Mittwoch, November 30, 2022
StartNACHRICHTENWegen des Friedensnobelpreises nimmt die Moskauer Justiz das Hauptquartier der Gedenkstätte weg

Wegen des Friedensnobelpreises nimmt die Moskauer Justiz das Hauptquartier der Gedenkstätte weg

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Offenbar ist der Nobelpreis für die russische Menschenrechtsorganisation Memorial dem Kreml-Regime ein Dorn im Auge. Am Abend enteignete ein Gericht das Moskauer Büro des verbotenen Vereins. Aufgeben wollen die Macher trotzdem nicht.

Auch die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete russische Menschenrechtsorganisation Memorial verliert nach ihrer Auflösung nun ihren Sitz in Moskau. Ein Gericht in der russischen Hauptstadt vergab das Gebäude in einem als politisch motiviert kritisierten Verfahren an den russischen Staat. Memorial kündigte an, seinen Kampf für die Menschenrechte fortzusetzen und den Nobelpreis zu feiern.

Das Nobelkomitee verlieh den Preis auch dem belarussischen Menschenrechtsanwalt Ales Byalyatski und dem ukrainischen Zentrum für bürgerliche Freiheiten. „Wir sind dem Nobelkomitee für diese ehrenvolle Auszeichnung dankbar“, sagte Memorial am Abend nach stundenlangem Ringen mit der Justiz um ihren Sitz. Die Justiz hatte die Organisation im vergangenen Jahr aufgelöst. Trotz des Drucks der Behörden solle die Arbeit „unter allen Umständen“ weitergeführt werden – ganz nach dem Vorbild von Gründervater Andrej Sacharow, so Memorial. Der Physiker Sacharow, auch bekannt als Erfinder der sowjetischen Wasserstoffbombe, erhielt 1975 den Friedensnobelpreis.

„Idee und Auftrag von Memorial sind Menschen, Geschichte, Hilfe für die Opfer von Repressionen, der Kampf gegen staatliche Gewalt“, heißt es in der Erklärung. „Memorial – es ist ein Netzwerk, es sind Menschen, es ist eine Bewegung.“ In Russland und der Ukraine sowie in anderen Ländern wird daran gearbeitet. Memorial stehe wie andere russische Bürgerrechtsorganisationen derzeit unter „starkem Druck“. „Aber Erinnerung und Freiheit lassen sich nicht verbieten.“

Memorial denkt an Bjalyatsky in Weißrussland sowie an andere politische Gefangene im Land und Kollegen, die in der Ukraine unter den Bedingungen des russischen Angriffskriegs arbeiten. Der Friedensnobelpreis fällt in eine Zeit, in der Russland einen Eroberungskrieg in der Ukraine führt und Rechte und Freiheiten im eigenen Land zerstört. Das ist eine Gefahr für die Welt.

Memorial-Mitbegründerin Irina Scherbakova bezeichnete die diesjährige Verleihung des Friedensnobelpreises als wichtiges Signal für die Menschen in Russland, die dem Kreml-Regime und dem Ukraine-Krieg kritisch gegenüberstehen. Die Entscheidung des Nobelkomitees sei für viele von ihnen ein freudiges Ereignis, sagte Scherbakowa am Abend in Jena. Denn viele Menschen in Russland haben Angst vor massiver Repression und Polizeigewalt. Aber es werde eine Zeit nach Präsident Wladimir Putin geben, betonte Scherbakova. „Ich hoffe sehr, dass Russland irgendwann einen Weg aus dieser moralischen, politischen Katastrophe und in Demokratie und Freiheit findet.“

Leo V.
Leo V.
Ich arbeite seit ca. 4 Jahren als Redakteurin in Bereichen wie Politik, Unterhaltung, Technik und Sport. Sie können an theaktuellenews@hotmail.com schreiben, um mich zu erreichen.
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