Freitag, Juni 24, 2022
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Vorbereitung auf den G7-Gipfel: Der Sherpa der Kanzlerin

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Am Sonntag beginnt der G7-Gipfel in Elmau. Seit Monaten verhandeln die Sherpas, die wichtigsten Berater der Staats- und Regierungschefs, hinter den Kulissen miteinander. Für Bundeskanzler Scholz ist das der Ex-Banker Kukies.

Normalerweise braucht man in den bayerischen Bergen keine Sherpas. Es sei denn, der Gipfel heißt G7. Dann ja. Für den Sherpa der Kanzlerin, Jörg Kukies, bedeutet dies monatelanges Herumreisen und Verhandeln. Und vor allem: Lernen Sie die anderen Sherpas der Welt kennen. Denn Kukies ist genauso neu im Amt wie die Kanzlerin. Wenn er mit der Kanzlerin in die G7-Staaten reist, fügt er deshalb immer einen Tag hinzu, um den jeweiligen Sherpa-Kollegen persönlich zu besuchen.

Kukies muss die Kanzlerin nicht mehr persönlich kennenlernen, er hat Scholz schon in seiner Zeit im Finanzministerium beraten. Kukies ist Spezialist und war zuvor Investmentbanker bei Goldman Sachs. Nach seinem Studium in Paris und Chicago verfolgte er eine Karriere im Finanzbereich.

Nicht unbedingt ein typischer SPD-Karriereweg. Kukies war als junger Mann Juso-Chef in Rheinland-Pfalz. Später startete er jedoch nicht als internationaler Investmentbanker durch und blieb der heimischen SPD verbunden. So kam irgendwann der Kontakt zu Scholz zustande. Die beiden verstanden sich gut und Scholz überzeugte ihn zum Seitenwechsel. Statt viel Geld auf den internationalen Finanzmärkten hieß es nun Akten in die oberste deutsche Finanzbehörde zu rollen.

Nun also: Weltpolitik im Kanzleramt. Verträge vorbereiten – und vor allem: zu einem Ergebnis verhandeln. Oft bis zur letzten Minute, in der letzten Nacht vor dem Gipfel. Das wiederum ist für Kukies altbekanntes Terrain – auch in der Geschäftswelt gibt es nächtliche Treffen: „Verträge werden oft verhandelt, wenn der Abgabetermin naht. Ich erinnere mich an mein Studium, als man seine Arbeit nicht um zwölf abgegeben hat Mittags, meistens aber kurz vor Mitternacht. Deadlines können sehr sinnvoll sein“, sagt Kukies.

Diesmal geht es um eine gemeinsame Position der G7 zum Ukraine-Krieg, aber auch um die Pandemie, den Schutz von Demokratien – und das Klima. Deutschland möchte einen Klimaclub gründen. Staaten, die bei erneuerbaren Energien führend sind. Das wird nicht einfach, weil es in den einzelnen Ländern viele unterschiedliche Vorstellungen und Abhängigkeiten gibt. Das Thema könnte eine dieser Nachtsitzungen werden, glaubt Kukies. Seine Maxime beim Verhandeln: „Dass jeder rausgehen und denken kann: schwieriges, aber gutes Ergebnis.“

In seinem früheren Job als Investmentbanker hat Kukies sicherlich mehr verdient als jetzt im Kanzleramt. Aber als Sherpa hat er viel umfassendere Aufgaben. Es geht nicht mehr nur ums Geld – es geht um die Zukunft: „Es ist einfach eine faszinierende Aufgabe, wenn man sich gemeinsam mit den größten und wichtigsten Demokratien und Industrienationen der Welt für die Klimaneutralität einsetzt – es ist einfach eine tolle Aufgabe“, meint Kukies. Es gibt kaum einen höheren politischen Gipfel für einen Sherpa.



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