Dienstag, August 16, 2022
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Überblick über den Kriegstag Ukrainer wehren Angriffe im Osten ab – Angst vor Einschlag in Atomkraftwerk

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Knapp sechs Monate nach Beginn ihrer Invasion greifen russische Truppen in der Ostukraine mit aller Macht einen Eckpfeiler der ukrainischen Verteidigungslinie an. Im Süden bringen die Ukrainer die Russen in die Defensive. Der Zustand des von Bomben getroffenen Kernkraftwerks Saporischschja gibt Anlass zur Sorge.

Kaum ein halbes Jahr nach Beginn ihrer Invasion greifen russische Truppen in der Ostukraine die Stadt Bachmut – einen Eckpfeiler der ukrainischen Verteidigungslinie – mit aller Macht an. Im Süden sagen die Ukrainer, dass sie die Russen in die Defensive drängen. Besonders besorgniserregend ist der Zustand des von Bomben getroffenen Kernkraftwerks Saporischschja. Der 164. Kriegstag im Überblick:

Beschuss eines Kernkraftwerks als „Terrorismus“ angeprangert.

Nach dem Beschuss des Kernkraftwerks Saporischschja am Freitag beschuldigten sich Russland und die Ukraine gegenseitig. Das größte Atomkraftwerk Europas steht in dem von Russland besetzten Teil der Südukraine – dort kam es in den vergangenen Kriegsmonaten bereits mehrfach zu brenzligen Situationen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem „Terrorakt“ auf russischer Seite und forderte neue Sanktionen, die sich speziell gegen die Atomindustrie des Nachbarlandes richten. Das Außenministerium in Kiew warnte davor, dass die möglichen Folgen eines Reaktortreffers im laufenden Betrieb „dem Einsatz einer Atombombe gleichkämen“.

IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi warnte vor dem Risiko einer nuklearen Katastrophe, die die öffentliche Gesundheit und die Umwelt in der Ukraine und darüber hinaus bedrohen könnte. Er sei „äußerst besorgt“ über die Ereignisse vom Freitag. „Jede militärische Feuerkraft, die auf die Anlage gerichtet ist oder von ihr ausgeht, wäre ein Spiel mit dem Feuer, mit möglicherweise katastrophalen Folgen“, sagte Grossi.

Die ukrainische staatliche Nuklearbehörde Enerhoatom sagte, der Beschuss habe eine Stickstoffanlage und einen Hilfsteil des Kraftwerks beschädigt. „Es besteht weiterhin die Gefahr, dass Wasserstoff austritt und radioaktive Partikel sich ausbreiten, zudem ist die Brandgefahr hoch.“

Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass Teile der Stadt Enerhodar, in der das Kraftwerk steht, ausgefallen seien, die Strom- und Wasserversorgung – und gab der ukrainischen Armee die Schuld. Zudem musste ein Block des Kernkraftwerks teilweise stillgelegt werden. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Die ukrainische Seite hingegen sagte, die Russen hätten das Gebiet selbst beschossen.

Der britische Geheimdienst sieht eine neue Kriegsphase

Nach britischen Angaben tritt der Krieg derzeit in eine neue Phase ein. Das Verteidigungsministerium in London rechnet damit, dass sich die schwersten Kämpfe auf eine knapp 350 Kilometer lange Frontlinie verlagern werden, die sich südwestlich bei Saporischschja bis Cherson erstreckt und damit parallel zum Fluss Dnipro verläuft. In Erwartung der ukrainischen Gegenoffensive oder in Vorbereitung auf einen möglichen Angriff würden sich russische Streitkräfte mit ziemlicher Sicherheit in der Südukraine versammeln, schrieben die Briten. Lange russische Militärkonvois bewegten sich weiter südwestlich weg von der ukrainischen Donbass-Region.

Die Russen drängten die Ukrainer im Osten allmählich zurück

Seit der Eroberung des Gebiets Lugansk konzentrieren sich die russischen Angriffe in der Ostukraine auf das benachbarte Gebiet Donezk. In den vergangenen Wochen konnten die Eindringlinge die ukrainischen Verteidiger nach und nach zurückdrängen. Sie kontrollieren jetzt etwa 60 Prozent des Territoriums. Das Hauptquartier der ukrainischen Truppen im Donbass liegt im Ballungsraum Slowjansk-Kramatorsk, wo vor dem Krieg gut eine halbe Million Menschen lebten. Dieses Gebiet wird von Osten durch die Befestigungslinie Siwersk – Soledar – Bakhmut gesichert. Diese gerät nun an mehreren Stellen ins Wanken. Auch vor Siwersk und Soledar stehen russische Truppen.

