Dienstag, September 27, 2022
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Üben und Einfrieren Führt kälteres Wasser zu mehr Nichtschwimmern?

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In der Energiekrise ist die Absenkung der Wassertemperatur in Schwimmbädern ein wichtiger Hebel. Werden weniger Kinder in kälterem Wasser schwimmen lernen? Es ist nicht auszuschließen, aber es gibt schon zu viele Nichtschwimmer.

Viele Kinder finden es schwierig, zum ersten Mal in tiefem Wasser zu schwimmen, aber es in kaltem Wasser zu tun, ist noch schlimmer. Angesichts der Energiekrise und des Gasmangels hätten einige Schwimmbäder ihre Temperaturen bereits gesenkt oder sogar ganz geschlossen, warnte die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft in Bad Nenndorf. Was die Bademeister mit Blick auf Herbst und Winter beunruhigt: Wird die Zahl der Nichtschwimmer in Zukunft zunehmen – wieder?

Aus wirtschaftlicher Sicht sei die Absenkung der Wassertemperatur in Schwimmbädern nachvollziehbar, sagte DLRG-Sprecher Christopher Dolz. Aber: Für Schwimmkurse sollte eine Wassertemperatur von 26 Grad das Ziel sein, was einem Anfänger-Schwimmtraining kaum im Wege steht. Manche Kinder brauchen länger, um schwimmen zu lernen, weil sie frieren und mehr Zeit brauchen. Schon Olympiasieger Florian Wellbrock warnte: „Wie will man einem Fünf- oder Sechsjährigen beibringen, dass er ins kalte Wasser gehen und Spaß am Schwimmenlernen haben muss? Das geht meiner Meinung nach nicht.“

Sinkt die Wassertemperatur unter 26 Grad, sind laut DLRG andere Trainingskonzepte nötig – mit weniger Zeit im Wasser. Aber es wird noch länger dauern, bis Kinder schwimmen lernen – aber kälteres Wasser ist einem geschlossenen Bad vorzuziehen. Das alles gelte aber nur für das Training von Schwimmanfängern, sagte Dolz: „Über Babyschwimmen oder Wassergewöhnung brauchen wir hier nicht zu reden, das wäre natürlich undenkbar – es sollten mindestens 30 Grad sein und mehr.“ Schon bei einer Wassertemperatur unter 35 Grad beginnt der Körper langsam abzukühlen.

Die Pool Alliance Deutschland, ein Zusammenschluss von Interessenvertretern der Branche, hat der Bundesregierung Mitte Juli ein Positionspapier vorgelegt. Darin forderte sie, schrittweise auf die Energieknappheit zu reagieren – und zunächst auf „Hochtemperatur-Außenbecken“ zu verzichten, dann nur noch die Sport- und Lehrbecken zu nutzen und dort schließlich die Temperatur auf ein Maximum abzusenken von 26 Grad.

Der Deutsche Olympische Sportbund hat kürzlich die rund 90.000 Sportvereine in Deutschland aufgerufen, in den kommenden Monaten mindestens 20 Prozent Energie einzusparen. Damit soll verhindert werden, dass Schwimmbäder und Sportstätten schließen. Für Schwimmer wird es daher in vielen Bädern ungemütlich: Städte wie Hannover, München, Aachen und Cuxhaven setzen auf kälteres Wasser.

Das Problem: Der Anteil an Nichtschwimmern ist hoch. Laut DLRG waren schon vor der Corona-Pandemie mit ihrem Schwimmbad-Lockdown nur rund 40 Prozent der Zehnjährigen sichere Schwimmer. „Wir gehen davon aus, dass es heute keine mehr gibt“, warnte Dolz. Dies lässt sich an der Anzahl der abgenommenen Schwimmabzeichen ablesen. 2020 hätten die Trainer am Beckenrand fast 75 Prozent weniger Prüfungen abgelegt als ein Jahr zuvor – nach 92.913 sank die Zahl auf 23.458. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl erneut auf 38.112. Seepferdchen für Jugendliche gingen von 46.958 im Jahr zuvor auf 14.566 im Jahr 2020 zurück. Im Jahr 2021 gab es 36.368 Seepferdchen.

Dolz sprach von einem „Ausbildungsstau“, der noch lange nicht abgebaut sei, auch wenn 2.000 zusätzliche Kurse auf den Weg gebracht worden seien. Aber auch hier gilt: Wenn Schwimmbäder geschlossen sind und Wassermangel herrscht, nützen die zusätzlich angebotenen Kurse wenig. Auch die Ausbildung zum Rettungsschwimmer ist betroffen – im laufenden Jahr war es teilweise schwierig, genügend Rettungsschwimmer zu finden.

Zudem dürften die Preise in Schwimmbädern steigen. Inwieweit dies auch für Schwimmkurse zu erwarten sei, sei „ein Blick in die Glaskugel“, sagte Dolz. Die rund 2.000 Ortsverbände der DLRG organisieren ihre Schwimmkurse selbst und haben zum Teil langfristige Pachtverträge mit den Schwimmbadbetreibern. Es ist damit zu rechnen, dass diese künftig ihre Ticketpreise erhöhen werden, allerdings ist fraglich, ob dies an die Vereine weitergegeben werden kann. Der höchste derzeit bekannte Preis, der für die Anmietung einer Bahn im Schwimmbad pro Stunde zu zahlen ist, liegt bei rund 75 Euro.

Im Extremfall einer Schwimmbadschließung sei es nicht einfach, Eltern und Kinder für das Schwimmen zu begeistern, sagte der Sprecher. Doch Eltern und Kinder könnten vieles selbst tun – und sich zu Hause beim Baden oder Duschen an das Wasser gewöhnen.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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