Dienstag, August 9, 2022
StartNACHRICHTENVerhandlungen beginnen in Frankfurt: Terrorverdächtiger Marvin E.: Was wir wissen

Verhandlungen beginnen in Frankfurt: Terrorverdächtiger Marvin E.: Was wir wissen

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Marvin E. soll in Hessen eine Terrorgruppe entworfen und dafür rund 15 Sprengsätze gebaut haben. Er stand auf einer CDU-Liste für die Kommunalwahl – und nun vor Gericht.

Als der CDU-Vorsitzende in Spangenberg auf Marvin E. zuging, habe er gerade beim Reinigen der Mikwe geholfen, einer traditionellen jüdischen Toilette, sagt der CDU-Mann. Und: „Es ist schwer, junge und fleißige Leute in der Gegend zu finden“, sagte Jörg Lange gegenüber ZDFheute.

Marvin E. fragte daraufhin lange, ob er sich nicht vorstellen könne, in der hiesigen CDU aktiv zu werden. Und Marvin E. hätte es ahnen können: Anfang 2021 kandidierte er, der kurz darauf wegen Terrorismusvorwürfen verhaftet werden sollte, als parteiloser Kandidat auf der CDU-Liste im nordhessischen Spangenberg mit 6000. .

Im September durchsuchte die Polizei daraufhin die Wohnung von Marvin E. Dabei wurden etwa 15 große selbstgebaute Sprengkörper, die sogenannten „unkonventionellen Sprengkörper“, gefunden. Das können zum Beispiel Rohrbomben sein.

Auch Marvin E. stellte eine „Mischung“ her – die laut Bundesanwaltschaft eine explosive Wirkung gehabt haben könnte:

Außerdem wurde eine Art rassistisches Manifest über ihn entdeckt, das zu einem „totalen Rassenkrieg“ aufrief. Allerdings handelte es sich dabei nicht um eine einseitige Version, wie das ZDF heute aus Sicherheitskreisen erfuhr, sondern um eine auf wenige Seiten geschriebene grobe Skizze seiner Pläne.

Seitdem sitzt Marvin E. in Untersuchungshaft. Wie in solchen Verfahren üblich, übernahm die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen. Marvin E. wird es tun

Am Dienstag beginnt die Hauptverhandlung vor dem Oberlandesgericht Frankfurt.

Marvin E. könnte Teil einer international vernetzten rechtsterroristischen Szene sein. Die Neonazi-Gruppe, der er angehört, nennt sich „Atomwaffenabteilung“. Es stammt aus den USA, ist aber weltweit über das Internet verbunden. Ihr Ziel: „Rassen- und Bürgerkriege“ müssen durch Terror angezettelt werden, um die Vorherrschaft einer „weißen Rasse“ zu sichern.

Marvin E. soll ganz konkrete Pläne gehabt haben: Im Sommer 2021 beschloss er, innerhalb von drei Jahren einen Bürgerkrieg zu beginnen. Eine Splittergruppe namens „Hessische Atomwaffendivision“ sollte Anschläge mit Sprengkörpern und Waffen durchführen. Es plante laut OLG Frankfurt auch eine „Plakataktion in einer hessischen Stadt“, um Mitglieder zu werben.

Rechtsextremismus-Experten wie Miro Dittrich sprechen von militanter Beschleunigung in der Atomwaffenabteilung:

Auch in Deutschland wurde ein Ableger der Division Atomwaffe gegründet. Neben einem Video wurden Flyer gefunden, ZDFheute hatte in einem Datenleck deutsche Mitglieder identifiziert. In den USA sollen Atomwaffen-Mitglieder für fünf Morde verantwortlich sein.

Marvin E. soll auch studiert haben, wie man Waffen mit einem 3D-Drucker herstellt. Der Vorteil solcher „Geisterwaffen“: Sie können im Wohnzimmer hergestellt werden und sind aufgrund fehlender Seriennummern nicht rückverfolgbar. Auch der Mörder von Halle hatte solche Waffen hergestellt.

Zum Zeitpunkt seiner Festnahme war Marvin E. Lehrling in einer örtlichen Tischlerei. Das ZDF wollte heute vom Firmenchef wissen, ob sein Azubi zu ihm zurückkehren könne. Er will sich dazu nicht äußern.

Für Spangenberg war die Nachricht von den Aktivitäten von Marvin E. damals „ein absoluter Schock“, so CDU-Chef Jörg Lange. „Man kann den Leuten nicht in die Köpfe schauen“, sagt er. Sollte Marvin E. verurteilt werden, will er ihn so schnell wie möglich aus der CDU-Gemeindeliste streichen – Parteimitglied sei er sowieso nicht gewesen, gibt Lange zu bedenken.

Aus rechtlichen Gründen ist eine vorzeitige Stornierung jedoch nicht möglich. Und deshalb ist noch Terrorverdächtiger Marvin E. dabei: Als potenzieller Nachfolger soll ein CDU-Mandatsträger im Ortsbeirat oder Stadtrat Spangenbergs scheitern.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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