Mittwoch, Mai 18, 2022
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Ukrainische Agrarlager blockierten Putins Ziele für Getreiderekorde und mehr Exporte

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Russland und die Ukraine gehören zu den Top 10 der Getreideproduzenten weltweit. Mit seinem Angriffskrieg hat Russland die Agrarnation Ukraine in eine schlimme Lage gebracht – mit Millionen Tonnen Getreide, die in Lagern stecken – während Putin eine Rekordproduktion ankündigt.

Russlands Angriffskrieg in der Ukraine hat die beiden Länder, die seit Jahren zu den größten Getreideproduzenten der Welt gehören, in unterschiedliche Situationen bei der Produktion und dem Verkauf der Lebensmittel und Rohstoffe gebracht – und Putins Russland offenbar in eine deutlich bessere Position. Nach Angaben des russischen Präsidenten wird sein Land seine Weizenexporte in diesem Jahr trotz westlicher Sanktionen wegen einer geplanten Rekordernte steigern. „Das könnte ein neuer Rekord in der russischen Geschichte werden“, sagte Wladimir Putin bei einem Treffen hochrangiger Wirtschaftsvertreter in Moskau mit Blick auf die Erntesaison.

Demnach wird für das laufende Jahr eine Getreideernte von 130 Millionen Tonnen erwartet, davon 87 Millionen Tonnen Weizen. Russland hat im Jahr 2020 eine Rekordernte von 133,5 Millionen Tonnen Getreide geerntet, darunter 85,9 Millionen Tonnen Weizen. Im vergangenen Jahr war die Ernte jedoch kleiner. Putin gab keine genaue Schätzung der Exporte ab. Russland ist einer der weltweit größten Getreideproduzenten und -exporteure. Trotz Logistik- und Zahlungsschwierigkeiten, die durch westliche Sanktionen nach dem Einmarsch in die Ukraine verursacht wurden, exportiert es weiter.

Anders die Situation in der Ukraine: Millionen Tonnen Getreide drohen laut EU-Kommission die Agrarlager in der Ukraine zu blockieren und damit die internationale Lebensmittelversorgung zu erschweren. „20 Millionen Tonnen Getreide müssen die Ukraine in weniger als drei Monaten verlassen“, sagte EU-Verkehrskommissarin Adina Valean. Das Getreide droht die Lagerstätten zu besetzen, die für die nächsten Ernten benötigt würden. Deshalb hat die Kommission jetzt einen Aktionsplan veröffentlicht, wie Exporte auf dem Landweg verkauft werden können. Dabei spielen auch sogenannte Solidaritätsspuren eine Rolle. Eine der Herausforderungen im Schienenverkehr besteht darin, dass ukrainische Waggons nicht mit dem Großteil des EU-Schienennetzes kompatibel sind.

Lebensmittelexporte aus der Ukraine seien vorrangig zu behandeln und auch die EU-Staaten seien aufgefordert, Zoll und andere Stellen mit ausreichend Personal auszustatten und „ein Höchstmaß an Flexibilität zu üben“. Aber reicht das?

Vor Kriegsbeginn war die Ukraine einer der größten Getreideproduzenten der Welt. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sind nun jedoch Seewege und Häfen gesperrt. Nach Angaben der Europäischen Kommission werden unter normalen Umständen 90 Prozent der Getreide- und Ölsaatenexporte der Ukraine – darunter Sonnenblumen und Raps – über die Schwarzmeerhäfen des Landes verschifft. Auf ukrainischer Seite warten den Angaben zufolge derzeit Tausende Lkw und Waggons auf die Abfertigung. Die durchschnittliche Wartezeit beträgt 16 Tage, an manchen Grenzen bis zu 30 Tage.

Viele Länder, vor allem ärmere, sind dringend auf Billigweizen aus der Ukraine angewiesen. Der Krieg im Land hat sich hier in Deutschland zumindest preislich bereits stark ausgewirkt. Wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte, haben die Produzenten landwirtschaftlicher Produkte im ersten Monat nach Kriegsbeginn in der Ukraine ihre Preise in Rekordtempo angehoben. Sie stiegen im März um durchschnittlich 34,7 Prozent.

Pflanzliche Produkte verteuerten sich mit 42,1 Prozent besonders stark, tierische Produkte mit 29,5 Prozent etwas weniger. Der Rekordpreisanstieg ist unter anderem auf die seit Juli 2020 explodierenden Getreidepreise zurückzuführen: Im März lagen sie um 70,2 Prozent höher als im Vorjahresmonat. „Ausschlaggebend für den enormen Preisanstieg beim Getreide ist die Angebotsverknappung durch den Krieg in der Ukraine“, erklärten die Statistiker. „Dadurch hat sich die ohnehin angespannte Lage auf dem Weltmarkt mit hoher Nachfrage aus dem In- und Ausland noch einmal deutlich verschärft.“

Höhere Exporte aus dem stärker exportierenden Russland könnten nun dazu beitragen, die steigende globale Nachfrage zumindest teilweise zu decken – insbesondere wenn die ukrainischen Exporte niedrig bleiben und die Ukraine wahrscheinlich keinen Zugang zu ihren Häfen am Schwarzen Meer wiedererlangen wird, betonte das Agrarberatungsunternehmen Sovecon. Also zum wirtschaftlichen Leid der Ukraine.

Bisher ist es den russischen Exporteuren weitgehend gelungen, die durch westliche Sanktionen verursachten Logistik- und Zahlungsprobleme zu lösen. So wird Weizen von der russischen Seite des Schwarzen Meeres und sporadisch aus dem Asowschen Meer verschifft.

Der russische Präsident hat nun angekündigt, bei entsprechender Ernte die Exporte wieder anzukurbeln. Der Rekord „ermöglicht es uns, nicht nur unseren eigenen Bedarf problemlos zu decken, sondern auch die Lieferungen auf den Weltmarkt für unsere Partner zu erhöhen, was für den globalen Lebensmittelmarkt wichtig ist“, sagte er.

Laut einem UN-Bericht gefährdet der Krieg gegen die Ukraine die Ernährungssicherheit vieler armer Länder. Staaten wie Afghanistan, Äthiopien, Haiti, Somalia, Südsudan, Syrien und Jemen sind besonders betroffen, heißt es im jüngsten Bericht des von den Vereinten Nationen und der EU gegründeten Global Network Against Food Crises. Somalia bezog im vergangenen Jahr über 90 Prozent seines Weizens aus Russland und der Ukraine, die Demokratische Republik Kongo 80 Prozent und Madagaskar 70 Prozent.

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