Freitag, August 12, 2022
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USA töten Al-Qaida-Chef in Kabul Al-Zawahiris Tod ist eine Warnung an die Taliban

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Er radikalisierte sich früh, plante mehrere Anschläge und wurde schließlich Bin Ladens Nachfolger. Doch unter al-Zawahiri verlor al-Qaida an Bedeutung. Sein Tod ist weniger ein schwerer Schlag gegen den Terrorismus als vielmehr ein klares US-Signal an die Taliban.

Er ist nicht annähernd so bekannt wie Osama bin Laden und stand oft im Schatten der Öffentlichkeit. Doch der am Samstag durch einen Drohnenangriff der USA getötete Aiman ​​al-Zawahiri war nicht nur sein Nachfolger an der Spitze von Al-Qaida. Er war nicht die Nummer zwei, aber ein mindestens ebenso gefährlicher Terrorist, dessen Blutspur sich über mehrere Kontinente zog. Und er war eine wichtige Figur in den islamistischen Terrornetzwerken.

„Der Gerechtigkeit ist Genüge getan und dieser Terroristenführer lebt nicht mehr“, sagte US-Präsident Joe Biden nach dem erfolgreichen Anschlag. Al-Zawahiri war der Drahtzieher hinter den Anschlägen auf Amerikaner und spielte eine Schlüsselrolle bei verschiedenen Terroranschlägen. Es war nicht nur ein Hinweis auf die Anschläge vom 11. September 2001, sondern auch auf die Anschläge auf die US-Botschaften in Daressalam und Nairobi im Jahr 1998 und auf die USS Cole im Jemen im Jahr 2000 für Al-Zawahiris Terrorgruppe Al-Jihad („Heiliger Krieg“) verantwortlich war.

1951 in Ägypten geboren, radikalisierte er sich früh. Er war Mitglied der Muslimbruderschaft, leitete Anfang der 1970er Jahre eine Terrorzelle mit Dutzenden von Mitgliedern – nebenbei praktizierte er Medizin – und stieg schließlich zum Anführer von Al-Dschihad auf. Er terrorisierte die ägyptische Regierung, rekrutierte Unterstützer und kämpfte mit den afghanischen Mudschaheddin gegen die sowjetischen Invasoren – wo er zum ersten Mal auf Bin Laden traf.

Auch wenn al-Zawahiri in den 1990er Jahren seine eigenen Pläne weiterverfolgte und weltweit nach Unterstützern suchte, blieb er Bin Laden immer nahe – nicht zuletzt, weil Bin Laden erfolgreicher rekrutierte und über größere Liquiditätsreserven verfügte. Gemeinsam mit Bin Laden baute er mehrere Terror-Trainingslager im Sudan auf, gemeinsam gingen sie Ende der 1990er-Jahre nach Afghanistan, nachdem die Taliban dort die Macht ergriffen hatten. Unter bin Ladens Einfluss nahm er auch zunehmend westliche, insbesondere US-amerikanische Ziele ins Visier.

Der Saudi-Araber und der Ägypter wurden zum führenden Duo von al-Qaida, nach dem 11. September traten sie gemeinsam in einem Video auf. In den Folgejahren rechtfertigte al-Zawahiri in Schrift- und Videobotschaften nicht nur den Massenmord vom 11. September, sondern auch andere Terroranschläge wie 2005 in London oder den islamistischen Kampf in Somalia. Schließlich wurde al-Zawahiri 2011 der neue Chef von al-Qaida, nachdem die USA bin Laden in Pakistan bei einem nächtlichen Überfall getötet hatten. Für die USA wurde er mit einem Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar zum meistgesuchten internationalen Terroristen.

Al-Zawahiri verlor jedoch zunehmend an Einfluss und erreichte nie die Attraktivität seines Vorgängers. 2013 beispielsweise löste sich die Terrorgruppe Islamischer Staat von Al-Qaida und gewann in den Folgejahren durch Gebietsgewinne in Syrien und im Irak an Größe und Macht. Viele junge Dschihadisten schlossen sich dem dynamischeren IS an, der auch nach dem Ende des eigenen Kalifats die bekannteste islamistische Terrororganisation blieb. Auch in Afghanistan war der IS aktiv, wo westliche Truppen vor einem Jahr endgültig abzogen und die islamistischen Taliban wieder die Macht übernehmen konnten.

