Mittwoch, Januar 19, 2022
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"Überrascht immer" Wissenschaftler trägt bei "Markus Lanz" düstere Prognose

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Angesichts der nahezu ungebremsten Verbreitung der Omicron-Variante könnten wichtige Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zum Erliegen kommen. Modellbauer Dirk Brockmann erklärte, warum Impfungen trotz des geringen Infektionsschutzes wichtig sind.

Omicron, Impfpflicht, Rentenpolitik. Markus Lanz konfrontierte seine Talkgäste am Donnerstag mit drängenden Fragen und wurde mit starken Diskussionsbeiträgen belohnt. Der von Lanz als „einer der besten Modellierer des Landes“ präsentierte Physiker Dirk Brockmann hielt 6 Millionen Infektionen mit der omicron-Variante in Deutschland innerhalb von nur zehn Tagen für möglich. In diesem Fall könnten die Folgen für die kritische Infrastruktur gravierend sein.

Die Gäste:

Vor diesem Hintergrund betonte Brockmann immer wieder die Bedeutung der Corona-Impfung. Das sei „absolut kritisch und wichtig“. Eine Aussage, die der ursprünglichen Aussage des Wissenschaftlers, wonach die Impfung „praktisch keinen Schutz vor einer Ansteckung“ bot, nur scheinbar zu widersprechen schien. Um Missverständnisse zu vermeiden, wurde der Experte für die Dynamik komplexer Systeme nicht müde zu betonen, dass zwischen dem Schutz vor einer Infektion und dem Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf unterschieden werden muss.

„Während die Impfung inklusive der Auffrischungsimpfung zum Schutz vor schweren Erkrankungen extrem wichtig ist, ist es bei der omicron-Variante nun so, dass der Schutz vor der Ansteckung, also bei zweimaliger Impfung, praktisch schon nach kurzer Zeit nicht mehr gegeben ist nach der zweiten Impfung und klingt auch nach der Auffrischimpfung sehr schnell wieder ab“, sagt Brockmann. Das Ergebnis: Die Infektionsdynamik bei Omikron ist nahezu ungebremst, aber die Zahl der Krankenhauseinweisungen ist im Verhältnis zur Inzidenz deutlich geringer.

Der Professor an der Berliner Humboldt-Universität riet davon ab, der unglaublich schnellen Ausbreitung tatenlos zuzusehen. „Es ist klug, diese Omicron-Welle so weit wie möglich im Zaum zu halten“, erklärte Brockmann mit Blick auf den möglichen Verlust von Millionen Arbeitern und riet, über die Dauer der Quarantäne nachzudenken und sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten. „Ein wesentlicher Punkt dieser Pandemie ist, dass es immer wieder Überraschungen gab“, lautete sein Fazit.

SPD-Politiker Ralf Stegner musste selbstkritisch einräumen, dass Politiker diesen Punkt in der jüngeren Vergangenheit nicht immer ausreichend beachtet haben. Es sei ein Fehler gewesen, die Impfpflicht abzulehnen, räumte der Sozialdemokrat ein, der sich im vergangenen Sommer dagegen ausgesprochen hatte und nun nach eigenen Angaben „entschlossener Befürworter“ ist.

Stegner warnte zudem vor einem Versorgungseinbruch in den Bereichen Sicherheit, Gesundheit, Finanzen, Energie und Verkehr infolge unzähliger Infektionen mit der Omicron-Variante. „Wir hätten nicht nur innerhalb kürzester Zeit Chaos, sondern eine Massenpanik“, gab der SPD-Mann zu bedenken und versprach eine Abstimmung über die Impfpflicht noch im laufenden Quartal, also bis Ende März.

Zugleich verteidigte Stegner die umstrittene Regierungslinie, den Bundestag in freier Abstimmung und nach erneuter Debatte über die Pläne der Parteien zur Impfpflicht entscheiden zu lassen, statt ein eigenes Projekt vorzustellen und mit dem – wenn auch keineswegs sicheren – durchzusetzen – Koalitionsmehrheit.

Die Leiterin des Berliner Parlamentsbüros der „Rheinischen Post“, Kerstin Münstermann, sprach von „der vielleicht größten Abstimmung seit langem“. In dem zögerlichen Verhalten der Regierung erkannte sie vor allem „Angst vor dem eigenen Mut“. Zudem gibt es in der FDP deutlichen Widerstand gegen eine Impfpflicht.

Angesichts des Aufschiebens und Aufschiebens sah Monika Schnitzer sogar Parallelen zum anderen großen Thema des Abends, der Rentenpolitik. Der Ökonom stellte Deutschland bei der Alterssicherung vor die Wahl zwischen einer grundlegenden Rentenreform oder einer Nettozuwanderung von 400.000 Menschen pro Jahr. Angesichts der relativ hohen Abwanderungsrate wären das 1,5 Millionen Menschen, die jedes Jahr nach Deutschland ziehen müssten.

„Wir müssen wirklich weltweit schauen“, forderte Schnitzer, der allerdings nicht an die Möglichkeit einer so hohen Zuwanderung zu glauben schien und deshalb auf die Wichtigkeit der anderen Parameter verwies. So schlug der Professor der Ludwig-Maximilians-Universität München vor, die Renten weniger anzuheben, eine Umverteilung zugunsten von Menschen mit geringeren Renten auszugleichen und einen Teil der Rentenbeiträge an den Aktienmärkten anzulegen.

Münstermann, der die Lage ebenfalls „ziemlich pessimistisch“ einschätzte und junge Menschen als „absolute Verlierer“ der Rentenpolitik bezeichnete, brachte die zusätzliche Möglichkeit einer Erhöhung der Rentenbeiträge zur Sprache. So düstere Aussichten für die gesetzliche Rente, und das ausgerechnet kurz nachdem Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) für dieses Jahr „eine kräftige Rentenerhöhung“ in Aussicht gestellt und sich gegen Versuche gewehrt hatte, „die gesetzliche Rente auseinanderzudiskutieren“.

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