Freitag, Juni 24, 2022
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Vermisster Brite in Brasilien: "Offenbar menschliches Gewebe gefunden"

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Brasilianische Behörden haben bei der Suche nach dem vermissten Journalisten Philips und seinem Begleiter möglicherweise menschliche Überreste gefunden. Angehörige eines Verdächtigen erheben schwere Vorwürfe gegen die Ermittler.

Die Sorgen um den in Brasilien verschwundenen britischen Journalisten Dom Phillips und seinen brasilianischen Begleiter Bruno Pereira wachsen: Bei der Suche nach den beiden Ermittlern ermittelten am Freitag im Amazonas-Regenwald mögliche menschliche Überreste und ein Ort, an dem offenbar etwas vergraben wurde. Das teilten Feuerwehr und Polizei mit. Am Donnerstag hatten Ermittler bereits Blutspuren im Boot eines festgenommenen Verdächtigen gefunden.

Feuerwehrmann Geonivan Maciel sagte Reportern am Freitag, dass Ermittler eine verdächtige Stelle mit „ausgehobener Erde“ im Dorf Cachoeira am Ufer des Flusses Itaquai untersuchen, wo die Männer zuletzt gesehen wurden. „Es sieht so aus, als hätte jemand an der Stelle gegraben oder etwas vergraben“, sagte Maciel. Bislang gebe es keine eindeutigen Beweise, „aber wir werden sehen, ob es irgendetwas gibt, mit dem wir etwas über die beiden Vermissten herausfinden können“.

Die brasilianische Bundespolizei teilte später mit, die Ermittler hätten bei der Durchsuchung „offenbar menschliches organisches Material“ gefunden. Ob es an der von Maciel beschriebenen Stelle gefunden wurde, war zunächst unklar. Nach Angaben der Polizei nahmen die Ermittler Proben für einen DNA-Vergleich aus den Wohnungen von Phillips und Pereira.

Die brasilianischen Behörden stehen unter immensem Druck, Phillips und seinen Begleiter ausfindig zu machen. Zahlreiche Prominente fordern eine Beschleunigung der Suche. Nun gibt es Vorwürfe, dass die Ermittler Grenzwerte überschritten haben.

Angehörige des festgenommenen Verdächtigen beschuldigten die Polizei der Folter. Polizisten schlugen Amarildo da Costa de Oliveira, besprühten ihn mit Pfefferspray, drückten seinen Kopf unter Wasser und traten gegen seine Beine, sagte sein Bruder Osnei der Nachrichtenagentur AP. Sie hätten ihn auch unter Drogen gesetzt. „Sie wollten, dass er gesteht, aber er ist unschuldig“, sagte Osenei da Costa de Oliveira, der seinen Bruder im Gefängnis besuchte.

Die örtlichen Sicherheitsbehörden wollten sich nicht äußern, da der Fall von der Bundespolizei untersucht werde. Auf Anfragen zu den Vorwürfen reagierte die Bundespolizei nicht.

Zuletzt wurden die Männer am Sonntag vergangener Woche im unzugänglichen Vale do Javari, dem zweitgrößten indigenen Gebiet Brasiliens, gesehen. Begleiter der beiden sagten, dass sie einen Tag vor ihrem Verschwinden von einer Gruppe Fischer mit vorgehaltener Waffe bedroht worden seien. Einer der Fischer soll Amarildo da Costa de Oliveira gewesen sein.

Seine Familie sagte, der Mann habe nicht mit einer Waffe, sondern mit einem Ruder gedroht, weil er sich von bewaffneten Indianern bedroht fühlte, die Phillips und Pereira begleiteten. Sie bestritt Vorwürfe, Costa de Oliveira habe dort illegal gefischt.

Die Bundespolizei sagte, sie habe Blut im Boot von da Costa de Oliveira gefunden, das jetzt analysiert wird. Die Familie des Verdächtigen sagte, das Blut stamme wahrscheinlich von einem Schwein, das er einige Tage vor seiner Festnahme geschlachtet hatte. Da Costa de Oliveira war bisher die einzige Person, die in dem Fall festgenommen wurde.

Der 57-jährige Phillips berichtet seit mehr als zehn Jahren aus Brasilien, unter anderem als freiberuflicher Journalist für die Zeitungen „Guardian“ und „Washington Post“. Zuletzt arbeitete er an einem Buch über den Schutz des Amazonas.

Pereira ist seit langem im Dienst der brasilianischen Behörde für indigene Angelegenheiten im Vale do Javari. Er beaufsichtigte ihr regionales Büro und war für die Verwaltung isolierter indigener Gruppen verantwortlich. Pereira nahm sich dann eine Auszeit, um den lokalen Stammesangehörigen dabei zu helfen, sich gegen illegale Fischer und Wilderer zu verteidigen. Seit Jahren wird der Beamte und Sachverständige wegen seiner Arbeit bedroht.



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