Mittwoch, November 30, 2022
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Update Erster Besuch seit Kriegsbeginn Lambrecht erlebte Odessa zweimal im Luftschutzkeller

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Bei einem Überraschungsbesuch in Odessa muss Verteidigungsminister Lambrecht zweimal in den Luftschutzkeller. Die Russen hätten vom Meer aus auf die Stadt geschossen, erklärt ihr Kollege. Da passt es, dass der SPD-Politiker eine schnelle Lieferung von Flugabwehrwaffen verspricht.

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ist zum ersten Mal seit Kriegsbeginn in die Ukraine gereist. In der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer wurde die SPD-Politikerin von ihrem ukrainischen Amtskollegen Oleksiy Resnikov empfangen. Bei ihrem Besuch musste sie wegen Fliegeralarm zweimal in einem Bunker Zuflucht suchen.

Lambrecht versprach, innerhalb weniger Tage eine erste Einheit des bereits zugesagten bodengestützten Luftverteidigungssystems Iris-T SLM zu liefern. Auch die Bundeswehr verfügt noch nicht über das State-of-the-Art-System. Kurz vor dem aus Sicherheitsgründen zunächst geheim gehaltenen Besuch trafen ukrainischen Quellen zufolge zwei russische Iskander-Raketen ein Industriegebiet in Odessa. Niemand wurde verletzt.

Im Hafen von Odessa erfuhr der Minister vom Einsatz eines von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten Flugabwehrpanzers Gepard. Deutschland lieferte insgesamt 30 dieser Panzer, darunter rund 6.000 Schuss Munition, in das von Russland angegriffene Land. Das System trage zum Schutz der „kritischen Infrastruktur“ und zur Abwehr russischer Luftangriffe bei, sagte sie im Getreidehafen. Von dort wird das ukrainische Getreide über das Schwarze Meer in die Welt exportiert, nachdem Lieferungen von Russland lange Zeit blockiert waren. Lambrecht sprach auch mit dem in Deutschland ausgebildeten Gepard-Team.

Ein geplanter Besuch der rund 40 Kilometer von der Front entfernten Stadt Mykolajiw musste wegen drohender russischer Raketen- und Artillerieangriffe aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. In der Gegend wollte Lambrecht ursprünglich gemeinsam mit Reznikov Waffenstellungen, Ausbildungsstätten und Minenräumaktionen besuchen.

Wegen eines 45-minütigen Luftalarms musste der 57-Jährige am Nachmittag in einem Bunker Unterschlupf suchen. Reznikov sagte, die Russen hätten eine Kalibr-Rakete abgeschossen, höchstwahrscheinlich von einem Schiff aus. Im Bunker warb er für die Lieferung von Schiffsabwehrraketen. Der SPD-Politiker sagte, die Situation mache deutlich, wie wichtig es sei, schnell eine erste Einheit des bodengebundenen Luftverteidigungssystems Iris-T SLM auszuliefern. Lambrecht sprach von einer Lieferung in wenigen Tagen und lobte das ukrainische Team des Systems, das sie bei der Schulung in Deutschland kennengelernt hatte.

In der Nacht wurde Lambrecht von einem weiteren Fliegeralarm geweckt. Mit weiteren Mitgliedern ihrer Delegation musste die SPD-Politikerin kurz vor 1 Uhr im Bunker ihres Hotels Unterschlupf suchen. Nach etwa 20 Minuten wurde Entwarnung gegeben und die Ministerin konnte auf ihr Zimmer zurückkehren. Lambrecht sagte der Deutschen Presse-Agentur, sie sei im Schlaf vom Alarm überrascht worden. Aus Sicherheitsgründen habe sie vor der Reise in die Ukraine ihr Handy abgegeben, um eine Ortung zu verhindern. Sonst wäre sie wahrscheinlich noch wach gewesen und hätte auf ihrem Handy gelesen, sagte die Ministerin.

„Die Ukraine erlebt derzeit unglaublich viele Luftangriffe, deshalb ist es so wichtig, dass wir in Sachen Luftverteidigung noch mehr Unterstützung leisten“, sagte der Minister zuvor und betonte: „Dort können Sie sich auf uns verlassen.“ Reznikov sagte, die Ukrainer würden kämpfen, bis alle ihre Gebiete befreit seien – einschließlich der Krim, der 2014 von Russland annektierten Schwarzmeerhalbinsel.

Lambrecht versprach die schnelle Lieferung einer Einheit des Luftverteidigungssystems Iris-T SLM. Deutschland will der Ukraine zunächst vier der jeweils 140 Millionen Euro teuren Systeme zur Verfügung stellen. Die Finanzierung für drei weitere Systeme ist gesichert. Eine Einheit besteht aus vier Fahrzeugen – einer Feuerleiteinheit und drei Raketenwerfern. Es soll eine mittelgroße Stadt vor Luftangriffen schützen können. Das System ermöglicht nach Angaben des deutschen Herstellers Diehl Defence den Schutz vor Angriffen durch Flugzeuge, Helikopter, Marschflugkörper und ballistische Kurzstreckenraketen.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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