten nicht so schnell einen Anstieg der Zahl der Intensivpatienten in Deutschland sehen“, erwartet Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters. Während bei der Delta-Variante etwa jeder fünfte Corona-Patient (20 Prozent), der in ein Krankenhaus kam, eine intensivmedizinische Betreuung benötigte, sei es bei Omikron nur etwa jeder zehnte Patient, sagte er. Hinzu kommen die vergleichsweise strengen Maßnahmen in Deutschland, die möglicherweise zu einem nicht ganz so explosiven Anstieg der Infektionen führen könnten wie in anderen Ländern.

Der Kölner Professor warnte jedoch davor, Omicron als mild abzutun – auch wenn die Variante per se eigentlich weniger pathogen sei als Delta. „Auch bei Omicron besteht ein Risiko, insbesondere für ungeimpfte Personen“, sagte Karagiannidis. „Die Ungeimpften sind derzeit die Hauptklientel auf Intensivstationen.“ Mit einer Grundimmunisierung oder nach durchgemachter Infektion plus Impfung ist man dagegen gut vor einem schweren Verlauf geschützt.

Auch zu deutschen Besonderheiten seien noch nicht alle Fragen geklärt: „Noch ist unklar: Was passiert, wenn das Omicron bei älteren und sehr alten Menschen ankommt? Das macht mir noch Sorgen“, sagte Karagiannidis. Deutschland hat eine relativ alte Bevölkerung – verglichen mit beispielsweise Südafrika, wo Omicron entdeckt wurde.

Die Inzidenzen in Deutschland sind bei den unter 35-Jährigen mit Abstand am höchsten, teilweise mit Werten um die 700 (Stand Donnerstag). Für die Gruppe der 60- bis 79-Jährigen gab das RKI die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen mit 133 an, für Menschen über 80 Jahre mit 95,5. Die Belastung der Intensivstationen sei mit rund 3000 Fällen weiterhin hoch, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI) im Wochenbericht vom Donnerstagabend. „Obwohl die Belegungszahlen derzeit noch rückläufig sind, kann es im Intensivbereich dennoch zu regionalen Kapazitätsengpässen kommen.“ In Deutschland hat sich omicron laut RKI zuletzt weiter ausgebreitet, in fast allen Landkreisen gab es Fälle.

In den kommenden Wochen wird mit einem starken Anstieg der Infektionen gerechnet. Omikron ist auch leichter an geimpfte und genesene Personen übertragbar. Nach den jüngsten Daten für die erste Kalenderwoche 2022, die auf Meldungen der Bundesländer beruhen und auch Verdachtsfälle beinhalten, machte die Variante laut RKI-Bericht 73 Prozent aus und überwiegt damit. Die bisher vorherrschende Delta-Variante verliert immer mehr an Boden.

Das RKI verwies auf große regionale Unterschiede beim Omicron-Stand: Der Anteil liege zwischen 11 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern und 96 Prozent in Bremen. Für Schwankungen und Unterschiede wurden mehrere Gründe genannt: Nicht alle Varianten seien gleichermaßen getestet, es gebe Verzögerungen bei der labordiagnostischen Erfassung und Übermittlung, und die Verbreitung gehe auch aus Ballungsräumen.

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