Dienstag, Dezember 7, 2021
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Überlastete Intensivstationen: Corona-Patienten werden verlegt

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Die Lage in den Kliniken verschärft sich vielerorts. Wegen der Überlastung auf den Intensivstationen wurden nun Corona-Patienten aus Thüringen nach Niedersachsen gebracht. Auch Sachsen und Bayern bereiten Umzüge vor.

Die ersten Intensivpatienten mit Covid-19 wurden nach dem sogenannten Kleeblatt-Konzept von Thüringen nach Niedersachsen verlegt. Ein Rettungshubschrauber sei mit einem Patienten aus Suhl in Südthüringen am frühen Abend im Siloah-Klinikum in Hannover gelandet, bestätigte Steffen Ellerhoff, Pressesprecher des Klinikums Region Hannover und Sprecher des Zentralklinikums Suhl der Nachrichtenagentur dpa.

Nach Beobachtungen eines dpa-Reporters wurde kurze Zeit später ein zweiter Patient in einem sogenannten Intensivfahrzeug aus Suhl in die Klinik gefahren. Bei beiden Patienten handelt es sich nach Angaben des Zentralkrankenhauses Suhl um beatmete Covid-19-Patienten.

Nach Angaben des Thüringer Intensivkoordinators Michael Bauer sollen am Freitag weitere Umzüge nach Niedersachsen folgen. Nach Hildesheim sollen unter anderem Patienten aus Eisenach und Bad Langensalza kommen. Auch ein Umzug von Saalfeld nach Hannover ist geplant. Nach Angaben einer Sprecherin des Gesundheitsministeriums sind derzeit acht Thüringer Patienten für eine Verlegung geplant.

Thüringen ist neben Bayern und Sachsen eines der am stärksten von der vierten Corona-Welle betroffenen Bundesländer. Ab heute bereiten sich die drei Länder auf die Verlegung von insgesamt 54 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen in derzeit weniger betroffenen Gebieten in Nord- und Westdeutschland vor. Die Patienten, die medizinisch für eine Verlegung in Frage kommen, sollen am Mittwoch ausgewählt worden sein. 30 davon kommen aus Bayern, 10 aus Thüringen und 14 aus Sachsen.

Wie die zuständige Arbeitsgruppe der Innenministerkonferenz mitteilte, haben sich Krankenhäuser in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland auf die Aufnahme von Patienten geeinigt.

Zuvor waren bei insgesamt rund 80 Erkrankten Anträge auf Umsiedlung nach dem sogenannten Kleeblattkonzept geprüft worden. Das 2020 aufgrund der Corona-Pandemie beschlossene Konzept sieht vor, dass die Verlagerung zunächst in fünf Regionen – West, Nord, Ost, Süd und Südwest – erfolgt. Sollten in einer dieser Regionen nicht genügend freie Plätze auf den Intensivstationen vorhanden sein, wird auch die Verlegung in andere Bereiche organisiert.

Mit dem Beginn der Verlegung war bereits gerechnet worden: „Die ersten Verlegungen dieser bisher größten Intensiv-Verlegungsaktion in Deutschland werden voraussichtlich heute nach dem Kontakt zwischen aufnehmender und aufnehmender Klinik erfolgen“, hieß es nach einer Sitzung des Lenkungsausschusses . In Sachsen stehen nach Angaben von Landesgesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) die ersten Patientenverlegungen an.

In Bayern befürchten die Kliniken mit Blick auf das Jahresende einen bisher beispiellosen Versorgungsnotstand. Die Verlegung von Patienten in andere Bundesländer werde nur kurzfristig Abhilfe schaffen, warnt Roland Engehausen, der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. „Alle Prognosen deuten darauf hin, dass die Patientenzahlen weiter steigen werden und wir in Bayern nicht über ausreichende Intensivkapazitäten verfügen“, sagte er der dpa. „Die aktuell noch verfügbaren Intensivkapazitäten im Norden werden uns nur für wenige Wochen helfen können, da auch dort die Auslastung steigt.“

Aktuell wird täglich eine zweistellige Zahl zusätzlicher Intensivpatienten in die Kliniken aufgenommen, allein am Mittwoch waren es über 40. „Wir müssen die Zahl der Neuinfizierten in Bayern reduzieren“, sagte Engehausen. „Sonst geraten wir zwischen Weihnachten und Neujahr in ein Drama, das es noch nie zuvor gegeben hat.“

In Köln hält die Luftwaffe zwei Flugzeuge für einen Hilfseinsatz zur Umsiedlung von Intensivpatienten bereit. Dazu gehören der Airbus A310 MedEvac, die fliegende Intensivstation, sowie eine umgebaute Spezialmaschine, das Überwachungsflugzeug A319OH. Ein Sprecher der Luftwaffe sagte, in diese seien am Vortag zwei Plätze für eine Intensivbehandlung eingebaut worden. Der Airbus A310 MedEvac verfügt über sechs Intensivpflegeplätze.

Nach dpa-Informationen bereitet die Bundeswehr den Start der Verlegungsflüge am Freitag vor. Demnach liegen Pläne auf dem Tisch, die einen Transport vom bayerischen Flughafen Memmingen nach Nordrhein-Westfalen vorsehen. Eine Landung auf dem Flughafen Münster-Osnabrück ist geplant.

Aufgrund der sich zuspitzenden Corona-Situation in weiten Teilen Deutschlands sollen nach dem Willen der Gesundheitsminister von Bund und Ländern geplante Operationen bundesweit verschoben werden. In vielen Bundesländern ist dies bereits der Fall.

Der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek, berichtete nach einer Wechselkonferenz, die Länder hätten sich darauf geeinigt. Es braucht auch Flatrates für die Kliniken, wenn sie Intensivbetten und Klinikpersonal für Covid-19-Patienten freihalten.

„Uns allen ist ganz klar, dass es sehr, sehr ernst ist“, sagte Holetschek der Nachrichtenagentur (dpa). Es gebe große Solidarität zwischen allen Bundesländern, betonte der CSU-Politiker. Holetschek bedankte sich bei den Ländern, die nun Patienten aus anderen Landesteilen aufnehmen.



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