Freitag, Oktober 7, 2022
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Ungarn will Abtreibungsgesetz neu einführen

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Ab Donnerstag gilt für Abtreibungen in Ungarn eine neue Regel: Laut ungarischen Medien sollen Frauen vor der Abtreibung offenbar den Herzschlag ihres Embryos abhören. Laut Frauenrechtsorganisationen erhöht dies den Druck auf ungewollte Schwangere.

Ungarns rechte Regierung hat per Dekret die vergleichsweise liberalen Abtreibungsregeln des Landes verschärft. Diese verpflichtet Ärzte dazu, Frauen, die sich mit der Bitte um einen Schwangerschaftsabbruch an sie wenden, die Vitalzeichen des Fötus zu präsentieren. Das geht aus einer Verordnung von Innenminister Sandor Pinter hervor, die am Dienstagabend im Ungarischen Amtsblatt veröffentlicht wurde.

Demnach muss eine Frau, wenn sie einen Schwangerschaftsabbruch beantragt, ein fachärztliches Attest vorlegen, aus dem hervorgeht, dass „ihr die Umstände, die auf das Vorhandensein der lebenswichtigen Funktionen des Embryos hinweisen, in eindeutiger Weise zur Kenntnis gebracht wurden“.

Die auch auf Ungarisch umständlich klingende Gesetzesformulierung sieht Medienberichten zufolge vor, dass Frauen vor einer Abtreibung den Herzschlag ihres Embryos abhören müssen. Das Innenministerium teilte am Montag mit, dass „fast zwei Drittel der Ungarn den Beginn eines kindlichen Lebens mit dem ersten Herzschlag verbinden“. Moderne Geräte könnten Herzschläge schon früh in der Schwangerschaft erkennen und so „umfassendere Informationen für Schwangere“ liefern.

Laut Frauenrechtsorganisationen erhöht dies den Druck auf Frauen, die sich aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft ohnehin in einer äußerst schwierigen Situation befinden.

Ministerpräsident Viktor Orban, der seit 2010 an der Macht ist, präsentiert sich gern als Verfechter christlicher Werte und des Ideals der traditionellen Familie. Gleichzeitig ist er sich bewusst, dass ein fast flächendeckendes Abtreibungsverbot – wie im rechtsnationalistisch regierten Polen – in seinem Land äußerst unbeliebt wäre.

Die Idee, das Hören des embryonalen Herzschlags zur Bedingung für eine Abtreibung zu machen, geht auf die rechtsextreme Partei Mi Hazank (Our Home) zurück. Die Fraktion zog erstmals nach der Wahl im vergangenen April ins Parlament ein. Obwohl sie der Opposition angehört, erhält sie in den regierungsnahen Medien immer wieder Zuspruch und Unterstützung.

Die Verordnung tritt am Donnerstag in Kraft. In Ungarn gibt es eine Frist für Abtreibungen. Frauen können sich bis zur zwölften Woche auf eine persönliche Krisensituation berufen. Ähnlich wie in Deutschland besteht auch hier eine Beratungspflicht.



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Abgel T
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Ich arbeite seit ca. 3 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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