Freitag, Januar 21, 2022
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Was bringt die Corona-Warn-App in die Omikron-Welle?

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Mit der rasant steigenden Zahl der Neuinfektionen steigt auch die Zahl der Warnmeldungen in der Corona-Warn-App. Aber welchen anderen Nutzen hat die App? Experten meinen, dass es an Omikron angepasst werden sollte.

Als Paul Lukowicz vor einigen Tagen die Corona-Warn-App auf seinem Smartphone öffnete, sah er, was man dort nicht sehen möchte: eine rote Warnmeldung – „erhöhte Gefahr“. Lukowicz ist Professor am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern. An dem Tag, an dem er laut App einen Risikokontakt hatte, war er im Skiurlaub in Österreich.

„Ich weiß es jetzt leider nicht: Schlägt die App Alarm, weil ich dort im Restaurant war, wo ein Infizierter saß? ein Infizierter hinter mir?“ Das ist ein entscheidender Unterschied für die Risikobewertung, sagt Lukowicz. Aber die App sagt Ihnen nicht den genauen Zeitpunkt einer Risikobegegnung. „Datenschutz ist sicher wichtig, aber die App hat es übertrieben“, sagt der Experte. „Ohne Kontext, zum Beispiel zu diesem Zeitpunkt, ist der Nutzen sehr begrenzt. Letztlich können die Menschen das Risiko besser einschätzen als die Technik allein.“

Die Corona-Warn-App wurde mittlerweile mehr als 40 Millionen Mal heruntergeladen. Wenn die Warnung rot ist, wird empfohlen, nach Hause zu gehen, sich nach Möglichkeit zu isolieren, auf Symptome zu achten und sich testen zu lassen. Die Zahl dieser Risikomeldungen durch die Nutzer der App ist angesichts der ansteckenden Omikron-Variante zuletzt deutlich gestiegen – und soll bald weiter steigen.

Doch wie sinnvoll ist das, auch wenn wichtige Kontextinformationen fehlen? Muss die App umfassend angepasst werden?

„Gerade in der aktuellen Phase der Omikron-Welle ist die App noch sinnvoll“, sagt Timo Ulrichs, Epidemiologe an der Hochschule Akkon in Berlin. Weil die Menschen nach den Feiertagen wieder mobiler sind, haben Restaurants weiterhin geöffnet. Hier kann die App unbemerkte Risikokontakte sichtbar machen.

Aber: „Wenn die Infektionszahlen rasant steigen, wird es im öffentlichen Leben höchstwahrscheinlich wieder deutliche Einschränkungen geben. Dann wird auch die App-Nutzung geringer“, sagt Ulrichs. Er plädiert dafür, die App an die Omikron-Variante anzupassen. Denn die App schlägt Alarm, wenn eine Risikobegegnung mindestens neun Minuten dauert und die Distanz weniger als zwei Meter beträgt. Das letzte Update auf dieser Berechnungsgrundlage soll vom April letzten Jahres stammen – lange bevor die Omikron-Variante entdeckt wurde. „Hier müsste man die Sensibilität der App erhöhen, weil die Omikron-Variante ansteckender ist“, sagt Epidemiologe Ulrichs.

Das sieht das Robert-Koch-Institut, Herausgeber der Corona-Warn-App, bisher anders. Auf Anfrage heißt es: „Wir beobachten kontinuierlich den Infektionsverlauf und prüfen vor diesem Hintergrund regelmäßig mögliche Änderungen der Corona-Warn-App. Eine Anpassung der Tracing-Funktion des CWA für Omikron durch engere Schwellenwerte für Entfernung oder Dauer führt zwangsläufig zu einem deutlichen Anstieg der Warnungen. Dies muss gegen die spezifische Ansteckungsgefahr durch die Omikron-Variante abgewogen werden. Die Voraussetzungen für diese Anpassung sind nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand heute nicht gegeben. „

Die Kommunikation des Zeitpunkts einer Risikobegegnung sei aufgrund von Vorgaben von Google und Apple sowie aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht möglich, „weil sonst in vielen Fällen auf die Identität des Kontakts geschlossen werden könnte“.

Für die Bundestagsabgeordnete und Netzwerkaktivistin Anke Domscheit-Berg ist die Corona-Warn-App derzeit „das einzige Mittel, das eine zeitnahe Rückverfolgung von Kontakten ermöglicht“. Viele Gesundheitsbehörden, die eigentlich für diese Aufgabe zuständig sind, kommen dem nicht mehr nach. „Die App ist der schnellste Weg, um Menschen zu warnen. Und eine rote Kachel hat auch eine psychologische Wirkung. Sie macht deutlich, dass es wichtig ist, sich in den Hintergrund zu treten – und nicht die Oma zu besuchen.“

Auch Domscheit-Berg spricht sich für eine Weiterentwicklung der App aus. Beispielsweise kann der in der App hinterlegte Impfpass berücksichtigt werden. Damit könnten je nach Impfstatus personalisierte Warnungen angezeigt werden. Immerhin gibt es eine solche Unterscheidung bereits in den Quarantäneregeln. Eine ungeimpfte Person würde dann in der App eine andere Warnmeldung erhalten als eine geimpfte Person, also noch kritischer gewarnt werden. „Das wäre sinnvoll“, sagt Domscheit-Berg.

Ähnlich sieht es der Informatikprofessor Lukowicz. Seine Idee: eine persönliche Gefährdungsbeurteilung, die der Nutzer am Ende eines jeden Tages in der App erhält.

Allerdings ist es derzeit unwahrscheinlich, dass ein solches Feature erscheinen wird. Die neue Version der Corona-Warn-App hat eine weitere Funktionserweiterung: Damit sollen Nutzer ihren Impfausweis direkt zusenden können, wenn sie beispielsweise online ein Ticket kaufen und der Veranstalter einen Nachweis verlangt.

Das Bundesgesundheitsministerium kündigte zudem an, dass ein Fehler, der Genesende betrifft, bald korrigiert werden soll. Bisher konnten Genesene ihre zweite Impfung nicht als Auffrischimpfung in der App speichern – die App benötigte auch hier drei von drei Impfungen. Zukünftig wird es hierfür ein separates Zertifikat geben. Dies sollte auch für Personen gelten, die eine Auffrischimpfung erhalten und zuvor mit einem Impfstoff geimpft wurden, der nur eine Dosis erfordert. Die technische Umstellung für das Zertifikat soll laut Bundesgesundheitsministerium bis zum 1. Februar erfolgen.



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