Freitag, Juni 24, 2022
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Überblick über die Kriegsnacht Ukraine kritisiert Todesurteile von Separatisten – Selenskyj für engere Anbindung an die EU

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht die Lage seines Landes im Krieg gegen die russischen Aggressoren weiterhin als kompliziert an. Auf dem Schlachtfeld im Osten des Landes trotze die ukrainische Armee tapfer dem Feind, sagte er. Derweil stellte Kreml-Chef Wladimir Putin in Moskau den von ihm befohlenen bewaffneten Konflikt gegen die Ukraine auf eine Stufe mit dem Großen Nordischen Krieg unter Zar Peter I. – und sprach von einem Rückzugsfeldzug von russischem Boden aus. Russland hat die Ukraine am 24. Februar angegriffen. Für Kiew ist Freitag der 107. Tag des Krieges.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat der Ukraine zugesagt, dass im Bedarfsfall weitere schwere Waffen geliefert werden. Andererseits sei noch unklar, wann Deutschland die kürzlich versprochenen Waffen an die Ukraine liefern werde, klagte der Botschafter in Berlin, Andriy Melnyk. Kiew kritisierte derweil das Todesurteil des Obersten Gerichtshofs der separatistischen Volksrepublik Donezk gegen drei ausländische Kämpfer der ukrainischen Armee.

Nichts Neues im Osten

Die Lage an der Front sei „ohne nennenswerte Veränderungen“ gewesen, sagte Zelenskyj am Donnerstag in einer Videobotschaft. Die strategisch wichtige Stadt Sievarodonetsk und ihre Nachbarstadt Lysychansk sowie andere Städte im Donbass, die russische Angreifer derzeit als wichtige Ziele im Osten des Landes betrachten, könnten sich effektiv verteidigen. Er setzte sich für eine weitere Annäherung zwischen der EU und seinem Land ein. „Die meisten Europäer unterstützen die Integration der Ukraine.“

„Russen haben mehr Opfer als Ukrainer“

Ukrainischen Quellen zufolge erlitten russische Truppen im Kampf um Siewjerodonezk erhebliche Verluste. „Die Russen haben deutlich mehr Opfer als die Ukrainer“, sagte der Gouverneur von Lugansk, Serhij Hajdaj, auf Facebook. Das Verhältnis ist „eins zu zehn“. Er machte keine Angaben zu ukrainischen Verlusten. Die russische Armee hat die Überreste von Einheiten aus der Republik Burjatien im Fernen Osten Russlands abgezogen. „Sie sterben wie die Fliegen“, sagte Hajdaj. Die Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar.

Situation an der Front ist schwierig

Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsministers Oleksiy Reznikov ist die Lage an der Front schwierig. „Jeden Tag werden bis zu 100 unserer Soldaten getötet und bis zu 500 verwundet“, schrieb Reznikov auf Facebook. Russland erleidet große Verluste. „Aber in einigen Teilen der Front rücken immer noch Kräfte vor“, sagte er. Die Ukraine braucht dringend schwere Waffen. „Wir haben bewiesen, dass wir im Gegensatz zu vielen anderen den Kreml nicht fürchten. Aber als Land können wir es uns nicht leisten, unsere besten Söhne und Töchter zu verlieren.“ Präsidentenberater Mykhailo Podoliak sprach sogar von 100 bis 200 Toten pro Tag.

Frankreich sagt der Ukraine weitere schwere Waffen zu

Der französische Präsident Macron hat zugesagt, die Ukraine bei Bedarf mit mehr schweren Waffen zu versorgen. In einem Telefonat mit Selenskyj habe Macron betont, dass sein Land weiterhin auf der Seite der Ukraine stehe, teilte der Élysée-Palast mit. Macron fragte Selenskyj nach dem Bedarf an militärischer Ausrüstung, politischer und finanzieller Unterstützung sowie humanitärer Hilfe.

Der ukrainische Botschafter fordert von Deutschland mehr Klarheit

Die Ukraine hat von Deutschland noch keine Informationen erhalten, wann die von der Bundesregierung zuletzt zugesagten Waffen für den Abwehrkampf gegen Russland geliefert werden. Bislang sei unklar, wann die Mars-Mehrfachraketenwerfer aus Bundeswehrbeständen übergeben werden, sagte der Botschafter in Deutschland, Andriy Melnyk, dem „Tagesspiegel“. „Wir erwarten, dass die Ampel dieses Versprechen schnell einlöst, denn unsere Truppen brauchen dieses Waffensystem am dringendsten, um ukrainische Zivilisten vor barbarischen Angriffen Russlands zu schützen.“

Die Ukraine kritisiert Todesurteile gegen prorussische Separatisten

Die Ukraine hat einen Prozess gegen drei ausländische Kämpfer ihrer Streitkräfte scharf kritisiert. Der Oberste Gerichtshof der separatistischen Volksrepublik Donezk hatte zwei Briten und einen Marokkaner als Söldner zum Tode verurteilt. Der Sprecher des Außenministeriums, Oleh Nikolenko, sagte, dass Ausländer in der ukrainischen Armee reguläre Soldaten seien und als solche behandelt werden sollten. Sie hatten die Rechte von Kriegsgefangenen. Der Prozess stellte Propaganda über Recht und Moral. Die drei Männer können noch Berufung einlegen.

Kiew beendet die Städtepartnerschaft mit Minsk

Weil Weißrussland den russischen Angriffskrieg unterstützt, hat die ukrainische Hauptstadt Kiew die seit 1997 bestehende Städtepartnerschaft mit der weißrussischen Metropole Minsk beendet, wie Oberbürgermeister Vitali Klitschko mitteilte. Der ehemalige Boxweltmeister betonte, dass von Weißrussland aus Raketen in ukrainische Städte und Dörfer flogen, von dort seien auch russische Truppen einmarschiert.

Wie Zar Peter der Große will Putin russischen Boden „zurückerobern“.

Kremlchef Wladimir Putin hat den von ihm befohlenen Krieg gegen die Ukraine mit dem Großen Nordischen Krieg unter Russlands Zar Peter I. gleichgesetzt und von einem Rückholfeldzug auf russischem Boden gesprochen. Peter eroberte das Gebiet um die heutige Metropole St. Petersburg nicht von den Schweden, sondern eroberte es zurück. „Offenbar ist es auch unser Los: sie zurückzuholen und zu stärken“, sagte Putin laut der Agentur Interfax und zog dabei Parallelen zum Krieg gegen die Ukraine. Am 9. Juni war der 350. Geburtstag von Peter dem Großen, der sich als erster russischer Zar „Kaiser“ nannte.

Das bringt den Tag

Alle weiteren Entwicklungen lesen Sie in unserem Live-Ticker zum Ukraine-Krieg.

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