Samstag, Mai 21, 2022
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Ukraine: Russische Truppen ziehen aus Charkiw ab

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Wochenlang wurde Charkiw vom russischen Militär bombardiert. Die Truppen ziehen sich jetzt zurück, berichtet die Ukraine. In Donezk und Luhansk hingegen wird weiter heftig gekämpft. Die Verletzten im Asowschen Stahlwerk hoffen auf Rettung.

Die Ukraine plant, in naher Zukunft 60 Menschen aus dem Asowschen Stahlwerk zu evakuieren – 22 mehr als am Freitag angekündigt. Die stellvertretende ukrainische Ministerpräsidentin Irina Wereschtschuk sagte den ukrainischen Medien, es gehe um Schwerverletzte und Ärzte. Also 60 von wahrscheinlich 600 Verwundeten.

Die Verhandlungen über die Evakuierung von Azovstal scheinen schleppend voranzukommen. Für die Kämpfer, darunter auch einige des umstrittenen Asow-Regiments, gab es bisher keine Lösung. Trotz des Beschusses leisten sie Widerstand und geben nicht auf. Aber die russische Seite fordert dies weiterhin.

Militäranalyst Oleg Zhdanov sagt: „Für Putin ist das eine Grundsatzfrage, wie ich es verstehe. Gerade das Asowsche Bataillon hat 2014 verhindert, dass russische Truppen Mariupol einnehmen. Die Stadt blieb unter ukrainischer Flagge. Und anscheinend versucht er es jetzt, um sich an dem Bataillon zu rächen. Es ist zwar bei weitem nicht dasselbe Bataillon, sondern ein Regiment der Nationalgarde, eine reguläre Militäreinheit.“

Einigen Asow-Vertretern werden nationalistische Tendenzen nachgesagt. Russland sieht sie daher als seinen erklärten Feind in diesem Krieg.

Die eingekreisten Kämpfer fordern ein Extraktionsverfahren, ein Aussteigen durch Dritte. Die Soldaten haben sich bereits an Griechenland und die Türkei gewandt, Papst Franziskus und den US-Unternehmer Elon Musk um Hilfe gebeten. Auch die Bemühungen der ukrainischen Regierung blieben erfolglos.

Gute Nachrichten gibt es dagegen aus dem Nordosten des Landes. In der betroffenen Region Charkiw drängen die ukrainischen Truppen ihre Gegner offenbar in Richtung der russischen Grenze.

Allerdings scheint auch Russland die Einheiten dort abzuziehen – möglicherweise, um sie in den Donbass zu verlegen. Die Stadt Charkiw ist inzwischen wohl außer Reichweite der russischen Artillerie. Ein Aufatmen bei der Zivilbevölkerung ist in Sicht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach stolz von der Befreiung einer Reihe von Siedlungen – überall in den besetzten Gebieten, derzeit vor allem um Charkiw.

„Bis heute sind bereits 1.015 Städte befreit worden“, sagt Zelenskyj. „Allein am vergangenen Tag sechs. Wir bringen Strom und Wasser dorthin zurück, die Telekommunikation wird wiederhergestellt. Öffentliche Verkehrsmittel und soziale Dienste werden wieder verfügbar sein.“

Die angeblichen Erfolge lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Die ukrainische Darstellung deckt sich jedoch mit den Erkenntnissen des Institute for the Study of War, das aktuelle Kriegsereignisse analysiert.

Im Gegensatz dazu wird die russische Offensive in den Gebieten Donezk und Luhansk fortgesetzt. Der ukrainische Generalstab meldete Beschuss entlang der gesamten Frontlinie.

Viktor Andrusiv, Berater des ukrainischen Innenministers, sagt zur Strategie der russischen Truppen: „Derzeit läuft die dritte Phase des Krieges. In der ersten Phase haben sie versucht, uns innerhalb weniger Tage zu erobern. In der zweiten wollten sie unsere Truppen im Osten umzingeln sie, bereiten sich nun in der dritten Phase auf die Verteidigung der erreichten Stellungen vor, zeigen, dass sie einen langen Krieg anstreben und rechnen mit den daraus resultierenden Krisen der Westen den Verhandlungstisch bringt. Und dass der Westen uns gegen etwas eintauschen wird.“

Eine Krise zeichnet sich bereits ab – die Nahrungsmittelkrise. Lieferungen sind nicht möglich, weil russische Schiffe ukrainische Häfen blockieren. Beim G7-Außenministertreffen sprach Annalena Baerbock von einem „Food War“.

Niemand wisse, wie lange der Krieg insgesamt dauern werde, sagte Selenskyj. Es wird jedoch alles getan, um sie zu verkürzen und wir sind weiterhin auf die Hilfe der freien Welt angewiesen.

Das Pentagon warnte: In den USA muss das Landpachtprogramm bis zum 19. Mai durch den Senat gehen, sonst könne es zu Unterbrechungen bei Waffenlieferungen kommen.

Mit westlichen Haubitzen, Panzern und Raketensystemen will die Ukraine die von Russland besetzten Gebiete vollständig zurückerobern, daran lässt Selenskyj keinen Zweifel. Der Aufklärungsdienst des ukrainischen Verteidigungsministeriums will die Befreiung bis Ende des Jahres berechnen.



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