Freitag, Juni 24, 2022
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Übertragung wohl unterschätzt Zahl der Affenpockenfälle steigt auf fast 5000

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Weltweit gibt es immer mehr Hinweise auf Affenpocken. Europa ist am stärksten betroffen. „Die Übertragung von Mensch zu Mensch wird wahrscheinlich unterschätzt“, sagt WHO-Chef Ghebreyesus. Experten beraten nun in einem Notfallkomitee in Genf.

In diesem Jahr wurden weltweit fast 5.000 Fälle von Affenpocken bei Menschen gemeldet. In mehr als 40 Ländern außerhalb Afrikas, in denen Affenpocken bis Mai praktisch unbekannt waren, gab es nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC vom Mittwoch 3.308 Fälle. Laut Statistik der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es zudem rund 1.600 Verdachts- oder bestätigte Fälle in acht afrikanischen Ländern, von denen viele solche Ausbrüche seit Jahren kennen.

Der von der WHO einberufene Dringlichkeitsausschuss zu Affenpocken hat am Donnerstag seine Beratungen in Genf aufgenommen. Die darin vertretenen Experten sollen beurteilen, ob es sich um einen „Notfall von internationaler Bedeutung“ handelt, die höchste Alarmstufe, die die WHO verhängen kann. Die WHO folgt in der Regel der Empfehlung der Experten. Dies hätte keine praktischen Konsequenzen, sollte aber alle Länder aufwecken, nach Fällen Ausschau zu halten und eigene Vorkehrungen zur Eindämmung der Ausbreitung zu treffen.

„Die Übertragung von Mensch zu Mensch ist im Gange und wird wahrscheinlich unterschätzt“, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus den Ausschussmitgliedern. Die meisten gemeldeten Fälle betreffen Männer, die Sex mit Männern haben. In Nigeria ist der Anteil betroffener Frauen höher als anderswo. Auch in Afrika wurden gut 70 Todesfälle gemeldet. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Schwangeren und Kleinkindern besteht im Falle einer Infektion die Gefahr eines schweren Krankheitsverlaufs. „Es ist wichtig, dass die Länder wachsam bleiben und ihre Kapazitäten stärken, um eine Ausbreitung zu verhindern“, sagte Tedros.

Das Ergebnis der Beratungen wird laut WHO frühestens am Freitag erwartet. Je nach Beschluss der WHO tagt das Gremium in losen Abständen über mehrere Wochen oder Monate. Vorsitzender ist Jean-Marie Okwo-Bele aus der Demokratischen Republik Kongo. Unter anderem sind Spezialisten aus Japan, Brasilien, Thailand, der Schweiz, Russland, Marokko und Nigeria vertreten.

Die meisten Fälle außerhalb Afrikas wurden in 29 Ländern der Europäischen Region der WHO gemeldet: insgesamt 2746, wie die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und das Regionalbüro für Europa der Weltgesundheitsorganisation WHO in einer gemeinsamen Analyse meldeten. Wie aus den Daten hervorgeht, sind fast alle bestätigten Fälle männlich. Rund 44 Prozent der Betroffenen waren zwischen 31 und 40 Jahre alt. Todesfälle wurden noch nicht gemeldet.

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