Doch der Islamische Staat spielt am Hindukusch eine andere Rolle als die mit den Taliban verbündete al-Qaida. „Da ist der lokale Ableger des Islamischen Staates ISKP, der weiter bewaffnet gegen die Taliban kämpft und Anschläge verübt. Der ISKP möchte den Staat übernehmen“, sagt Afghanistan-Experte Thomas Ruttig gegenüber The Aktuelle News. Aber es gibt auch Al-Qaida und andere militante Gruppen. „Meiner Meinung nach haben die Taliban sie relativ sicher im Griff“, sagt Ruttig. „Sie haben auch kein Interesse daran, dass es wieder Anschläge aus Afghanistan gibt, weil sie nicht wieder internationale Aufmerksamkeit erregen wollen.“

Der Tod des 71-jährigen Terroristen ist daher weniger ein schwerer Schlag gegen den internationalen Terrorismus, als vielmehr eine Warnung der USA an die neuen Machthaber in Kabul. Unter Präsident Donald Trump unterzeichneten sie das Doha-Abkommen mit der Taliban-Führung. Darin verpflichtete sich Washington, alle eigenen Truppen abzuziehen. Die Taliban wiederum versprachen nicht nur Friedensgespräche mit der damaligen Regierung – die mit ihrer Machtübernahme im August 2021 obsolet wurden – sondern auch, dass sie keine Terroristen beherbergen würden. Dieses Abkommen richtete sich in erster Linie gegen Al-Qaida.

Die Taliban mögen gegen den Präzisionsschlag protestieren, aber sie selbst haben zuletzt immer wieder betont, dass sie Terroristen keinen Unterschlupf mehr bieten wollen. Und mit dem Tod von al-Zawahiri mitten in Kabul zeigen die USA ganz deutlich, dass sie sich an Doha erinnern. Ein US-Regierungsbeamter sagte, die Taliban hätten eindeutig Vereinbarungen mit den Vereinigten Staaten verletzt. Und Mitglieder der Taliban-Führung hätten vom Aufenthaltsort des Al-Qaida-Chefs gewusst. Kein Wunder: Er starb in einem Haus im ehemaligen Diplomatenviertel, das laut New York Times zum Besitz von Siradschuddin Haqqani gehört, einem Warlord und Innenminister der Taliban-Übergangsregierung. Auch andere Taliban-Angehörige leben in der Gegend, darunter der Premierminister der Übergangsregierung und sein Stellvertreter. Es war undenkbar, dass sich Al-Sawahiri hier versteckt haben könnte.

Die USA bereiten nach eigenen Angaben den Anschlag auf al-Sawahiri seit Monaten vor. Das bedeutet auch, dass sie ihn erst aufgespürt haben, als die Taliban wieder an der Macht waren. Zuvor soll er sich im Grenzgebiet zu Pakistan versteckt gehalten haben. Gut möglich, dass sich der Al-Qaida-Chef nach dem Machtwechsel wieder sicher gefühlt hat. Angeblich wollte er mehr Zeit mit seiner Familie verbringen, die in das betreffende Haus einzog. Vielleicht dachte er an die Zeit zurück, als er mit bin Laden durch Afghanistan streifen konnte, bevor die Taliban nach dem 11. September gestürzt wurden.

„Egal wie lange es dauert, egal wo Sie sich verstecken, wenn Sie eine Bedrohung für unser Volk darstellen, werden die Vereinigten Staaten Sie finden und ausschalten“, sagte Präsident Biden. Vor den wichtigen Zwischenwahlen im Herbst kann er einen längst überfälligen Sieg im Kampf gegen den Terror verbuchen, der auch den chaotischen Abzug vor einem Jahr überdecken soll. Doch der Tod von al-Zawahiri kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Al-Qaida unter dem 71-Jährigen an Bedeutung verloren hat und andere Terrororganisationen derzeit eine größere Bedrohung darstellen.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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