Mittwoch, November 30, 2022
StartNACHRICHTENUnklare Lage in Kliniken Die Corona-Herbstwelle zieht langsam an

Unklare Lage in Kliniken Die Corona-Herbstwelle zieht langsam an

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Die Herbstwelle ist da, aber die Situation bleibt schwer einzuschätzen. Die Dunkelziffer der Neuinfektionen dürfte hoch sein. Auch das Bild in den Kliniken scheint zwiespältig. Modellbauer sehen jedoch Hinweise auf einen überschaubaren Winter – für Überraschungen ist das Virus aber dennoch gut.

Im dritten Jahr der Pandemie tritt die Herbstwelle mit erschreckender Zuverlässigkeit auf. Die Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 nehmen seit einem Monat zu und zuletzt mit deutlich mehr Schwung. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz stieg in der vergangenen Woche um fast ein Viertel und nähert sich nun der 600er-Marke. Zuletzt war er Ende Juli höher. Das wahre Ausmaß soll es aber nicht widerspiegeln: Experten gehen seit langem davon aus, dass die Dunkelziffer immens ist.

Die bekannten Zahlen sind bereits erschreckend hoch: Der Sieben-Tage-Durchschnitt liegt bei rund 73.000 neuen Corona-Fällen pro Tag. Trotzdem wird das jetzt von der Öffentlichkeit gelassen aufgenommen, schließlich ist die Corona-Müdigkeit groß. Zudem sind drei Viertel der Bevölkerung geimpft und die vorherrschende Omicron-Variante gilt als milder.

Während davon ausgegangen wird, dass Neuinfektionen zu wenig gemeldet werden, galten die Zahlen aus den Kliniken als verlässlicher für die Einschätzung der Corona-Lage. Aber das ist nicht mehr der Fall. Laut DIVI-Intensivregister ist ein starker Anstieg der Intensivfälle mit Covid-19 um rund 50 Prozent im Vergleich zur Vorwoche zu verzeichnen. Allerdings sei die Interpretation der Daten schwierig, schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Wochenbericht. In die Statistik würden auch Fälle aufgenommen, „die wegen einer anderen Erkrankung ins Krankenhaus kommen oder eine intensivmedizinische Behandlung benötigen und bei denen die Sars-CoV-2-Diagnose nicht im Mittelpunkt der Erkrankung oder Behandlung steht“.

Die Zunahme an Krankenhäusern ist unter anderem in Bayern zu beobachten: Die Zahl der mit oder wegen Corona aufgenommenen Patienten innerhalb einer Woche stieg nach Zahlen des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auf ein Allzeithoch von 1849. München meldete auf Normal-, Intensiv- und Übergangsstationen 47 Prozent mehr Corona-Patienten als noch vor einer Woche. Aber auch dort sehen mehrere Krankenhäuser die Patienten, die mit und nicht wegen Corona kommen, in der Mehrzahl.

Das Problem, dass die Daten zur Zahl der Intensivpatienten keine Unterscheidung zwischen Patienten zulassen, die wegen Covid-19 behandelt werden oder nur mit Sars-CoV-2-Nachweis, ist seit langem bekannt. Seit Monaten werden Verbesserungen angekündigt. Kliniken argumentierten aber auch, dass der Aufwand für die Isolierung bei allen positiv getesteten Patienten gleich sei.

Einige Kliniken in Bayern haben bereits von einer angespannten Lage gesprochen, auch wegen vieler Mitarbeiter, die selbst an Covid-19 erkrankt sind. Es gebe Einschränkungen im planbaren Betrieb und in Einzelfällen Stationsschließungen, teilten die Kliniken der Ludwig-Maximilians-Universität mit. Auch die Helios Kliniken Oberbayern melden mehr infizierte Mitarbeiter. Bundesweit stieg die Zahl der Intensivstationen, die einen eingeschränkten Betrieb meldeten, zuletzt auf rund 38 Prozent. Zum Vergleich: Ende 2021 waren mehr als die Hälfte der Intensivstationen am Limit.

Die vergleichsweise hohen Fallzahlen vor allem in Bayern gehen nach Expertenschätzungen auch auf das Anfang der Woche zu Ende gegangene Oktoberfest zurück. Auffällig beim Vergleich der Sieben-Tage-Inzidenzen ist eine gewisse Konzentration um München: Sowohl die Stadt als auch drei der vier direkt angrenzenden Landkreise liegen mittlerweile über 1000, der Landkreis München nur noch relativ knapp darunter. Insgesamt meldete das RKI für neun bayerische Landkreise und die Landeshauptstadt München Werte über 1000.

Bisher lässt sich der Aufwärtstrend bei Neuinfektionen und Krankenhausaufenthalten nicht an der Zahl der Corona-Toten ablesen – diese folgen erfahrungsgemäß nur im Abstand von drei Wochen auf Infektionswellen. Zuletzt wurden im Sieben-Tage-Durchschnitt 65 Corona-Tote pro Tag verzeichnet. In der dunkelsten Zeit der Pandemie im Januar 2021 lag dieser Wert mehr als zehnmal höher.

Aber was passiert als nächstes? Das dürfte auch davon abhängen, ob sich neue Varianten des Coronavirus durchsetzen können. Mögliche Kandidaten sind Unterlinien der omicron-Variante wie BA.2.75.2 oder BQ.1.1. In Deutschland hingegen dominierte laut RKI zumindest bis letzte Woche die omicron-Sublinie BA.5 das Geschehen. Seit Wochen liegen ihre Anteile bei 95 bis 97 Prozent. Laut RKI ist seit Juni weltweit eine zunehmende Ausbreitung in der Unterlinie BA.2.75 und ihren Nachkommen zu beobachten. Allerdings liegt der Anteil in der Stichprobe für Deutschland immer noch unter einem Prozent.

Sollten weiterhin keine neuen, problematischen Varianten auftauchen, dürfte der Winter wenig unangenehme Überraschungen bereithalten – so lautet zumindest das Fazit einer Studie von Forschern des deutschen „Modellbau-Netzwerks“. In diesem Fall „wird die Inzidenz der aktuellen Herbst-/Winterwelle wahrscheinlich ähnlich hoch sein wie die der ersten Omicron-Welle“, schrieb die an der Studie beteiligte Physikerin Viola Priesemann auf Twitter. Die Krankenhausbelastung könnte sogar geringer sein. „Ich freue mich sehr, dass wir für diesen Winter (relativ) positiv sein können.“

Sollte sich jedoch eine neue Virusvariante etablieren, die den Immunschutz teilweise umgeht, aber kein höheres Risiko für schwere Erkrankungen birgt, sei mit einer Belastung des Gesundheitssystems zu rechnen, die „in der Größenordnung der bisherigen Spitzenwerte“ liegt während der Omicron-Welle Anfang 2022″. , so Priesemann. Im schlimmsten Fall – einer Variante, die auch schwere Verläufe auslöst – könnten „die bisher in der Pandemie erreichten Spitzenwerte der Krankenhausbelastung deutlich überschritten werden“. Bisher gebe es dafür aber keine „starken Hinweise“, so Priesemann, der auch im Corona-Expertenrat der Bundesregierung sitzt. „Aber das kann sich jederzeit ändern.“

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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