Sonntag, Mai 22, 2022
StartNACHRICHTENVor einer neuen Verhandlungsrunde: Streiks in Kindergärten: Was ist das?

Vor einer neuen Verhandlungsrunde: Streiks in Kindergärten: Was ist das?

- Anzeige -

Es sind 330.000. Eigentlich sogar 1,6 Millionen. Aber die Bedingungen in den Kindergärten und sozialen Strukturen verbessern sich überhaupt nicht. Jetzt streiken die Arbeiter des Sektors. still.

Heute ist es München, gestern Köln und Gelsenkirchen, noch vor anderen Städten: Krippen und Einrichtungen bleiben geschlossen. Bis zu 40.000 Beschäftigte von Kita, Sozialhilfe, Sozialhilfe und Behindertenhilfe könnten in dieser Woche streiken. Die Gewerkschaft Verdi will den Druck auf die Kommunen erhöhen.

Die dritte Verhandlungsrunde im Tarifstreit ist für kommende Woche angesetzt. „Wir sind so wütend“, „Wir stehen bis zum Hals im Wasser“, war auf den Schildern der Angreifer zu lesen.

Solche Plakate hast du schon so oft geschrieben. Allerdings hat sich nicht viel geändert. Und seit der Corona-Pandemie hat sich die Situation stark verschlechtert. Eltern sind verärgert über die Schließung von Kitas. Kommunen befürchten höhere Kosten. Mitarbeiter sind abgemagert und fühlen sich ebenso ungehört wie das Pflegepersonal. Nur dass vor den Kindergärten noch nie jemand applaudiert hat.

Beispiel Kita-Verband Mitte-West in Berlin. Dem Verband der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz gehören 29 Einrichtungen an. 370 Fachkräfte kümmern sich um die Mädchen und Jungen im Südwesten der Stadt. 20 Stellen sind unbesetzt. Dies ist eine Seite der Medaille.

Viele Mitarbeiter sind am Ende ihrer Kräfte. Menschen, die lange krank waren, kommen oft nicht zurück.

„Die sind alle ein bisschen erschöpft“, sagt Ingrid Klein, Vorstandsmitglied des Kita-Verbandes. Der aktuelle Streik von Verdi geht Sie als Kirchenlieferanten nichts an. Tarifverträge werden jedoch in der Regel für alle 1,6 Millionen Beschäftigten in der Branche abgeschlossen. In den vergangenen Jahren sei so viel versucht worden, mehr Menschen für die Branche zu begeistern, sagt Klein. Es hat nicht viel gebracht. „Wir sehen nicht das Ende des Tunnels, wo Fachkräfte herkommen sollten.“

In der Öffentlichkeit hinken Kindergärten schon immer hinterher:

Und jetzt die Kinder aus der Ukraine. Natürlich wollen die Mitarbeiter helfen, sagt Klein. Schließlich gehört man einer kirchlichen Organisation an und die Hilfsbereitschaft gehört zur pädagogischen Grundhaltung. Klein rechnet mit zwei bis drei Kindern pro Kita. Kinder, die kein Deutsch sprechen, könnten traumatisiert werden. So sehr man auch helfen möchte: Bei manchen Bauwerken ist es der berühmte Tropfen zu viel in der Tonne.

Christine Behle weiß, dass Kinderstreiks nicht nur dazu dienen, sich mit ihren Eltern anzufreunden. Deshalb sei man zunächst zurückhaltend gewesen, sagt Gewerkschaftsvizepräsident Verdi. „Aber wir erfahren auch viel Zustimmung.“ Viele würden sehen, wie Mitarbeiter eingebunden werden, aber sie können den Ansprüchen der frühkindlichen Bildung nicht mehr gerecht werden.

Die Gewerkschaft will bessere Arbeitsbedingungen erreichen. Warum: Ein Viertel der Mitarbeiter bleibt laut Behle in den ersten fünf Jahren der Beschäftigung. Der Vorschlag lautet, dass den Arbeitnehmern bei einer höheren Arbeitsbelastung eine Ruhepause eingeräumt werden sollte. Zum Beispiel, wenn Stellen nicht besetzt sind. Außerdem werden höhere Löhne gefordert.

Da sei schon viel passiert, sagt Behle. „Aber das ist noch nicht genug.“ Wenn ein Sozialarbeiter mit einem Abschluss im öffentlichen Dienst weniger verdient als ein vergleichbarer technischer Beruf, kein Wunder. „Wir brauchen ein grundlegendes Upgrade“, sagt Behle. Corona brachte nicht den erhofften Schub, im Gegenteil: Die Situation hatte sich verschlechtert.

Kommunen streiten mit Kosten. Die Ausgaben für Kinderbetreuung sind seit 2010 um 140 Prozent gestiegen. 2021 hätten Bund, Länder und Kommunen rund 38 Milliarden Euro dafür ausgegeben. Der Verband der kommunalen Arbeitgeberverbände schätzt, dass fast die Hälfte der Beschäftigten in den Kommunen festsitzen.

Karin Welge ist Oberbürgermeisterin von Gelsenkirchen und Verhandlungsführerin der kommunalen Arbeitgeber. Die Gehälter der Beschäftigten im Sozial- und Bildungswesen sind seit 2015 um 61 % gestiegen, die aller anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst nur um 31 %. Die Mitarbeiter des Rettungsdienstes, der Gesundheitsämter etwa hätten während der Corona-Pandemie viel geleistet.

Andererseits sind Verhandlungen über Arbeitsbedingungen möglich, aber nur dort, wo es für Arbeitnehmer tatsächlich schwieriger geworden ist. Welge sieht den Hilfskatalog der Gewerkschaften kritisch. Denn dann könnte es Unterschiede zwischen ärmeren und reicheren Kommunen geben. „Wir finden es wichtig, dass alle Erzieherinnen und Erzieher, die die gleichen Aufgaben erfüllen, bundesweit gleich bezahlt werden.“ Verbesserungen kann es nur für die Beschäftigtengruppen geben, deren Arbeitsbedingungen sich geändert haben.

Am Montag beginnt in Potsdam die dritte Verhandlungsrunde zwischen den Grünen und den Kommunen. Geplant waren zwei Tage. Vorsorglich ist bereits eine Verlängerung um einen halben Tag geplant.

ZUGEHÖRIGE ARTIKEL

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Anzeige

Am beliebtesten

Letzte Kommentare