Samstag, Oktober 1, 2022
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Vor Corona-Winter-Impfexperte Sander: "Wir brauchen unbedingt nasale Impfstoffe"

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Experten zum Thema Corona blicken mit Zuversicht auf den kommenden Herbst und den kommenden Winter. Dank besserer Daten, angepasster Impfstoffe und besserer Medikamente sei das Land besser vorbereitet, sagte Infektiologe Sander von der Charité. Für eine Entwarnung ist es jedoch noch zu früh.

Eigentlich könnten sich alle etwas entspannen: Deutschland ist besser auf den Corona-Winter vorbereitet als in den beiden Pandemiejahren zuvor. „Wir haben eine viel, viel bessere Situation als je zuvor“, sagt Leif Erik Sander, Leiter der Infektiologie an der Berliner Charité. In diesem Winter werden in den Krankenhäusern bessere Daten zur Zahl der Corona-Patienten erhoben und wir werden somit genauer wissen, wie viele Infizierte nicht nur auf der Intensivstation, sondern auch auf den Normalstationen behandelt werden. Auch der Zugang zu antiviralen Medikamenten wird besser und angepasste Impfstoffe werden ebenfalls einen Unterschied machen.

Entwarnung gibt er dennoch nicht – es werde ein schwieriger Winter: Die Lage sei wegen des Personalmangels und der wirtschaftlichen Probleme in den Krankenhäusern angespannt, sagt das Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung. Aufgrund der zu erwartenden Krankheitswellen wird die Belastung in den kommenden Monaten zunehmen.

Wie viele schwere Fälle es in den kommenden Monaten geben wird, hängt auch von der Bereitschaft der Bevölkerung ab, wieder aufgestockt zu werden. In der kommenden Woche soll ein neuer Impfstoff in die Praxis eingeführt werden, der an die in Deutschland verbreitete omicron-Variante BA.5 angepasst ist. Weil die Zeit drängte, haben die US-Gesundheitsbehörde FDA und die Europäische Arzneimittelbehörde EMA den Impfstoff von Biontech/Pfizer auch ohne abschließende klinische Studien zugelassen. Eine nicht ungewöhnliche Praxis. So mache man das seit Jahren mit der Grippeimpfung, betont Sander.

Arztpraxen haben in dieser Woche bereits weitere angepasste Impfstoffe erhalten: die für die Variante BA.1 modifizierten Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer. Insgesamt unterscheiden sich die angepassten Impfstoffe nicht wesentlich von denen, die viele bereits erhalten haben, erklärt Sander: „Die chemische Zusammensetzung ist exakt gleich.“ Nur minimale Veränderungen am mRNA-Molekül sorgen dafür, dass die neuen Impfstoffe besser gegen omicron wirken.

Anpassungen bei den Impfstoffen waren notwendig, weil sich das Virus ständig verändert. Es mutiert, um der durch Infektion und Impfung hervorgerufenen Immunität zu entgehen. Das kennen die Forscher auch von anderen Viren, aber anders als beispielsweise das Grippevirus verändert sich das Coronavirus nicht langsam, sondern sprunghaft. Wie sich die Omicron-Variante entwickelt, lässt sich nicht vorhersagen, Sander spricht von „Random Events“.

Der Immunologe kann nicht betonen, dass die krankheitserregenden Eigenschaften des Virus weiter nachlassen, wie einige behaupten. Es gibt Veränderungen, die er als besorgniserregend einstuft – wie aktuell eine Leitung in Indien. Entscheidend ist, welche Varianten sich durchsetzen.

Ab einer vierten Impfung mit einem angepassten Impfstoff erwarten die Forscher „eine Verbreiterung der Immunantwort“, wie Sander sagt. „Damit Sie auch vor zukünftigen Virenvarianten geschützt sind.“ Außerdem erhofft man sich einen verbesserten Schutz vor Infektionen, obwohl klar ist, dass Impfstoffe, die in den Muskel gespritzt werden, niemals zu 100 Prozent vor einer Infektion schützen würden.

Ein ganz großer Fortschritt sind nasale Impfungen. Also Nasensprays, die Sie im Zweifelsfall alle drei Monate anwenden und die für eine sogenannte Schleimhautimmunität sorgen. „Sie könnten den Vorteil haben, die Ansteckung und auch die Übertragung des Virus massiv zu reduzieren“, sagt der Impfexperte. „Deshalb denke ich, dass wir unbedingt nasale Impfstoffe brauchen!“

Sander denkt zum Beispiel, dass es in Altenheimen eingesetzt werden könnte. Darüber hinaus wäre bei nasalen Impfstoffen die Dosis geringer und Ärzte wären nicht erforderlich, um das Spray zu verabreichen. Allerdings wird diese Lösung in der westlichen Hemisphäre derzeit noch zu wenig erforscht.

Diesen Winter müssen also wieder die Oberarme für die Impfungen eingesetzt werden. Die gute Nachricht: Sander sagt, dass alle Impfstoffe, die Ärzte derzeit in Deutschland impfen, sehr gut vor Krankheit und Tod schützen. Das gilt auch für die damals „alten“ Impfstoffe, die gegen den Wildtyp des Virus entwickelt wurden. Wer gerade damit aufgeputscht wurde, hat die richtige Entscheidung getroffen.

Müsste sich Leif Erik Sander selbst für einen Impfstoff entscheiden, würde er den an die neueste Omicron-Variante angepassten wählen. Welche Empfehlung die Ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (STIKO) für die angepassten Impfstoffe geben wird, ist noch unklar.

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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