Die schwersten Gefechte finden derzeit jedoch rund um den Verkehrsknotenpunkt Bachmut statt. Dort hat die ukrainische Armee nach eigenen Angaben den russischen Vormarsch zunächst abgewehrt. Russische Offensiven in Richtung der Städte Slowjansk, Bachmut und Avdiivka seien abgewehrt worden, teilte der ukrainische Generalstab in seinem Abendbericht mit.

Auch vor der ehemaligen Regionalhauptstadt Donezk, die seit 2014 in der Hand prorussischer Separatisten ist, gehen die Kämpfe weiter. Die moskautreuen Truppen versuchen, die Ukrainer weiter abzudrängen. In der Gegend um die Kleinstadt Avdiivka nördlich von Donezk habe es mehrere Anschlagsversuche gegeben, die abgewehrt worden seien, berichtete der Generalstab.

Laut Kiew befinden sich die Russen im Süden in der Defensive

Im Süden des Landes geht die Initiative jedoch an die Ukrainer über. Laut Lagebericht aus Kiew konzentrieren sich die dortigen russischen Truppen auf die Verteidigung ihrer Stellungen. Das Südkommando des ukrainischen Militärs hatte zuvor berichtet, dass es mindestens sechs russische Waffen- und Munitionsdepots und zwei Kommandoposten in der Region Cherson zerstört habe. Auch für diese Angaben gibt es keine unabhängige Bestätigung.

Der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, sagte, bei Luft- und Artillerieangriffen seien fast 600 ukrainische Soldaten getötet worden. Die 46. ukrainische Luftangriffsbrigade wurde in der Nähe des Dorfes Bilohirka in der Region Cherson getroffen. Ihm zufolge wurden mehr als 400 „Nationalisten“ getötet. Außerdem wurden dort mehr als 70 weitere Soldaten durch Raketenangriffe an der Front getötet und 150 verletzt. Mehr als 80 „ausländische Söldner“ starben bei Raketenangriffen in der Region Dnipropetrowsk.

Konashenkov berichtete auch über die Zerstörung mehrerer Artilleriesysteme in der Ukraine. Eine Batterie von Raketenwerfern „Olcha“ und Himars wurde zerstört. Himars sind präzise US-Mehrfachraketenwerfer mit großer Reichweite.

Separatistenführer mit Vergiftungssymptomen

Der Chef der von Russland eingesetzten Militärverwaltung in der besetzten südukrainischen Region Cherson, Wolodymyr Saldo, liegt mit Vergiftungssymptomen im künstlichen Koma auf einer Intensivstation in Moskau. „Heute wurde er in einem Spezialflugzeug im künstlichen Koma von der Krim nach Moskau geflogen“, berichtet der russische Telegram-Sender Baza. Sein Zustand gilt als kritisch, als mögliche Ursache wird eine Vergiftung genannt.

Ein weiteres Mitglied der Besatzungsverwaltung starb infolge eines Angriffs. Der stellvertretende Leiter der von den Russen eingerichteten Verwaltung in der Stadt Nova Kakhovka, Vitaly Gura, sei seinen Verletzungen erlegen, schreibt die pro-russische Politikerin Jekaterina Gubareva auf Telegram. Auch die russische staatliche Nachrichtenagentur Ria Novosti meldet Guras Tod. Demnach soll er früher am Tag in der Nähe seines Hauses von Unbekannten mit einer Schusswaffe angegriffen worden sein.

Ein weiteres Getreideschiff traf in Istanbul ein

Ein Schiff mit 33.000 Tonnen Mais aus der Ukraine ist zur Inspektion in Istanbul eingetroffen. Das teilte das türkische Verteidigungsministerium auf Twitter mit. Es ist der zweite Getreidefrachter, seit die Türkei ein internationales Abkommen über ukrainische Exporte über das Schwarze Meer vermittelt hat. Zwei weitere Schiffe werden in Kürze erwartet.

Weitere wichtige Texte zum Ukrainekrieg:

Alle weiteren Entwicklungen lesen Sie in unserem Live-Ticker zum Ukraine-Krieg.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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