Samstag, Mai 21, 2022
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Überqueren Sie den Fluss Wie funktioniert eine militärische Pontonbrücke?

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Zerstörte Brücken zwingen Militäreinheiten, andere Routen zu benutzen, um Flüsse zu überqueren. Eine Möglichkeit sind brückenlegende Panzer, eine andere Pontonbrücken, wie sie das wütende russische Armeebataillon am Donez benutzt. Sie haben einen Vorteil.

Eine der wohl ältesten Kriegsregeln lautet: Brücken, die dem Feind helfen könnten, einen Fluss zu überqueren, um sein Ziel schneller zu erreichen, sollten zerstört werden. Das dachte sich wahrscheinlich das ukrainische Militär, als es sagte, es habe ein russisches Panzerbataillon im Donbass angegriffen, das versuchte, den Fluss Siwersky Donez zu überqueren. Bilder der Zerstörung gingen um die Welt.

Normalerweise sind Hindernisse wie Flüsse dank der verfügbaren Militärtechnologie kein Problem. Die russische Armee könnte zu diesem Zweck Brückenlegepanzer vom Typ MTU-72 oder MTU-90 einsetzen. Beide Fahrzeuge sind mit ausklappbaren Schnellbrücken ausgestattet, die auf den Unterbau eines T-72 oder T-90 aufgesetzt werden. Die Brücke ist in zwei Minuten errichtet, hat eine Tragfähigkeit von 50 Tonnen und kann je nach Unterkonstruktion 20 bis 24 Meter breite Flussabschnitte überqueren. Was aber, wenn der Fluss bis zu 80 Meter breit ist, wie im Fall des Donez? Hier ist eine andere Technik gefragt: die der Pontonbrücke oder, wie die Bundeswehr es nennt, einer sogenannten Schwimmklappbrücke.

Tatsächlich können damit Hindernisse mit einer Breite von bis zu 100 Metern überwunden werden. Allerdings dauert der Aufbau je nach Stromstärke und Bankstandort mindestens 45 Minuten. Zeit, in der wartende Technologie zum Ziel von Artillerie werden kann, wie es den russischen Truppen am Donez passiert ist. Doch wie funktioniert eine Pontonbrücke und wie wird sie konstruiert?

Tatsächlich entwickelte die Sowjetarmee in den 1960er Jahren ein völlig neues Konzept der sogenannten Pioneer Bridge, des „Ponton Park PMP“. Das faltbare Brückensegment besteht aus mehreren Stahlzellen, die bereits vormontiert und per LKW direkt zum Einsatzort transportiert werden. Um die einzelnen Segmente zu verbinden und den Fluss als Brücke zu überspannen, werden sie mit Motorbooten zusammengebracht und von Hand verankert.

Dies geschieht mit Stahlseilen über sogenannte Klampen, Ankervorrichtungen wie sie auf Booten und Schiffen zum Festmachen an Landungsbrücken verwendet werden. Da die Spannung der Stahlseile hoch sein muss, werden die Brückensegmente mit Winden zusammengezogen und anschließend verriegelt. Damit soll verhindert werden, dass Teile der Brücke an den Fugen aufstehen und durch den Fließdruck des Wassers buchstäblich einstürzen.

Die beidseitigen Rampenabschnitte werden erst dann präpariert, wenn die Brückenteile von der Flussmitte aus so weit verbunden sind, dass sie nahe an das Ufer heranreichen. Sie werden mit Heringen und Flaschenzügen an Land verankert, damit die fehlenden Brückenteile eingeschwommen und gekuppelt werden können. Um die Brücke möglichst gerade auszurichten, werden Stahlseile über den Flaschenzug in die gewünschte Richtung gespannt. Solange dieser Vorgang nicht abgeschlossen ist, müssen andere Motorboote dafür sorgen, dass die einzelnen Brückenteile nicht von der Strömung mitgerissen werden.

Tatsächlich wurde diese Methode für eine militärische Pontonbrücke von vielen Armeen übernommen. Der Grund dafür war, dass israelische Streitkräfte während des Sechs-Tage-Krieges 1967 Teile der von der ägyptischen Armee aus der Sowjetunion übernommenen Technologie erbeuteten. Israel übergab die Pontons zu Studienzwecken an die USA. Auf dieser Basis konstruierte die US Army das „Ribbon Bridge System“, das 1973 an die US Army ausgegeben wurde. Es ist jedoch wesentlich einfacher zu handhaben und verwendet leichtes Aluminium.

Natürlich profitierte auch die Bundeswehr von dem neuen Brückensystem. Bei den Eisenwerken Kaiserslautern (EWK) begann 1978 die Lizenzfertigung und die Einführung in die Truppe. Seit dem Jahr 2000 wurde das Brückensystem durch das verbesserte „FSB II“ ersetzt. Die vielleicht wichtigste Änderung ist, dass die Brückenteile jetzt mit jeweils zwei Scharnieren gekoppelt sind. Das vereinfacht den Anschluss und verkürzt natürlich die Aufbauzeit erheblich.

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