Sonntag, September 19, 2021
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"Was ist los mit Erdoğan?" Spekulationen über den Gesundheitszustand des türkischen Präsidenten

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In der Türkei staunt man über die gestiegenen Abbrecherzahlen von Recep Tayyip Erdoğan. Leidet die Gesundheit des Staatschefs nach fast 19 Jahren an der Macht? Die Opposition nutzt es, um die Stimmung zu heben.

In der Türkei gibt es derzeit Verdachtsmomente zum Gesundheitszustand von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Grund dafür sind unter anderem mehrere öffentliche Auftritte, bei denen das 67-jährige Staatsoberhaupt erschöpft zu sein scheint.

Am 21. Juli dieses Jahres löste Erdoğans Gruß zum Opferfest Spekulationen aus. In dem Video, das live aus seiner Sommerresidenz in Mamaris übertragen wurde, sieht der Präsident müde aus und scheint Schwierigkeiten zu haben, die Worte auszusprechen. Mitten in der 13-minütigen Nachricht nickt Erdoğan sogar ein, holt dann aber wieder auf.

Das Video ging in den sozialen Netzwerken sofort viral. Nutzer auf Twitter spotteten über den Vorfall: “Es gibt viele, die beim Zuhören einschlafen. Aber Erdogan schläft beim Sprechen ein”, schrieb eine Person aus der Türkei. Der Palast sagte dann, der Vorfall sei “menschlich”. Die weitgehend staatlich kontrollierten türkischen Medien berichteten über die Hitze und das prall gefüllte Programm des Präsidenten.

Bei einem weiteren Live-Auftritt von Erdoğan mit ausgewählten Journalisten am 12. August gerät ein Teleprompter in die Linse der Kamera. Zu sehen: die vorgefertigten Antworten, die der Präsident auf Fragen der Presse einfach vorgelesen hatte. Darüber hinaus werden derzeit Videos online verbreitet, die zeigen, wie Erdoğan sich beim Gehen schwer tut.

Oppositionelle Medien nahmen die Schwächen des Staatschefs sofort auf: „Was ist mit Tayyip Erdogan los?“ Fragte die Oppositionszeitung „Birgün“ und forderte von der Regierung, offen über seinen Gesundheitszustand zu kommunizieren. “Ist er müde oder krank?” So lautete die Schlagzeile der Online-Zeitung “Toplumsal”. Das Staatsoberhaupt war einst ein hervorragender Redner. “Die Erdogan-Ära ist vorbei”, kommentierte der im deutschen Exil lebende Journalist Can Dündar der “Zeit”. Auch pikant: Erdoğan selbst forderte vor seiner Amtszeit lautstark ein Rentenalter von 65 Jahren für Politiker des Landes. “Als der damalige Ministerpräsident Ecevit vor gut 20 Jahren aus gesundheitlichen Gründen wieder mit dem Gehen zu kämpfen hatte, ritzte Erdoğan ein: ‘Er ist schwer krank. Er sollte jetzt zurücktreten.’ Dündar schreibt in seinem Kommentar, das sorgt nun in der Türkei für Diskussionen über die Wählbarkeit des 67-Jährigen.

Auch Erdoğans neuestes Video, das derzeit auf Twitter kursiert, sorgt für Bosheit. Bei der Eröffnung eines Autobahntunnels durchtrennt ein kleiner Junge das Band – noch vor dem offiziellen Schnitt. Der Präsident dahinter tadelt den Jungen, indem er ihm dreimal auf den Kopf tippt. “Ein früher Oppositionskandidat”, scherzte ein Nutzer auf Twitter über das Video. Andere verglichen den Präsidenten in den Kommentaren mit Kemal Atatürk. Außerdem posteten sie Bilder des Republikgründers, die zeigen, wie er sich liebevoll an Kinder wendet.

Erdoğan und seine AKP-Partei schneiden in Umfragen derzeit nicht gut ab. Das Istanbuler Meinungsforschungsinstitut “Metropoll” hat Ende August neue Umfragen veröffentlicht. Auf die Frage, ob die Wähler mit der Art und Weise, wie Erdoğan seinen Job als Präsident macht, einverstanden sind, antworteten 51,5 Befragte mit „nein“. Laut der jüngsten Umfrage des Marktforschungsinstituts Aksoy würde Erdoğan verlieren, wenn jetzt Wahlen wären.

Die nächsten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Türkei stehen nicht vor 2023 an, aber immer wieder wird über vorgezogene Neuwahlen spekuliert.

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